Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Mareike Bünning

Belastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz

Wie Erwerbstätige ihre Arbeitsplatzqualität einschätzen, hängt auch davon ab, wie stark sie Belastungen am Arbeitsplatz ausgesetzt sind und inwiefern sie über Ressourcen verfügen, die ihnen bei der Bewältigung ihrer Arbeitsanforderungen helfen. Im Folgenden werden schwere körperliche Arbeit und Stress als zentrale physische und psychische Belastungen betrachtet. Bezüglich der Ressourcen wird erstens in den Blick genommen, wie viele Freiräume Erwerbstätige hinsichtlich der täglichen Organisation ihrer Arbeit und der Arbeitszeiten haben, und damit, inwiefern sie über strukturelle Rahmenbedingungen verfügen, die die Arbeitsbewältigung erleichtern. Zweitens ist soziale Unterstützung am Arbeitsplatz eine zentrale Voraussetzung für eine gute Arbeitsplatzqualität. Ein Indikator hierfür ist, ob Erwerbstätige ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen haben.

Etwa jeder vierte Mann und jede fünfte Frau war 2015 am Arbeitsplatz regelmäßig physischen Belastungen durch schwere körperliche Arbeit ausgesetzt. Psychische Belastungen durch dauerhaften Stress traten noch häufiger auf und betrafen 41 % der Männer und 34 % der Frauen. Es finden sich in den Daten jedoch keine Hinweise darauf, dass das Ausmaß an Stress – etwa durch neue Kommunikationstechnologien und zunehmenden Druck, ständig erreichbar zu sein – in den letzten 20 Jahren zugenommen hat.
Belastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz 1997 – 2015 — in ProzentBelastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz 1997 – 2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Hinsichtlich der Ressourcen, die Erwerbstätige zur Verfügung hatten, sieht man, dass die überwiegende Mehrheit von 84 % der Erwerbstätigen zumindest gewisse Freiräume bei der Organisation der täglichen Arbeit hatte. Der Anteil derjenigen, die gar keine Freiheiten hatten, ging im Vergleich zu 2005 zudem etwas zurück.

Eine knappe Mehrheit der Erwerbstätigen hatte auch gewisse Freiräume bei der Gestaltung der Arbeitszeiten. Mit 62 % waren Männer etwas öfter als Frauen (54 %) in der Lage, Einfluss auf ihre Arbeitszeiten zu nehmen. Im Zeitverlauf verbesserten sich die Möglichkeiten zur Arbeitszeitgestaltung für Männer kontinuierlich, während es bei den Frauen schwankende Entwicklungen gab.

Besonders gut sieht es hinsichtlich der sozialen Unterstützung am Arbeitsplatz aus. Fast 90 % der Erwerbstätigen berichteten von einem guten Verhältnis zu ihren Vorgesetzten, nahezu alle hatten ein gutes Verhältnis zu ihren Kolleginnen und Kollegen.

Während ein gutes Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten relativ gleichmäßig über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen verteilt ist, gibt es hinsichtlich der anderen Ressourcen und Belastungen deutliche Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen. Ostdeutsche waren hinsichtlich der Arbeitsbedingungen schlechter gestellt als Westdeutsche. Sie waren eher physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt und hatten seltener Einfluss auf die tägliche Organisation ihrer Arbeit und auf ihre Arbeitszeiten. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt war in Ostdeutschland 25 Jahre nach der Vereinigung also immer noch ungünstiger als in Westdeutschland – nicht nur in Hinblick auf Einkommen und Arbeitslosigkeit (siehe Kapitel 5.2.2, und 5.1.8), sondern auch was Belastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz betrifft.
Belastungen und Ressourcen nach soziodemografischen Merkmalen 2015 — in ProzentBelastungen und Ressourcen nach soziodemografischen Merkmalen 2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Menschen mit Migrationshintergrund waren gegenüber Menschen ohne Migrationshintergrund teilweise schlechter gestellt. Männer und Frauen mit Migrationshintergrund konnten vergleichsweise selten beeinflussen, wie ihre Arbeit organisiert ist. Männer mit Migrationshintergrund hatten auch seltener flexible Arbeitszeiten als Männer ohne Migrationshintergrund. Frauen mit Migrationshintergrund verrichteten überdurchschnittlich oft schwere körperliche Arbeit.

Noch stärker ausgeprägt sind die Ungleichheiten nach Schulabschluss. Je höher der Schulabschluss, desto seltener verrichteten Erwerbstätige schwere körperliche Arbeit und desto öfter hatten sie Gestaltungsspielräume hinsichtlich ihrer Arbeitszeiten und der täglichen Organisation der Arbeit. Belastungen durch Stress waren hingegen gleichmäßiger über die Bildungsgruppen verteilt.

Jüngere Männer verrichteten eher schwere körperliche Arbeit als ältere und konnten ihre Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation seltener beeinflussen. Die mittlere Altersgruppe hatte am häufigsten Freiräume bezüglich der Arbeitszeiten. Bei den Frauen waren die Arbeitsbedingungen für die mittlere Altersgruppe insgesamt am günstigsten: Sie waren seltener psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt als ältere oder jüngere Frauen und hatten öfter Freiräume bei der Organisation ihrer Arbeit und den Arbeitszeiten.

Männer mit kleinen Kindern hatten vergleichsweise häufig stressige Arbeitsbedingungen. Väter hatten aber auch öfter flexible Arbeitszeiten als kinderlose Männer. Auch Mütter hatten etwas mehr Gestaltungsspielräume hinsichtlich der Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation als kinderlose Frauen. Mütter mit Kindern im Vorschulalter erlebten zudem besonders selten physische und psychische Belastungen am Arbeitsplatz.

Bei den Männer zeigen sich auch starke Ungleichheiten nach Art des Arbeitsverhältnisses: Befristet Beschäftigte hatten zwar seltener stressige Arbeitsbedingungen, übten aber eher schwere körperliche Arbeit aus und hatten weniger Freiräume hinsichtlich Arbeitsorganisation und Arbeitszeiten. Bei den Frauen fielen die Unterschiede zwischen befristet und unbefristet Beschäftigten deutlich geringer aus.


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