Datenreport 2018

14.11.2018

Statistische Daten und sozialwissenschaftliche Analysen

Einleitung

Der Datenreport 2018 befasst sich – wie auch seine Vorgänger – mit den Lebensbedingungen der Menschen in Deutschland. Dieses Mal stehen Familien und insbesondere Kinder im Vordergrund. Die Kinder von heute werden als Erwachsene in der Zukunft unsere Gesellschaft prägen. Deshalb lohnt es, sich intensiv mit ihren Startchancen in ein möglichst behütetes, gesundes und diskriminierungsfreies Leben auseinanderzusetzen.

Von den 82,5 Millionen Menschen, die Ende 2016 in Deutschland lebten, waren 13,5 Millionen (16 %) Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Diese wachsen unter sehr heterogenen Lebensbedingungen auf: Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen lebt in einer Familie mit Mutter, Vater und Geschwistern zusammen, die Eltern gehen einem Beruf nach. Doch eines von sechs Kindern wächst bei einem alleinerziehenden Elternteil auf und jedes elfte Kind lebt in einem Haushalt, in dem niemand erwerbstätig ist.

Die Lebenschancen von Kindern hängen stark vom sozioökonomischen Hintergrund der Eltern ab. Dies zeigt sich zum Beispiel im Gesundheitsverhalten. Kinder aus Elternhäusern mit niedrigem sozioökonomischem Status treiben seltener Sport, ernähren sich weniger gesund und sind häufiger übergewichtig. Zudem treten psychische und Verhaltensauffälligkeiten bei diesen Kindern häufiger auf.

Auch die Bildungsbeteiligung von Kindern ist stark durch den sozioökonomischen Hintergrund des Elternhauses geprägt. Je höher der allgemeinbildende oder berufliche Abschluss der Eltern, desto geringer sind die Schüleranteile an Hauptschulen und desto höher die Schüleranteile an Gymnasien. Ein Grund hierfür dürften die höheren Einkommen sein, die in der Regel mit höheren Abschlüssen der Eltern einhergehen. Generell hat die finanzielle Situation Einfluss auf die Bildungschancen. Untersuchungen über die Konsumausgaben für Kinder belegen eindrucksvoll, wie wenig Geld beispielsweise für Bildungsausgaben in Haushalten mit geringen Einkommen übrig bleibt.

Befragt man die Kinder und Jugendlichen, wie sie ihre Situation in der Schule wahrnehmen, so zeigt sich unabhängig von der besuchten Schulform, dass die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler gern zur Schule geht. Aber insbesondere Schülerinnen und Schüler an Gymnasien und Hauptschulen geben auch häufig an, nach der Schule meistens erschöpft zu sein und aufgrund der Schule kaum Zeit für ihre Freunde zu haben. Hauptschülerinnen und Hauptschüler beklagen darüber hinaus überdurchschnittlich oft, dass es in der Schule nur wenige Dinge gebe, die ihnen wirklich Spaß machten, und dass die Schule eine große Belastung sei.

Diese Daten und Fakten sind ein kleiner Auszug aus dem "Datenreport 2018 – Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland". Er ist gut geeignet, um sich ein differenziertes Urteil über den Zustand und die Entwicklung unserer Gesellschaft zu bilden. Dazu bedarf es einer spezifischen Kombination unterschiedlicher Datenquellen: Um die Lebensbedingungen und die Lebensqualität in Deutschland auf der Grundlage der besten zur Verfügung stehenden empirischen Informationen umfassend zu untersuchen, vereinigt der Datenreport die Ergebnisse der amtlichen Statistik und die Befunde der sozialwissenschaftlichen Sozialberichterstattung. Die amtliche Statistik ist mit ihren umfangreichen, vielfältigen und kontinuierlich durchgeführten Erhebungen nach wie vor der wichtigste Anbieter von Informationen über die Lebensverhältnisse und die Entwicklung der deutschen Gesellschaft. Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass eine leistungsfähige sozialwissenschaftliche Datengrundlage für eine aktuelle und differenzierte Sozialberichterstattung ebenso notwendig ist. Mit ihren speziell für die gesellschaftliche Dauerbeobachtung konzipierten sozialwissenschaftlichen Erhebungen stellt die wissenschaftliche Sozialberichterstattung nicht nur Informationen zu Themen und Fragestellungen bereit, die außerhalb des gesetzlich festgelegten Erhebungsprogramms der amtlichen Statistik liegen, zum Beispiel subjektive Wahrnehmungen, Einstellungen und Bewertungen. Sie ergänzt und bereichert das Informations- und Analysepotenzial auch in konzeptioneller und methodischer Hinsicht.

Die Kapitel des Datenreports sind thematisch gegliedert. Die institutionelle Einbindung der Kapitel wird durch eine farbige Zuordnung zu amtlicher Statistik (blau) und wissenschaftlicher Sozialberichterstattung (orange) unterstützt. Die vorliegende Ausgabe 2018 enthält neue Kapitel zu den Lebenswelten von Kindern- und Jugendlichen, zur Kinder- und Jugendhilfe und zur Jugendkriminalität. Des Weiteren befassen sich neue Kapitel mit der Lebenszufriedenheit und den Sorgen der Menschen in Deutschland, mit der Lebenssituation von Geflüchteten, dem Mindestlohn und der subjektiven Wahrnehmung von Arbeitsbedingungen sowie mit der Zufriedenheit mit der öffentlichen Verwaltung.

Obwohl seit der deutschen Vereinigung inzwischen fast 30 Jahre vergangen sind, ist die Frage des Zusammenwachsens und der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland weiterhin von Interesse. Der Datenreport informiert daher über noch vorhandene Disparitäten in verschiedenen Bereichen der Lebensbedingungen sowie über Unterschiede in Verhaltensweisen, Einstellungen und Wertorientierungen, aber auch über die bisher erzielten Erfolge des Vereinigungsprozesses und die sukzessive Angleichung der Lebenslagen in Ost- und Westdeutschland. Zunehmend gerät dabei auch die gerechte Verteilung von Ressourcen in ganz Deutschland in den Blick, da sich regionale Disparitäten nicht auf den Unterschied zwischen Ost und West beschränken. So bringt der anhaltende Zuzug in die Großstädte zahlreiche Veränderungen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt mit sich und hat Auswirkungen auf Verkehrsströme und Infrastruktur. Diese Entwicklungen und ihre sozialen Folgen sind aufmerksam zu beobachten.

Der Datenreport, der seit 1985 alle zwei bis drei Jahre erscheint, ist ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt von amtlicher Statistik und wissenschaftlicher Sozialberichterstattung, das im Veröffentlichungsprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt.

Als Sozialbericht hat der Datenreport insbesondere die Aufgabe, dem Informationsbedürfnis einer interessierten Öffentlichkeit in einer demokratischen Gesellschaft gerecht zu werden. Mit seiner umfassenden Bilanzierung der Lebensverhältnisse in Deutschland zielt er zudem darauf ab, den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in Politik und Wirtschaft handlungsrelevante Informationen zur Verfügung zu stellen.

Es wäre vermessen, Daten als "wahr" zu bezeichnen. Aber gute Fakten sind die bestmögliche Annäherung an die Wahrheit. Der Datenreport vermittelt ein Gesellschaftsbild aus nachprüfbaren, methodisch sauber erhobenen Zahlen und bietet im Gegensatz zur persönlichen Alltagserfahrung objektivierbare Informationen.

Neben der vorliegenden Buchausgabe steht der Datenreport 2018 auf den Internetseiten der beteiligten Institutionen in elektronischer Form ganz oder kapitelweise zum Download zur Verfügung. Weiterführende Informationen zu den Daten, die der Veröffentlichung zugrunde liegen, befinden sich im Anhang.

Die Herausgeber
Statistisches Bundesamt
(Destatis) / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)


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