Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Heiner Meulemann

Häufigkeit des Gebets


Nicht nur in der Kirche wird gebetet, sondern auch zu Hause. Die Frage "Wie oft beten Sie?" bezieht sich zunächst auf beides. Aber durch die Antwortvorgaben, die von "täglich" bis "nie" reichen, wird deutlich, dass das private Gebet im Hause gemeint ist. Die Verteilung dieser Variable ist in beiden Landesteilen zweigipflig: der häufigste Wert ist "nie", der zweithäufigste "täglich", alle mittleren Kategorien sind seltener besetzt. Daher ist es am besten, den Prozentsatz "nie" zu betrachten.
Abb 2 Häufigkeit des Gebets in West- und Ostdeutschland 1991– 2012 — in ProzentAbb 2 Häufigkeit des Gebets in West- und Ostdeutschland 1991– 2012 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Abbildung 2 zeigt, dass Nichtbeten zwischen 1991 und 2012 in Ostdeutschland um 37 bis 50 Prozentpunkte häufiger ist als in Westdeutschland. Die Differenz schwankt unregelmäßig. Die erzwungene Säkularisierung ist also nicht nur eine "Entkirchlichung", sie bringt auch eine Säkularisierung des privaten religiösen Verhaltens mit sich. Betrachtet man die Gebetshäufigkeit getrennt für Protestanten, Katholiken und Konfessionslose, so wird der Unterschied zwischen den Landesteilen zwar kleiner, verschwindet aber nicht. Die erzwungene Säkularisierung Ostdeutschlands hat also bis heute auch unabhängig von der Konfessionsmitgliedschaft Nachwirkungen auf die Gebetshäufigkeit.