Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Michael Blohm, Jessica Walter

Konsequenzen der Erwerbtätigkeit des Mannes für seine Kinder 


Im Folgenden werden vier ausgewählte Aussagen zur Rolle des Mannes in Familie und Beruf genauer betrachtet. Diese beziehen sich auf die Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes für seine Kinder und die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau in der Familie. Die Aussagen können den Tabellen 3 und 4 entnommen werden.


Die Aussagen in Tabelle 3 beziehen sich auf die Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Vaters für seine Kinder. Bisher wurde nur die Einstellung zu Konsequenzen der weiblichen Erwerbstätigkeit erfasst. Seit 2012 kann man diesbezüglich die Einstellungen zu Vater und Mutter vergleichen. Die meisten Befragten vor allem in Ostdeutschland waren 2012 der Meinung, dass sich die Erwerbstätigkeit der Mutter nicht negativ auf die Kindesentwicklung auswirkt (Tabelle 2). Die Erwerbstätigkeit des Vaters wurde allerdings ambivalent beurteilt. Die meisten Befragten stimmten zu, dass "ein Vollzeit erwerbstätiger Vater […] zu seinem Kleinkind normalerweise ein genauso inniges Verhältnis haben [kann] wie ein Vater, der nicht berufstätig ist". Allerdings gaben auch viele an, dass "ein Vollzeit erwerbstätiger Vater […] sich nicht ausreichend um seine Kinder kümmern [kann]". Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass die Befragten wahrnahmen, dass Vollzeiterwerbstätigkeit von Vätern zwar zu wenig Zeit zwischen Vater und Kindern führt, aber dadurch nicht zwangsläufig das Verhältnis zwischen Vater und Kindern leiden muss. Eventuell wird es von Vätern auch nicht erwartet, sich in hohem Maß um ihre Kinder zu kümmern.
Tab 3 Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes 2012 — in ProzentTab 3 Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes 2012 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Wie bei den Einstellungen zur weiblichen Erwerbstätigkeit standen Befragte im Osten der Erwerbstätigkeit des Vaters positiver gegenüber als Befragte im Westen. Dies lässt sich möglicherweise auf die in Ostdeutschland weit verbreitete generationenübergreifende Erfahrung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Familienpolitik der DDR zurückführen, bei der der Staat nicht der Familie hauptverantwortlich die Kinderbetreuung überließ, sondern diese stark unterstützte.


Männer standen der Erwerbstätigkeit von Vätern kritischer gegenüber als Frauen. Sie stimmten häufiger als Frauen zu, dass sich ein Vollzeit erwerbstätiger Vater nicht ausreichend um die Kinder kümmern kann. Auch waren weniger männliche Befragte der Ansicht, dass berufstätige Männer ein genauso inniges Verhältnis zu den Kindern haben wie nicht berufstätige Väter. Dieser Geschlechtsunterschied war im Osten besonders groß, da hier "nur" 30 % der Frauen im Vergleich zu 42 % der Männer glaubten, dass sich Vollzeit erwerbstätige Väter nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern können. 


Die Betrachtung der Einstellungen von berufstätigen und nicht berufstätigen verheirateten Frauen zeigt, dass gerade nicht berufstätige Frauen mit 85 % im Westen zu einem größeren Anteil als berufstätige Frauen (78 %) der Meinung waren, dass Vollzeit erwerbstätige Väter ein gutes Verhältnis zu ihrem Kind haben können. Im Osten stimmten dieser Aussage dagegen mit jeweils etwas über 90 % nahezu gleichviele berufstätige Frauen wie nicht berufstätige Frauen zu. Nicht berufstätige Frauen meinten sowohl im Westen als auch im Osten zu einem höheren Anteil als berufstätige Frauen, dass Väter, die Vollzeit berufstätig sind, sich nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern können. Vor allem im Westen war der Unterschied zwischen nicht berufstätigen und berufstätigen Frauen mit 51 % zu 35 % hoch, im Osten mit 32 % zu 28 % vergleichsweise niedrig. Hier zeigte sich das traditionellere Rollenverständnis von Frauen im Westen im Vergleich zum Osten. 


Bei verheirateten Männern zeigte sich im Osten und Westen ein ähnliches Bild wie bei westdeutschen verheirateten Frauen. Nicht berufstätige Ehemänner stimmten, im Vergleich zu berufstätigen Ehemännern, zu einem höheren Anteil sowohl der Aussage zu, dass ein Vollzeit erwerbstätiger Vater sich nicht ausreichend um seine Kinder kümmern kann, als auch der Aussage, dass ein Vollzeit erwerbstätiger Vater ein genauso inniges Verhältnis zu seinen Kindern haben kann wie ein nicht berufstätiger Vater.


Junge Menschen erwarteten bezüglich der Erwerbstätigkeit von Vätern weniger negative Konsequenzen für die Kinder als ältere Menschen. Diese sahen die väterliche Erwerbstätigkeit zu einem höheren Anteil als nachteilig für die Vater-Kind-Beziehung und waren der Meinung, dass Vollzeit erwerbstätige Väter sich zu wenig um ihre Kinder kümmern können. Die Unterschiede in den Einstellungen waren für die verschiedenen Altersgruppen in Westdeutschland größer als in Ostdeutschland. Gerade die Gruppe der über 65-Jährigen unterschied sich in Westdeutschland stärker von den Jüngeren als im Osten − eine Folge des in der Nachkriegszeit im Westen verbreiteten "traditionellen" Familienmodells.


Im Hinblick auf den allgemeinbildenden Schulabschluss zeigt sich, dass im Osten wie im Westen mit steigendem Bildungsniveau die Zustimmung zu der Aussage, dass sich Vollzeit erwerbstätige Väter nicht ausreichend kümmern, sank. Die Zustimmung zur Aussage, dass diese Väter ein genauso inniges Verhältnis haben können wie nicht erwerbstätige Väter, sank ebenfalls mit steigendem Bildungsniveau.


Es zeigte sich somit, dass in allen betrachteten Gruppen ein hoher Anteil der Personen der Meinung war, dass sich ein Vollzeit erwerbstätiger Vater nicht ausreichend um seine Kinder kümmern kann. Gleichzeitig war in allen Gruppen auch die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass ein Vollzeit erwerbstätiger Vater ein genauso inniges Verhältnis zu seinen Kindern haben kann, wie ein Vater, der nicht berufstätig ist.