Datenreport 2016

Arbeitsmarkt 



3.5.2016

Erwerbstätigkeit 




Im Rahmen ihrer Zukunftsstrategie "Europa 2020" verfolgen die EU-Staaten das Ziel, die Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen bis zum Jahr 2020 auf 75 % zu erhöhen. Dieses Ziel erfüllten fünf EU-Staaten bereits im Jahr 2014, darunter auch Deutschland mit rund 78 %. Die höchste Erwerbstätigenquote erreichte Schweden mit 80 %. Am weitesten von der 75 %-Zielmarke entfernt lagen Griechenland (53 %) sowie Kroatien (59 %).
Abb 11 Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen 2014 — in ProzentAbb 11 Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Arbeitsmarkt Definitionen

Nach dem hier angewandten Erwerbsstatus­konzept der Internationalen Arbeits­organisation (ILO) sind Erwerbstätige Personen, die in der statis­tischen Berichtswoche mindestens eine Stunde lang gegen Bezahlung beziehungsweise als Selbstständige arbeiteten oder aber einen ­Arbeitsplatz ­hatten, von dem sie nur vorübergehend abwesend waren, zum Beispiel aufgrund ­von Krankheit, Urlaub oder Elternzeit.


Erwerbslose sind nach der Definition der Inter­nationalen Arbeitsorganisa­tion Per­sonen, die in der statistischen Berichtswoche ohne Arbeit ­waren, für eine Arbeit sofort kurzfristig zur Ver­fügung standen, ­in den vergangenen vier Wochen aktiv auf Arbeitsuche waren oder eine Arbeit ­gefunden hatten, die sie innerhalb der nächsten drei Monate aufnehmen würden.


Die Erwerbstätigenquote bezeichnet die Erwerbstätigen als Anteil an der Gesamtbevölkerung ­der gleichen Altersgruppe.


Die Erwerbslosenquote ist der Anteil der Erwerbslosen an der Erwerbsbevölkerung der gleichen Altersgruppe. Die Erwerbs­bevölkerung besteht aus allen Personen, die ihre Arbeitskraft auf dem ­Arbeitsmarkt anbieten und dabei entweder erwerbstätig oder erwerbslos sind. Die hier genannte Erwerbslosenquote, auf die in diesem Kapitel Bezug genommen wird, ist nicht vergleichbar mit der in Deutschland von ­der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffent­lichten Arbeits­losen­quote, die sich nur auf die bei der Bundesagentur registrierten Arbeitslosen bezieht.


Beschäftigungsentwicklung




Die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 waren in den vergangenen Jahren auf dem europäischen Arbeitsmarkt deutlich zu spüren. Doch 2014 gab es erstmals wieder leichte Zeichen der Entspannung: So verzeichneten Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Portugal, Rumänien, Slowenien und Spanien nach jeweils fünf Jahren mit Beschäftigtenverlusten erstmals wieder ein Plus. In Deutschland hält das Beschäftigungswachstum bereits seit neun Jahren an. Im Jahr 2014 lag es bei 0,9 %. EU-weiter Spitzenreiter war Malta mit einem Plus von 4,5 %.
Abb 12 Beschäftigungsentwicklung 2014 im Vergleich 
zum Vorjahr — in ProzentAbb 12 Beschäftigungsentwicklung 2014 im Vergleich zum Vorjahr — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Ältere Erwerbstätige 




Obwohl die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen in der EU in den vergangenen Jahren deutlich stieg, betrug sie 2014 lediglich 52 %. Der EU-weite Vergleich verdeutlicht zudem große Unterschiede: In Nordeuropa lagen die Erwerbstätigenquoten der 55- bis 64-Jährigen am höchsten. So gingen 2014 in Schweden 74 % der Älteren einer Arbeit nach. Deutschland lag mit rund 66 % auf dem zweiten Platz. Die geringste Quote in dieser Altersklasse wies Griechenland auf. Dort war nur rund jeder Dritte (34 %) der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig. 


In Deutschland wird das reguläre Renteneintrittsalter gegenwärtig schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angehoben, in einigen anderen EU-Ländern gibt es eine ähnliche Entwicklung. Doch noch gehen EU-weit die meisten Menschen spätestens rund um den 65. Geburtstag in Rente. Von den über 65-Jährigen waren 2014 EU-weit nur noch rund 5 % erwerbstätig. Diese Quote ist seit mehreren Jahren weitgehend stabil. 


Frauenerwerbstätigkeit




Immer mehr Frauen in der EU gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie dennoch weiterhin weniger stark vertreten als Männer. So betrug 2014 in der EU die Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-jährigen Frauen 63 %, die der gleichaltrigen Männer hingegen 75 %. Am häufigsten beteiligten sich die Frauen in Schweden am Erwerbsleben (78 %). Auf Platz 2 lag Deutschland mit 73 % vor Dänemark und Finnland mit je 72 %. Am niedrigsten war die Erwerbstätigenquote der Frauen in Griechenland (44 %).
Abb 13 Erwerbstätigenquote der Frauen im Alter von 
20 bis 64 Jahren 2014 — in ProzentAbb 13 Erwerbstätigenquote der Frauen im Alter von 20 bis 64 Jahren 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern 




Frauen in Deutschland verdienen im Durchschnitt rund ein Fünftel weniger als Männer: Der Gender Pay Gap, gemessen am durchschnittlichen Bruttostundenverdienst der Männer, lag 2013 in Deutschland bei 22 %. Einen ebenso hohen beziehungsweise höheren geschlechtsspezifischen Verdienstabstand wiesen in der EU nur die Tschechische Republik (22 %), Österreich (23 %) und Estland (30 %) auf. Im EU-Durchschnitt verdienten Frauen 16 % weniger je Stunde als Männer. Das Land mit dem europaweit geringsten Unterschied im Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen war Slowenien mit 3 %. Die Daten beziehen sich auf den unbereinigten Gender Pay Gap. Das heißt, die Verdienstunterschiede erklären sich zum großen Teil aus strukturellen Unterschieden, zum Beispiel dadurch, dass Frauen und Männer nicht vergleichbare Positionen besetzen, unterschiedlich häufig teilzeitbeschäftigt sind und bei der Berufs- und Branchenwahl andere Schwerpunkte setzen.
Abb 14 Gender Pay Gap: Unbereinigter geschlechts­spezifischer Lohnunterschied 2013 — in ProzentAbb 14 Gender Pay Gap: Unbereinigter geschlechts­spezifischer Lohnunterschied 2013 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Aber selbst bei vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation verdienen Frauen weniger als Männer. Dieser bereinigte Gender Pay Gap wurde für Deutschland zuletzt 2010 berechnet und betrug 7 %.


Teilzeitbeschäftigung




Teilzeitarbeit ist eine Möglichkeit, Beruf und Privates zeitlich besser miteinander zu vereinbaren. Sie kann aber auch Nachteile mit sich bringen: Reduzierte Arbeitszeit bedeutet auf Teile des Lohnes und somit auch auf Rentenbeiträge zu verzichten. Teilzeitarbeit kann auch einen Karriereknick auslösen, denn Führungspositionen werden in der Praxis nach wie vor häufig mit Vollzeitbeschäftigten besetzt. 


EU-weit ist Teilzeitbeschäftigung immer noch vorwiegend Frauensache. Am deutlichsten wird dies in den Niederlanden, wo 2014 in der Altersgruppe der erwerbstätigen 25- bis 49-jährigen Frauen mit minderjährigen Kindern 84 % verkürzt arbeiteten. In Deutschland war der Anteil mit 67 % ebenfalls sehr hoch, ebenso in Österreich mit 66 %. In den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas bewegten sich die Quoten hingegen im einstelligen Bereich. So arbeiteten in Kroatien zum Beispiel nur 5 % der berufstätigen Mütter Teilzeit. Männer schränkten ihr berufliches Engagement mit der Vaterschaft hingegen kaum ein: Mit einer Ausnahme bewegten sich ihre Teilzeitquoten in allen EU-Staaten, für die Daten vorlagen, im einstelligen Bereich. Nur in den Niederlanden lag der Anteil der Teilzeit arbeitenden Väter bei 14 %. In Deutschland betrug er 5 %. 


Mindestlohn




In 22 der 28 EU-Staaten galt 2015 ein branchenübergreifender gesetzlicher Mindestlohn. Die Spannbreite war allerdings groß: So verzeichneten die östlich gelegenen EU-Staaten vergleichsweise niedrige Mindestlöhne von weniger als 500 Euro brutto im Monat. Das Schlusslicht bildete Bulgarien mit 194 Euro. In Westeuropa betrug der gesetzliche Mindestlohn ein Vielfaches davon, so zum Beispiel im Vereinigten Königreich (1.510 Euro) und Frankreich (1.458 Euro). Auch Deutschland hat zum 1. Januar 2015 einen Mindestlohn eingeführt. Die hierzulande gesetzlich festgelegte Untergrenze von 8,50 Euro je Stunde entspricht einem Monatsbruttolohn von 1.473 Euro (40-Stundenwoche multipliziert mit 52 Arbeitswochen dividiert durch 12 Monate). Das sehr unterschiedliche Lohnniveau spiegelt auch die wirtschaftliche Leistungskraft und die Lebenshaltungskosten in den EU-Staaten wider. Es ist aber auch eine politische Entscheidung: So betrug der Mindestlohn in Estland 2010 rund 40 % des medianen Bruttoverdienstes der Arbeitnehmer in der Industrie und im Dienstleistungssektor, in Deutschland waren es 49 % (Schätzung 2015) und in Frankreich 60 %. Der mediane Verdienst teilt die betrachteten Beschäftigten in genau zwei Hälften, das heißt, eine Hälfte der Beschäftigten verdient weniger und die andere Hälfte mehr als diesen Wert.
Abb 15­ Gesetzlicher branchenübergreifender 
Mindestlohn (brutto) 2015 — in EuroAbb 15­ Gesetzlicher branchenübergreifender Mindestlohn (brutto) 2015 — in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Erwerbslosigkeit 




Deutschland hatte 2014 die niedrigste Erwerbslosenquote der EU. Mit einem Anteil von 5,0 % lag die Quote nur halb so hoch wie der EU-Durchschnitt (10,3 %). In zwölf EU-Ländern waren die Erwerbslosenquoten weiterhin zweistellig. Sehr problematisch war die Situation vor allem in Griechenland und Spanien, wo 26,5 % beziehungsweise 24,5 % der 15- bis 74-jährigen Erwerbspersonen auf Jobsuche waren. Frauen und Männer waren fast gleich häufig betroffen: Die Frauenerwerbslosenquote lag im EU-Durchschnitt bei 10,3 %, die der Männer bei 10,1 %. Vor Beginn der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 war der Unterschied noch deutlich größer. Einer der Gründe für die Angleichung der Quoten könnte sein, dass Männer häufiger im Industriesektor arbeiten, wo in den vergangenen Jahren besonders viele Arbeitsplätze weggefallen sind. Frauen arbeiten hingegen öfter im Dienstleistungsbereich, der weniger von Kürzungen betroffen war.
Abb 16 Erwerbslosenquoten von 15- bis 74-Jährigen in der EU 
— in Prozent der ErwerbspersonenAbb 16 Erwerbslosenquoten von 15- bis 74-Jährigen in der EU — in Prozent der Erwerbspersonen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Jugenderwerbslosigkeit 




Erwerbslosigkeit unter Jugendlichen ist in der EU stark verbreitet. In zahlreichen EU-Ländern gestaltet sich der Übergang von der Schule ins Arbeitsleben äußerst problematisch. Vor allem nach Ausbruch der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008 hat sich die Situation für junge Leute in weiten Teilen der EU signifikant verschärft. Erst im Jahr 2014 gab es wieder leichte Zeichen der Entspannung: Die EU-weite Erwerbslosenquote der 15- bis 24-Jährigen sank im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozentpunkte, lag damit allerdings immer noch bei 22,2 %. Besonders angespannt war die Situation für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger in Spanien und Griechenland, was im Zusammenhang mit der insgesamt ungünstigen Situation auf den dortigen Arbeitsmärkten steht. In beiden Ländern war 2014 immer noch mehr als jede zweite junge Erwerbsperson ohne Arbeit (Spanien: 53,2 %; Griechenland: 52,4 %). Deutschland hatte mit 7,7 % die EU-weit niedrigste Jugenderwerbslosigkeit. Auch Österreich verzeichnete einen vergleichsweise geringen Wert (10,3 %).
Abb 17 Erwerbslosenquote der 15- bis 24-Jährigen 2014 
— in ProzentAbb 17 Erwerbslosenquote der 15- bis 24-Jährigen 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)