Datenreport 2016

Siedlungsstruktur und Bevölkerungsdichte



3.5.2016
Regionen werden unterschiedlich definiert. Sie beziehen sich in verwaltungspolitischer Hinsicht auf eine mittlere Ebene zwischen der Gemeinde und dem Bundesland, das heißt auf Länder, Bezirke und Kreise. Zugleich wird mit Region ein Verflechtungsraum bezeichnet, der wirtschaftlich, geografisch und kulturell bestimmt ist. Bislang liegen jedoch nur für verwaltungsmäßig abgegrenzte Raumeinheiten ausreichend statistische Informationen zu Lebensbedingungen und Lebensstandard vor.


Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) unterteilt darüber hinaus in Zentral-, Zwischen- und Peripherieräume. Daneben wird zwischen den drei siedlungsstrukturellen Typen Agglomeration, verstädterter und ländlicher Raum unterschieden, die in einem zweiten Schritt tiefer gegliedert werden: Agglomerationen in Kernstädte, hoch verdichtete Kreise, verdichtete Kreise und ländliche Kreise (die durchaus in großer Nähe zu Agglomerationen existieren, zum Beispiel rund um Berlin oder auch Braunschweig). Die verstädterten Räume werden unterteilt in Kernstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, verdichtete Kreise und ländliche Kreise. Im ländlichen Raum gibt es Kreise höherer (zwischen 100 und 150 Einwohner pro Quadratkilometer) und geringerer Dichte (unter 100 Einwohner pro Quadratkilometer). In neueren Berichten wird dagegen lediglich zwischen vier Kreistypen unterschieden: kreisfreie Großstädte, städtische Kreise, ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen sowie dünn besiedelte ländliche Kreise.


Die Daten in Tabelle 1 dokumentieren eine der vielfältigen regionalen Gliederungsmöglichkeiten. Bereits hier wird ersichtlich, dass in den unterscheidbaren Räumen unterschiedliche Lebensbedingungen vorzufinden sind. Überwiegend städtische Gemeinden machten 2013 zwar nur ein Fünftel der Gesamtfläche Deutschlands aus; hier lebten aber zwei Drittel der Bevölkerung und befanden sich drei Viertel aller Arbeitsplätze. Im Gegensatz dazu nahm der ländliche Raum zwar 60 % der Fläche ein, dort lebten allerdings nur 18 % der Bevölkerung, die lediglich 10 % aller Arbeitsplätze vorfanden. Fast die Hälfte der Bürger lebte in sehr zentralen Orten, jeder Vierte in peripheren oder sehr peripheren Orten.
Tab 1 Siedlungsstrukturelle Typisierung der Gemeindeverbände,
Anteil der Gemeinden 2013 — in ProzentTab 1 Siedlungsstrukturelle Typisierung der Gemeindeverbände, Anteil der Gemeinden 2013 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Einige Kreise im ostdeutschen Norden und in Niedersachsen wiesen eine Bevölkerungsdichte von weniger als 50 Einwohner pro Quadratkilometer auf (Prignitz 37 E / km², Altmarkkreis Salzwedel 38 E / km², Ostprignitz-Ruppin 41 E / km², Uckermark 40 E / km², Lüchow-Dannenberg 40 E / km², Ludwigslust-Parchim 45 E / km²). Am dichtesten besiedelt sind die Städte München (4.468 E / km²), Berlin (3.785 E / km²) und Herne (3.006 E / km²) mit mehr als 3.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. Wie Daten des BBSR zeigen, haben die dünn besiedelten Kreise zwischen 2011 und 2012 an Bevölkerung verloren, während die dicht besiedelten Kreise an Bevölkerung gewonnen haben. 


Eine dünne Besiedlung ist neben einem durch Land- und Forstwirtschaft geprägten Siedlungs- und Landschaftsraum der entscheidende Indikator für ländliche Regionen. Der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten war dabei deutschlandweit mit 0,8 % im Jahr 2012 sehr gering. Nur noch in einem Landkreis (Rhein-Pfalz-Kreis) ging der Anteil über die Zehn-Prozent-Marke hinaus. Ostdeutsche Länder hatten mit Ausnahme von Sachsen einen vergleichsweise hohen Anteil an ländlichen Regionen. In westdeutschen Bundesländern wiesen Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einen beachtlichen Anteil ländlicher Gebiete auf.


Abbildung 1 stellt dar, wie sich die Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig von Großstädten bis hin zu ländlichen Gemeinden strukturiert. Durch die Darstellung werden unabhängig von administrativen Grenzen genauere Beschreibungen ländlicher Räume möglich und Probleme insbesondere peripherer Gebiete bis auf Gemeindeebene deutlicher erkennbar.
Abb 1 Stadt- und Gemeindetypen 2015Abb 1 Stadt- und Gemeindetypen 2015 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Im innerdeutschen Maßstab zeigt sich, dass sich überdurchschnittliche Distanzen zum nächsten Oberzentrum oder zur nächsten Autobahn negativ auf die Lebensbedingungen auswirken. Sie behindern wirtschaftliche Ansiedlungen, Absatzmärkte und Zugangschancen der Bevölkerung zu Infrastrukturen. Die periphere Lage eines Kreises wird an der durchschnittlichen Pkw-Fahrzeit vom Kreis zum nächsten Oberzentrum gemessen. In ländlichen Räumen hat der Pkw eine höhere Bedeutung, um die Einrichtungen von Oberzentren (zum Beispiel Theater, Museen, Fachkliniken, Hochschulen oder Regionalbehörden) zu erreichen als in dichter besiedelten Regionen, in denen der öffentliche Nahverkehr ausgebaut ist und zudem kurze Taktzeiten aufweist (siehe Kapitel 11.1.1).


In Abbildung 2 sind in jedem Bundesland die Kreise mit den längsten Fahrzeiten zum nächsten Oberzentrum aufgeführt. Dünne Besiedlung und landschaftliche Besonderheiten (beispielsweise in den Mittelgebirgen und den Alpen) erhöhen die Fahrzeiten. In ostdeutschen ländlichen Kreisen ist die Distanz zu einem Oberzentrum im Mittel höher als in ländlichen Kreisen Westdeutschlands. Insbesondere Sachsen-Anhalt und deutlich abgeschlagen Brandenburg sind im Mittel durch lange Fahrzeiten geprägt. In den Kreisen Stendal und Prignitz beträgt die durchschnittliche Fahrtzeit zum nächsten Oberzentrum etwa eineinviertel Stunden. Eine noch kleinräumigere Betrachtung nach Gemeinden ergibt im Maximum eine Fahrzeit von 103 Minuten (Seehausen in Sachsen-Anhalt).
Abb 2 Durchschnittliche Pkw-Fahrtzeit zum 
nächsten Oberzentrum 2014 — in MinutenAbb 2 Durchschnittliche Pkw-Fahrtzeit zum nächsten Oberzentrum 2014 — in Minuten Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Wirtschaftskraft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2012, ist in 19 der 26 schwer erreichbaren Kreise niedriger als im jeweiligen Landesdurchschnitt. Somit besteht ein fast durchgehender Zusammenhang zwischen peripheren Lagen und eigener Wirtschaftskraft.


Ein bedeutendes Problem stellt der Ärztemangel dar. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen musste im Jahr 2012 ein Arzt in Ostdeutschland etwa 741 Einwohner versorgen gegenüber 416 Personen in kreisfreien Großstädten. In Westdeutschland war der Unterschied mit 692 Patienten in dünn besiedelten ländlichen Kreisen gegenüber 413 in kreisfreien Großstädten etwas geringer. Zudem lag die Einwohnerdichte mit 146 Personen pro Quadratkilometer in Ostdeutschland 2012 deutlich niedriger als in Westdeutschland (260), was längere Fahrzeiten zu Patienten bedeutet. Der in den 2000er-Jahren konstatierte Rückgang der Versorgungsgrade ist jedoch nicht länger festzustellen. Von 2007 bis 2012 stieg der Anteil an Ärzten in den dünn besiedelten ländlichen Kreisen mit 2 % im Westen und 1,6 % in Ostdeutschland leicht an, wenn auch weniger deutlich als in den kreisfreien Großstädten (6,3 % im Westen und 5,2 % im Osten).