Datenreport 2016

Finanzen 



3.5.2016
Für die Teilnahme an der Eurozone fordert der Europäische Rat im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts Haushaltsdisziplin. Demnach soll das jährliche öffentliche Defizit eines Staates maximal 3 % des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen, der öffentliche Schuldenstand nicht mehr als 60 % des nominalen BIP erreichen und die Preisentwicklung stabil sein (sogenannte Maastrichter Konvergenzkriterien). Der Eurozone gehören gegenwärtig 19 EU-Länder an. Als jüngstes Mitglied trat Litauen zum Jahresbeginn 2015 bei.
Tab 4 Die Entwicklung der EurozoneTab 4 Die Entwicklung der Eurozone Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Öffentliches Defizit (Staatsdefizit beziehungsweise -überschuss) 




Das durchschnittliche öffentliche Defizit in der Eurozone lag 2014 bei – 2,6 % des BIP. Insgesamt verfehlten 9 von 19 Eurozonen-Ländern die 3 %-Marke und das zum Teil sehr deutlich: So lag das Staatsdefizit in Spanien bei – 5,9 % und in Zypern bei – 8,9 % des jeweiligen BIP. Zu den Ländern der Eurozone, die einen Überschuss erzielten, gehörten Deutschland (0,3 % des BIP) sowie Estland (0,7 % des BIP) und Luxemburg (1,4 % des BIP). Unter den EU-Ländern außerhalb der Eurozone waren Bulgarien und das Vereinigte Königreich mit einem Defizit von – 5,8 % beziehungsweise – 5,7 % des BIP die Schlusslichter.
Tab 5 Konvergenzkriterien (Maastricht-Kriterien) 2014Tab 5 Konvergenzkriterien (Maastricht-Kriterien) 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Öffentlicher Schuldenstand




Auch der öffentliche Schuldenstand bleibt weiterhin hoch: Im Jahr 2014 überstieg er in 13 der 19 Eurozonen-Länder den vereinbarten Referenzwert von 60 % des BIP. Unverändert kritisch war die Lage der öffentlichen Haushalte vor allem in Griechenland. Dort betrug der Schuldenstand 2014 rund 179 % des BIP. Sehr hoch war er auch in Italien (132 %), Portugal (130 %) sowie Irland (108 %), das zuletzt seinen Schuldenstand allerdings verringern konnte. Auch Deutschland baute Schulden ab, sie lagen 2014 aber immer noch bei 75 % des BIP. Die 60 %-Marke wurde hierzulande letztmalig 2002 eingehalten. Außerhalb der Eurozone hielten 2014 sechs von neun EU-Ländern beim Schuldenstand den Referenzwert von 60 % des BIP ein, Ungarn, Kroatien und das Vereinigte Königreich nicht. 


Preisentwicklung 




Während für die Kontrolle der öffentlichen Finanzen die Regierungen der EU-Länder verantwortlich sind, obliegt die Überwachung der Preisniveaustabilität der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem "Europäischen System der Zentralbanken" (ESZB). Nach der Definition der Europäischen Zentralbank ist Preisniveaustabilität in der Eurozone gegeben, wenn die Inflationsrate (das heißt die Veränderungsrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex) nahe oder unter 2 % gegenüber dem Vorjahr liegt. Im Jahr 2014 überstieg die Inflationsrate in keinem Euroland den Wert von 1,5 %. Deutschland zum Beispiel verzeichnete nur eine leichte Preissteigerung von 0,8 %. In fünf Staaten der Eurozone, darunter Griechenland (– 1,4 %) und Spanien (– 0,2 %), wurde sogar Deflation verzeichnet. Unter den EU-Staaten außerhalb der Eurozone verzeichnete Bulgarien (– 1,6 %) eine negative Preisentwicklung, in den übrigen Ländern lag sie ebenfalls unter der 2 %-Marke. Ein wichtiger Grund waren die stark gesunkenen Energiekosten.