Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Sandra Klemt, Sabine Lenz

Tarifverdienste

Für rund die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland regeln Tarifverträge Verdienste und Arbeitsbedingungen. Tarifverträge werden von einem oder mehreren Arbeitgebern oder Arbeitgeberverbänden mit einer oder mehreren Gewerkschaften abgeschlossen. Sie sind ausschließlich für ihre Mitglieder bindend (Tarifbindung). Aber auch viele nicht tariflich gebundene Unternehmen sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer orientieren sich an bestehenden Tarifverträgen.

Tarifverdienste 2007 bis 2017

Die tariflichen Monatsverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich in Deutschland erhöhten sich von 2007 bis 2017 durchschnittlich um 28,4 %. Die Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum um 13,7 %. Die Tarifverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind jedoch nicht gleichmäßig gestiegen: In den Jahren 2007, 2009 und 2011 stiegen die Verbraucherpreise stärker als die durchschnittlichen Tarifverdienste, in den Jahren 2008, 2010 sowie 2012 bis 2017 war es umgekehrt.

Von den Tariferhöhungen profitierten nicht alle Beschäftigten gleichermaßen. In den Jahren 2008 bis 2017 gab es beispielsweise für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bund, Ländern und Gemeinden, in der chemischen Industrie, im Metallgewerbe und im Maschinenbau überdurchschnittliche Tariferhöhungen von mehr als 30 %. Deutlich niedriger waren die Tariferhöhungen in anderen Bereichen wie dem Baugewerbe (27,3 %), im Einzelhandel (23,0 %), bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (23,0 %) sowie im Bereich Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau (21,1 %). Betrachtet wurden regelmäßig gezahlte Grundvergütungen ohne Sonderzahlungen.

Tarifrunde 2017

Die Tarifverdienste stiegen 2017 in Deutschland durchschnittlich um 2,8 % gegenüber dem Vorjahr. Damit lagen die durchschnittlichen Tarifsteigerungen über denen aus dem Jahr 2016 mit 2,1 % und aus dem Jahr 2015 mit 2,4 %.

Viele Tariferhöhungen des Jahres 2017 wurden bereits im Jahr 2016 beschlossen. So einigten sich beispielsweise die Tarifparteien im öffentlichen Dienst bei Bund und Gemeinden im April 2016 auf eine Tariferhöhung von 2,35 % ab Februar 2017. In der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen wurde im Mai 2016 eine Erhöhung der tariflichen Entgelte von 2,0 % ab April 2017 vereinbart. Für das Baugewerbe Ost konnte im Juni 2016 eine Erhöhung von 2,4 % ab Mai 2017 vereinbart werden. Ebenfalls im Juni 2016 wurde für die chemische Industrie in Hessen eine Erhöhung von 2,3 % ab September 2017 vereinbart.

Im öffentlichen Dienst der Länder einigte man sich im Februar 2017 auf ein Plus von 2,0 % rückwirkend ab Januar 2017. Die Tariferhöhungen von 2,5 % ab Juli 2017 im Groß- und Außenhandel in Bayern sowie 2,3 % ab Juli 2017 im Einzelhandel in Niedersachsen wurden im Juni beziehungsweise rückwirkend im August 2017 ausgehandelt. Im privaten Versicherungsgewerbe in Deutschland wurde im August 2017 eine Erhöhung von 2,0 % ab November 2017 vereinbart.
Ausgewählte Tariferhöhungen mit Wirkung im Jahr 2017Ausgewählte Tariferhöhungen mit Wirkung im Jahr 2017 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Tarifverdienste nach Branchen und Regionen

Je nach Branche und Region unterscheiden sich die Tarifverdienste erheblich. In der chemischen Industrie, der Metallindustrie sowie bei Banken und Versicherungen erhalten die Beschäftigten in der Regel höhere Tarifverdienste als im Handel oder der Bekleidungs- und der Ernährungsindustrie.

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen dreijährigen Berufsausbildung lag das unterste tarifliche Monatsentgelt Ende 2017 beispielsweise in der chemischen Industrie zwischen 2.899 Euro in Bayern und 3.064 Euro in Baden-Württemberg. Im privaten Bankgewerbe waren es deutschlandweit 2.449 Euro. Angestellten im Einzelhandel standen nach Abschluss ihrer Ausbildung laut Tarifvertrag zwischen 1.719 Euro (Bremen) und 1.993 Euro (Berlin und Brandenburg) im Monat zu. In der Druckindustrie betrug der Tariflohn für Facharbeiterinnen und Facharbeiter im Westen pro Stunde mindestens 17,87 Euro und im Osten 16,46 Euro, in der Bauindustrie waren es 17,87 Euro im früheren Bundesgebiet, 16,65 Euro in den neuen Ländern und in Berlin 17,68 Euro.

Deutlich niedrigere Tarifverdienste galten für ausgebildete Fachkräfte im Hotel- und Gastgewerbe (Hessen: 2.168 Euro monatlich, Mecklenburg-Vorpommern: 1.584 Euro monatlich); Berufskraftfahrer im privaten Verkehrsgewerbe (Hessen: 12,58 Euro pro Stunde, Niedersachsen: 9,67 Euro pro Stunde) und für ausgelernte Friseurinnen und Friseure im ersten Berufsjahr (Bayern: 9,01 Euro pro Stunde, Schleswig-Holstein: 9,25 Euro pro Stunde).

Eine ähnliche Verteilung ergibt sich auch bei Betrachtung der tariflichen Verdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung. So standen ungelernten beziehungsweise angelernten Angestellten der untersten Tarifgruppe im Jahr 2017 in der chemischen Industrie Stundenlöhne zwischen 14,49 Euro (neue Länder und Berlin-Ost) und 15,98 Euro (Baden-Württemberg) zu. Im Bankgewerbe waren es deutschlandweit 12,75 Euro pro Stunde, im Einzelhandel zwischen 11,02 Euro (Mecklenburg-Vorpommern) und 12,59 Euro pro Stunde (Hamburg). Deutlich niedriger waren 2017 die tariflichen Stundenverdienste eines Türstehers / Doorman sowie einer Hilfskraft in Küche, Service oder am Bankett im Hotel- und Gaststättengewerbe in Nordrhein-Westfalen mit 9,25 Euro.


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