Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Mareike Alscher, Eckhard Priller

Gering organisationsgebundenes Engagement


Neben dem organisationsgebundenen Engagement, also jenem in den zivilgesellschaftlichen Organisationen, finden auch in anderen Zusammenschlüssen Aktivitäten des freiwilligen Engagements statt. Es handelt sich dabei um ein geringer organisationsgebundenes Engagement, das in Selbsthilfegruppen, Initiativen, Projekten und selbstorganisierten Gruppen erfolgt. Die beiden Engagementformen unterscheiden sich vor allem in organisatorischer Hinsicht. Das Engagement in geringer formalisierten Zusammenschlüssen folgt häufig keinen so festen Regeln und hierarchischen Strukturen, wie sie zum Beispiel im Sport oder in Wohlfahrtsorganisationen zu finden sind. Die Engagierten bestimmen selbstständig über Ziele oder Aktivitäten, da bestimmte Gremien wie Vorstände fehlen. Einer geringeren Kontinuität und Planbarkeit des Engagements stehen dabei größere Spielräume für Kreativität und Improvisation gegenüber.


Das Engagement in Selbsthilfegruppen, Initiativen, Projekten und selbstorganisierten Gruppen ist in den letzten Jahren stabil geblieben. Im Jahr 2009 erfolgten 15 % des Engagements durch geringer organisationsgebundene Zusammenschlüsse. Dabei war das weniger formalisierte Engagement bei einigen gesellschaftlichen Gruppen stärker ausgeprägt als bei anderen. 


Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den Altersgruppen: Das Engagement in geringer organisationsgebundenen Kontexten nimmt mit zunehmendem Alter ab. Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren engagierten sich im Jahr 2009 zu 19 % in Selbsthilfegruppen, Initiativen, Projekten, selbstorganisierten Gruppen und anderen eher losen Zusammenschlüssen; dies taten dagegen nur 12 % der 60-Jährigen und Älteren. Die Ergebnisse im Zeitablauf zeigen, dass sich die Diskrepanz zwischen Jung und Alt verstärkt hat. Das geringer organisationsgebundene Engagement von jungen Menschen ist zwischen 1999 und 2009 um 4 % gestiegen. Die größeren Freiheitsgrade und Spielräume, die dieses Engagement bietet, sind offenbar eher für jüngere Menschen attraktiv.


Auffällig bei dem geringer organisationsgebundenen Engagement sind auch die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen engagierten sich auf diese Weise zu 18 %, Männer dagegen nur zu 12 %. Die insgesamt etwas geringere Engagementbeteiligung von Frauen hebt sich also im stärker selbstorganisierten Engagement zu ihren Gunsten auf. Der geschlechtsspezifische Unterschied in Bezug auf dieses Engagement erklärt sich anhand der Aktivitätsbereiche, in denen das geringer organisationsgebundene Engagement stattfindet. Hierbei handelt es sich in erster Linie um die Bereiche Schule und Kindergarten, Gesundheit sowie Soziales, die allgemein stärker durch ein weibliches Engagement geprägt sind. 


Ein Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland zeigt, dass bei dem Engagement in Selbsthilfegruppen, Initiativen, Projekten und selbst organisierten Gruppen regionale Unterschiede bestehen: In Ostdeutschland (17 %) war dieses Engagement etwas stärker ausgeprägt als in Westdeutschland (14 %). Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind zum Teil auf das Engagement von arbeitslosen Personen, deren Anteil in Ostdeutschland noch immer bedeutend höher ist, zurückzuführen. Neben jungen Menschen und Frauen sind auch sie stärker in weniger formalisierten Zusammenschlüssen engagiert. Grundsätzlich minimiert ein Erwerbsstatus, der durch ein geregeltes Einkommen und feste Arbeitszeiten gekennzeichnet ist, die Wahrscheinlichkeit in weniger formalisierten Kontexten freiwillig engagiert zu sein. Das geringer organisationsgebundene Engagement ist des Weiteren vom Bildungsniveau abhängig. Auch selbstorganisiertes Engagement wird eher von Personen mit hohem als mit einfachem Bildungsniveau ausgeübt. Personen mit einem niedrigen Bildungsstatus sind insgesamt weniger engagiert. Allerdings hat sich der Unterschied zwischen den Bildungsgruppen in dieser Engagementform nach den Angaben des Freiwilligensurveys nicht vergrößert.