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Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Oliver Bruttel, Ralf Himmelreicher

Betriebliche Anpassungsmaßnahmen

Für die Betriebe stellen höhere Stundenlöhne steigende Arbeitskosten dar, auf die die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit einer Reihe von Maßnahmen reagierten. Beispielsweise reduzierten sie die Arbeitszeiten, was teilweise bedeutet, dass Beschäftigte die gleiche Arbeit in kürzerer Zeit bewältigen müssen, oder hoben die Preise an. Zudem sind teilweise die Gewinne der betroffenen Betriebe zurückgegangen.

Die größten Auswirkungen hatte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit. Bei Beschäftigten, die vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdient haben, ist die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit unmittelbar nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns deutlich zurückgegangen. Bei der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit gab es nach Auskunft der Beschäftigten im SOEP hingegen keine beziehungsweise lediglich leichte Veränderungen; die VSE / VE weist auf Basis von Angaben der Betriebe vor allem für Vollzeitbeschäftigte deutliche Rückgänge der bezahlten Arbeitszeit aus.

Ein weiterer Anpassungskanal war die Erhöhung von Preisen. In zahlreichen Branchen, die vom gesetzlichen Mindestlohn besonders betroffen waren, stiegen laut Verbraucherpreisstatistik die Preise für Waren und Dienstleistung überdurchschnittlich stark an. Beispiele hierfür sind Taxifahrten (15,2 %), Zeitungen und Zeitschriften (10,1 %), oder die Preise in Restaurants, Cafés, Straßenverkauf und Ähnlichem (5,0 %) oder von Beherbergungsdienstleistungen (3,8 %). Der Anstieg in den ersten zwei Jahren nach Einführung des Mindestlohns fällt insbesondere im Vergleich zur geringen Inflation in der Gesamtwirtschaft deutlich aus, nach der die Preise zwischen 2014 und 2016 nur um 0,8 % gestiegen sind. Auf den gesamten Verbraucherpreisindex wirkte sich die Einführung des Mindestlohns also kaum aus.
Preisanstiege in ausgewählten Branchen 2016 gegenüber 2014 — in ProzentPreisanstiege in ausgewählten Branchen 2016 gegenüber 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die dritte sichtbare Auswirkung in den Betrieben war ein Rückgang der Gewinne. Das IAB-Betriebspanel, eine jährliche repräsentative Befragung von rund 16.000 Betrieben mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, weist für die vom Mindestlohn betroffenen Betriebe einen Gewinnrückgang von rund 9 Prozentpunkten im Vergleich zu ähnlichen, nicht betroffenen Betrieben aus. Trotz dieses Gewinnrückgangs ist allerdings weder gesamtwirtschaftlich noch in den vom gesetzlichen Mindestlohn besonders betroffenen Branchen eine veränderte Unternehmensdynamik und Wettbewerbsintensität zu beobachten. Es ist weder ein Anstieg von Marktaustritten in Form von Gewerbeabmeldungen oder Insolvenzen noch eine Zunahme an Gewerbeanmeldungen erkennbar. Allerdings lassen sich Veränderungen im Wettbewerbsumfeld mitunter erst mittel- bis langfristig beobachten.
Gewerbean- und -abmeldungen 2011– 2017 — in TausendGewerbean- und -abmeldungen 2011– 2017 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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