Datenreport 2016

3.5.2016 | Von:
Michael Blohm, Jessica Walter

Arbeitsteilung in der Familie


Das männliche Alleinverdiener-Modell, in dem der Mann die finanzielle Versorgung der Familie übernimmt und die Frau für Haushalt und Kinder verantwortlich ist, verliert in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Dadurch rücken andere Arbeitsteilungsmodelle in der Familie in den Fokus. Im ALLBUS 2012 wurden unter anderem Einstellungen dazu erfasst, wie die Befragten ein Rollentausch-Modell bewerten, bei dem der Mann zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert, während die Frau Vollzeit erwerbstätig ist. Zudem bewerteten die Befragten ein eher traditionelles Arbeitsteilungsmodell, bei dem zwar beide erwerbstätig sind, aber die Frau für den traditionellen Bereich Haushalt und Familie hauptsächlich verantwortlich ist (Tabelle 4).


Das Rollentausch-Modell wurde im Osten und Westen Deutschlands ähnlich positiv bewertet. Jeweils knapp 94 % der Befragten konnten sich gut vorstellen, dass Frauen die Alleinverdiener und Männer für Haushalt und Kinder verantwortlich sind. Frauen und Männer beurteilten dieses Modell ähnlich positiv. Geringe Unterschiede bestanden zwischen verheirateten Frauen im Osten. Hier zeigten berufstätige Frauen eine höhere Zustimmung als nicht berufstätige. Im Westen ließen sich diese Unterschiede nicht feststellen. Männer im Osten und Westen stimmten bei eigener Berufstätigkeit dem Modell stärker zu als Männer, die nicht berufstätig waren, wobei der Unterschied im Westen deutlicher ausfiel als im Osten.


Mit Hinblick auf unterschiedliche Altersgruppen sieht man, dass im Westen jüngere Menschen zwischen 18 und 30 Jahren am stärksten dem Rollentausch-Modell zustimmten, während es im Osten Befragte im Alter zwischen 31 und 65 Jahren waren. In Bezug auf den allgemeinbildenden Schulabschluss ergibt sich, dass mit zunehmendem Bildungsniveau die Befragten im Westen und im Osten dem Rollentausch-Modell eher zustimmten.


Die allgemein hohe Zustimmung zum Rollentausch-Modell lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass dieses Arbeitsteilungsmodell kaum praktiziert wird und dadurch einen hypothetischen Charakter aufweist, die Einstellungen hierzu somit selten auf eigenen Erfahrungen beruhen.


Das Modell, bei dem die Verantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung auch dann bei der Frau liegt, wenn beide (Ehe-)Partner erwerbstätig sind, wurde im Westen stärker befürwortet als im Osten. Insgesamt lag die Zustimmung zu diesem Modell mit knapp einem Drittel (West) beziehungsweise einem Viertel (Ost) in beiden Landesteilen auf einem relativ niedrigen Niveau. Männer standen diesem positiver gegenüber als Frauen. Erwerbstätige verheiratete Frauen stimmten dieser Einschätzung seltener zu als nicht berufstätige verheiratete Frauen, wobei die Unterschiede bei westdeutschen und ostdeutschen Frauen ähnlich ausfielen. Bei verheirateten Männern war der Unterschied zwischen Berufstätigen und nicht Berufstätigen im Westen sehr deutlich. Während die berufstätigen Männer in Ost und West mit 27 % beziehungsweise 28 % nahezu in gleicher Weise dem Arbeitsteilungsmodell zustimmten, befürworteten es im Westen 54 % und im Osten 36 % der nicht berufstätigen Ehemänner. Dies lässt sich eventuell gerade bei den Nichtbetroffenen im Westen auf eine stärkere Verankerung dieses Arbeitsteilungsmodells als im Osten zurückführen. Tabelle 3 zeigt zudem, dass mit zunehmendem Alter der Befragten die Zustimmung zu dem Arbeitsteilungsmodell anstieg, wobei dieser Trend im Westen deutlicher ausgeprägt war als im Osten. Im Westen unterschied sich die Gruppe der über 65-Jährigen erneut stark von der Gruppe der Jüngeren. Wie bei den zuvor betrachteten Einstellungen nahm auch hier mit steigendem Bildungsniveau die Zustimmung zu einem traditionellen Modell ab.
Tab 4 Einstellungen zur Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau 2012 — in ProzentTab 4 Einstellungen zur Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau 2012 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)