Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Anja Crößmann, Lisa Günther

Beteiligung am Erwerbsleben

Längere Ausbildungszeiten und das frühere Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führten ab den 1990er-Jahren zu stetig sinkenden Erwerbsquoten. Dieser Trend hat sich mittlerweile umgekehrt. Im Jahr 2016 lag die Erwerbsquote, das heißt der Anteil der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) an der Bevölkerung ab 15 Jahren, in Deutschland bei 60 %. Dies war 1 Prozentpunkt mehr als 2006 und damit war die Erwerbsquote so hoch wie seit 1991 (59 %) nicht mehr. Dieser Anstieg resultierte vorwiegend aus einer gestiegenen Erwerbsquote der Frauen, die seit 2006 um 4 Prozentpunkte angewachsen ist und 2016 bei 55 % lag. Die Erwerbsquote der Männer war im Zeitraum seit 1991 (71 %) teilweise sogar rückläufig, hat jedoch wieder leicht zugelegt und lag 2016 bei 66 %.

Betrachtet man nur die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren, lag die Erwerbsbeteiligung 2016 bei 78 %. Der entsprechende Wert lag 2006 noch bei 75 %. Auch die höhere Erwerbsbeteiligung älterer Personen hatte einen maßgeblichen Anteil an der insgesamt gestiegenen Erwerbsquote. Ein differenzierter Blick auf die Erwerbsbeteiligung einzelner Altersgruppen zeigt eine deutliche Zunahme der Erwerbsquoten für die 55- bis 59-Jährigen sowie die 60- bis 64-Jährigen. Sie stiegen zwischen 2006 und 2016 um 8 beziehungsweise 25 Prozentpunkte, was vermutlich die deutlich reduzierten Möglichkeiten einer frühen Verrentung widerspiegelt. Die am Arbeitsmarkt aktivste Altersgruppe im Jahr 2016 waren die 45- bis 49-Jährigen mit einer durchschnittlichen Erwerbsquote von 90 %.
Erwerbsquoten nach Altersgruppen — in ProzentErwerbsquoten nach Altersgruppen — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Erwerbsbeteiligung in den neuen Ländern und Berlin lag 2006 mit rund 77 % für die 15- bis 64-Jährigen noch rund 3 Prozentpunkte über derjenigen im früheren Bundesgebiet (rund 74 %). Im Jahr 2016 hatte sich diese geringfügig weiter angeglichen und lag bei 79 % in den neuen Ländern und Berlin sowie bei 77 % im früheren Bundesgebiet. Ursache für die langfristige Angleichung war vor allem die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen in Westdeutschland. Ihre Erwerbsquote ist im Alter von 15 bis 64 Jahren in dem Zehnjahreszeitraum in Ostdeutschland um 3 Prozentpunkte auf 76 %, in Westdeutschland um rund 6 Prozentpunkte auf 73 % gestiegen. Die Erwerbsbeteiligung von Männern befand sich in Ost- und Westdeutschland bereits 2006 auf einem ähnlichen Niveau (Ost: 80 %; West: 81 %) und hat sich seitdem kaum verändert (2016: im Osten mit 81 % und im Westen mit 82 %).
Bevölkerung nach Alter und Beteiligung am Erwerbsleben 2016 — in MillionenBevölkerung nach Alter und Beteiligung am Erwerbsleben 2016 — in Millionen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Unterscheidet man die Bevölkerung nach ihrer Staatsangehörigkeit, so zeigt sich ein differenziertes Bild der Erwerbsbeteiligung. Die Erwerbsquote der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit ab 15 Jahren lag 2016 mit 60 % unter der Erwerbsquote der ausländischen Bevölkerung (61 %). Die etwas stärkere Erwerbsbeteiligung der ausländischen Bevölkerung ist auf Personen aus anderen EU-Mitgliedstaaten zurückzuführen, deren Erwerbsquote bei 72 % lag. Während die Quote der deutschen Frauen mit 55 % höher lag als die der ausländischen Frauen (52 %), lag die Erwerbsquote der deutschen Männer (66 %) niedriger als die der ausländischen Männer mit 69 %.

Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen nach der Staatsangehörigkeit zeigen sich auch bei der Erwerbslosigkeit. Die Erwerbslosenquote von Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit war 2016 mit 8,5 % mehr als doppelt so hoch wie die Quote der deutschen Bevölkerung (3,6 %). Unter den Ausländerinnen und Ausländern aus anderen EU-Mitgliedstaaten war die Erwerbslosigkeit niedriger. Hier lag die Quote mit 5,4 % näher an dem Wert der deutschen Bevölkerung. Sowohl bei der deutschen als auch bei der ausländischen Bevölkerung sind Männer etwas stärker von Erwerbslosigkeit betroffen als Frauen. Während 3,8 % der deutschen Männer erwerbslos waren, traf dies nur auf 3,3 % der deutschen Frauen zu. In der ausländischen Bevölkerung waren 8,9 % der Männer und 8,0 % der Frauen erwerbslos.

Neben Geschlecht, Alter und Staatsangehörigkeit spielt der Bildungsstand (siehe Kapitel 2.1, Info 2) eine wichtige Rolle bei der Erwerbsbeteiligung. Von den 25- bis 54-jährigen Personen ohne anerkannten beruflichen Abschluss waren 2016 mehr als zwei Drittel (69 %) auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Personen, die ein mittleres berufliches Bildungsniveau aufwiesen (zum Beispiel eine abgeschlossene Lehrausbildung), hatten eine Erwerbsquote von 90 %. Diejenigen mit einem hohen beruflichen Bildungsniveau (tertiäre Abschlüsse, zum Beispiel Meister-, Fachhochschul- oder Hochschulabschluss) beteiligten sich zu 93 % am Erwerbsleben.
Erwerbsquote nach Alter und Bildungsstand 2016 — in ProzentErwerbsquote nach Alter und Bildungsstand 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Bei den Erwerbslosenquoten gab es ähnlich deutliche Unterschiede je nach Bildungsstand: Bezogen auf die 25- bis 54-Jährigen waren die Erwerbslosenquoten von Personen ohne anerkannten beruflichen Abschluss 2016 deutlich höher als die Quoten von Personen mit tertiären Abschlüssen. So waren 9,8 % der Personen ohne berufliche Qualifikation erwerbslos, aber nur 2,2 % derjenigen mit einem Hochschul- oder sonstigen tertiären Abschluss. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen unterschieden sich die Erwerbsquoten noch deutlicher nach Bildungsstand. Sie bewegten sich 2016 zwischen 56 % für diejenigen ohne einen beruflichen Abschluss und 82 % für Hochschulabsolventen. Die niedrige Erwerbsbeteiligung älterer Personen ohne anerkannten beruflichen Abschluss ging einher mit einer höheren Erwerbslosenquote von 6,6 % im Vergleich zu Personen mit Hochschulabschluss, deren Erwerbslosenquote bei nur 2,3 % lag.

Der grundlegende Zusammenhang von Bildung und Erwerbsbeteiligung ist für Frauen und Männer dieser Altersgruppe gleich, auch wenn sich die Erwerbsbeteiligung der Frauen auf einem insgesamt niedrigeren Niveau befindet. Je höher die berufliche Qualifikation, desto geringer der Unterschied in der Erwerbsbeteiligung.


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