Datenreport 2016

Politische Integration und politisches Engagement 


In sich immer stärker sozial und kulturell differenzierenden Gesellschaften wie der Bundesrepublik ist die Frage der Integration und der Teilhabe von zentraler Bedeutung für den Zusammenhalt. Das gilt nicht zuletzt für den Bereich der Politik in einer demokratischen Gesellschaft. Demokratie bedeutet die Möglichkeit der gleichen Teilhabe an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen. Durch gleiche Wahlen bestimmen die Bürger ihre politischen Repräsentanten, durch politische Beteiligung können sie Einfluss auf die Politik nehmen. In welchem Maße sich die Bürger engagieren und in welchem Ausmaß es einer Demokratie gelingt, Bürger in das politische Geschehen einzubeziehen, ist von zentraler Bedeutung für gleiche Teilhabechancen und politische Integration. Unter politischer Integration versteht man den Prozess, in dessen Verlauf die Bürger durch ihre eigene politische Beteiligung in die politische Willensbildung einbezogen werden und dadurch sowohl die demokratischen "Spielregeln" anerkennen als auch Loyalitätsbeziehungen gegenüber den politischen Institutionen und Akteuren entwickeln. Die Frage, wie viel Bürgerbeteiligung eine Demokratie braucht, bleibt offen und ist letztlich nur normativ zu beantworten. 


Es ist aber davon auszugehen, dass es ein Warnsignal für eine Demokratie ist, wenn eine Gesellschaft hinter ein bereits erreichtes Ausmaß politischer Integration zurückfällt oder starke regionale oder soziale Unterschiede in der Beteiligung der Bürger an der Politik darauf verweisen, dass eine gleichmäßige Integration nicht gelingt. Die Debatten über die "Mitgliederkrise" der Großorganisationen, über Politik- und Parteienverdrossenheit sowie über sozial bedingte politische Ungleichheit legen nahe, danach zu fragen, ob sich die Bürger der Bundesrepublik heute weniger politisch beteiligen als früher und ob sich Unterschiede zwischen sozialen, demografischen oder regionalen Gruppen ergeben. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die jüngeren Altersgruppen und ihr "Hineinwachsen" in die Demokratie von Interesse. Zudem stellt sich selbst mehr als zwei Jahrzehnte nach der deutschen Vereinigung die Frage, ob die Bürger in den neuen Bundesländern in vergleichbarer Weise wie die in den alten Bundesländern politisch integriert sind und ähnlich stark Zugang zum politischen Willensbildungsprozess finden.


Herausgeber dieses Kapitels: WZB / SOEP

Datenreport: Kapitel 13.2.1

Politisches Interesse und politische Partizipation


Das Ausmaß, in dem sich die Bürger für Politik interessieren, ist ein wichtiger Gradmesser, um festzustellen, inwieweit sie das politische Geschehen registrieren und an ihm teilnehmen. Das politische Interesse ist ein guter Indikator dafür, ob Politik für die Bürger wichtig genug ist, um sich darüber zu informieren und sich gegebenenfalls dafür zu engagieren.

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Datenreport: Kapitel 13.2.2

Bindung an Interessengruppen und politische Parteien


Die Mitgliedschaft in Interessengruppen und politischen Parteien ist ein weiterer Indikator für die Integration der Bürger in den politischen Prozess. Diese Organisationen sind häufig durch gesellschaftliche Selbstorganisation entstanden und dienen dem Zweck der Vertretung gemeinsamer politischer, wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Interessen.

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Datenreport: Kapitel 13.2.3

Zusammenfassung


Zusammengefasst verweisen die Ergebnisse einerseits darauf, dass der Grad politischer Integration bezogen auf die traditionellen, institutionalisierten Formen der Beteiligung in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Interessengruppen und Parteien verlieren an Mitgliederattraktivität.

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