Datenreport 2018

Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Wie viele Menschen mit ausländischen Wurzeln leben in Deutschland? Welche Auswirkungen hat die Einwanderung auf die Bevölkerungsstruktur? Wo gelingt die Integration dieser Menschen und wo gibt es Nachholbedarf? Um den Blick auf diese Fragen zu richten, verwendet die amtliche Statistik seit 2005 das Konzept der "Bevölkerung mit Migrationshintergrund". Es umfasst Menschen, die nicht als deutsche Staatsbürger in Deutschland geboren sind oder bei denen mindestens ein Elternteil nicht als deutscher Staatsbürger in Deutschland geboren wurde. Das betrifft alle Ausländerinnen und Ausländer, alle Eingebürgerten, alle (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler sowie die mit deutscher Staatsangehörigkeit geborenen Kinder dieser drei Gruppen. Damit wird die zuvor verwendete Unterscheidung nach deutscher und ausländischer Bevölkerung stärker differenziert. Diese Unterscheidung wurde notwendig, weil es mehrere Gruppen gibt, die zwar die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, jedoch Wurzeln im Ausland haben:

  • Seit 1950 hat Deutschland insgesamt gut 4,5 Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler aufgenommen, darunter allein von 1988 bis 1999 mehr als 2,6 Millionen.
  • Seit 1950 wurden in Deutschland mehr als 5,5 Millionen Menschen eingebürgert. Im Zeitraum von 1990 bis 2007 erfolgten insgesamt knapp 3,5 Millionen Einbürgerungen; das sind durchschnittlich über 192.000 pro Jahr. Danach schwankte die jährliche Zahl von Einbürgerungen zwischen 95.000 und 112.000.
  • Seit 2000 wurden 551.000 sogenannte "Optionskinder" geboren, die über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, obwohl dies bei beiden Elternteilen nicht der Fall ist.
  • Laut Mikrozensus hatte im Jahr 2017 mehr als jedes dritte der 755.000 Neugeborenen Eltern(teile) mit ausländischen Wurzeln. Das waren 303.000 Babys, von denen geschätzt 214.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden.
Eine reine Auswertung der Staatsangehörigkeit würde diese Bevölkerungsgruppen unsichtbar bleiben lassen. Durch das Konzept des Migrationshintergrunds können für diese Menschen zum Beispiel die demografischen Merkmale erfasst und ihre Integration in die deutsche Gesellschaft analysiert werden.

i

Info 1

Definition des Migrationshintergrunds

Der Migrationsstatus einer Person wird aus ihren persönlichen Merkmalen zu Zuzug, Einbürgerung und Staatsangehörigkeit bestimmt sowie aus den entsprechenden Merkmalen ihrer Eltern. Beim Nachweis des Migrationsstatus wird zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden.

Angaben zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund ermöglicht seit 2005 der Mikrozensus durch einen erweiterten Fragenkatalog. Hierbei handelt es sich um Personen, die entweder selbst nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind oder aber mindestens einen Elternteil haben, der nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Daher haben folgende Personengruppen nach dieser Definition einen Migrationshintergrund:

  • Ausländerinnen und Ausländer
  • Eingebürgerte
  • (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler
  • Kinder dieser drei Gruppen
Dies bedeutet, dass in Deutschland geborene Deutsche einen Migrationshintergrund haben können, wenn wenigstens ein Elternteil ausländisch, eingebürgert oder (Spät-)Aussiedler ist. Dieser Migrationshintergrund leitet sich dann ausschließlich aus den Eigenschaften der Eltern ab. Die Betroffenen können diesen Migrationshintergrund aber nicht an ihre Nachkommen "vererben", weil sie selbst mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind. Die deutsche Staatsangehörigkeit wird im Regelfall kraft Gesetzes, ohne Antrag oder behördliches Zutun mit der Geburt erworben. Dies gilt für Kinder eines deutschen Elternteils (sogenanntes Abstammungs- oder ius-sanguinis-Prinzip) und für in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern, wenn wenigstens ein Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes zum Daueraufenthalt in Deutschland berechtigt ist und sich seit mindestens acht Jahren rechtmäßig im Inland aufhält (sogenanntes Territorial- oder ius-soli-Prinzip).

Seit dem Jahr 2000 erwerben "ius-soli-Kinder" – auch Optionskinder genannt – mit der Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil seit acht Jahren in Deutschland gelebt hat und zum Zeitpunkt der Geburt ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Daneben haben sie die ausländische Staatsbürgerschaft ihrer Eltern, also eine doppelte Staatsbürgerschaft. Mit Erreichen der Volljährigkeit mussten sie sich jedoch früher bis zu ihrem 23. Geburtstag für eine Staatsbürgerschaft entscheiden (Optionspflicht). Im Jahr 2014 wurde die Optionspflicht neu geregelt. Die Regelungen zum Erwerb der Staatsangehörigkeit selbst bleiben unverändert, es entfällt jedoch die Optionspflicht für in Deutschland aufgewachsene ius-soli-Kinder, das heißt, diese Kinder müssen sich nicht mehr für eine Staatsangehörigkeit entscheiden.

Autor: Florian Göttsche
Herausgeber: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Datenreport: Kapitel 1.2.1

Historische Entwicklung der Zuwanderung

Im Jahr 2017 lebten in Deutschland 19,3 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund, davon waren 6,1 Millionen Menschen, die in Deutschland geboren sind und 13,2 Millionen Zuwanderinnen und Zuwanderer.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.2

Entwicklung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund seit 2005

Die seit Jahrzehnten andauernde, sehr heterogene Zuwanderung hat dazu geführt, dass ein steigender Anteil der Bevölkerung in Deutschland ausländische Wurzeln hat. Ab dem Jahr 2005 stehen für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund durchgehende Zeitreihen zur Verfügung.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.3

Alters- und Geschlechtsstruktur

Menschen mit Migrationshintergrund waren 2017 im Durchschnitt 35,4 Jahre alt und damit wesentlich jünger als Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Alterspyramide zeigt, dass bei Zuwanderinnen und Zuwanderern die Gruppe der 25- bis 49-Jährigen besonders stark vertreten ist.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.4

Regionale Verteilung und Herkunftsländer

Aus geografischer Perspektive ist Migration vor allem ein Phänomen, das die alten Bundesländer betrifft. Westdeutsche Großstädte und alte industrielle Zentren weisen historisch bedingt höhere Anteile an Migrantinnen und Migranten auf.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.5

Entwicklung der Integration seit 2005

Hinsichtlich der Integration zeigen sich seit 2005 relativ stabile Unterschiede zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund. Personen mit Migrationshintergrund haben weiterhin häufiger keinen allgemeinbildenden Schulabschluss und häufiger keinen berufsqualifizierenden Abschluss.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.6

Kinder mit Migrationshintergrund

In Deutschland lebten 2017 rund 13,4 Millionen Kinder, davon hatten 4,9 Millionen einen Migrationshintergrund (36 %). In den jüngeren Altersgruppen war dieser Anteil am höchsten.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.7

Die Lebenssituation der Kinder mit Migrationshintergrund

Kinder mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden sich teilweise deutlich hinsichtlich ihrer Lebenslagen. Das betrifft sowohl die Größe des Haushalts, in dem sie wohnen, als auch den Bildungsstand des Elternhauses und ihre bisherige Laufbahn im Bildungssystem.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.8

Schutzsuchende in Deutschland

Das Statistische Bundesamt hat im November 2017 erstmals Zahlen zu den in Deutschland lebenden Schutzsuchenden veröffentlicht. Damit wurde von der amtlichen Statistik ein Beitrag geleistet, um die politische und gesellschaftliche Debatte, die seit der vermehrten Zuwanderung im Jahr 2015 begonnen hatte, zu versachlichen.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.9

Ausblick

Mehr als jeder fünfte Mensch in Deutschland hat seine Wurzeln im Ausland. Diese Bevölkerungsgruppe ist überdurchschnittlich jung. Mittlerweile haben 36 % aller Kinder in Deutschland Wurzeln im Ausland, in manchen Regionen sind es bereits mehr als die Hälfte.

Mehr lesen

Lexika-Suche

Zahlen und Fakten

Die soziale Situation in Deutschland

Wie sind die sozialen Aufgaben in Deutschland verteilt? Und für welche Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft müssen Lösungen gefunden werden? Das Online-Angebot hilft dabei, die soziale Situation in Deutschland besser einschätzen und beurteilen zu können.

Mehr lesen

Zahlen und Fakten

Globalisierung

Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart.

Mehr lesen