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Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Thomas Baumann, Tim Hochgürtel, Bettina Sommer

Familien und ihre Strukturen

Als Familie definiert der Mikrozensus alle Eltern-Kind-Gemeinschaften. Im Einzelnen sind das Ehepaare, Lebensgemeinschaften sowie alleinerziehende Mütter und Väter mit ledigen Kindern im Haushalt. In diesem Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf Familien mit minderjährigen Kindern. Das bedeutet, dass mindestens ein minderjähriges Kind im elterlichen Haushalt aufwächst, gegebenenfalls gemeinsam mit minder- oder volljährigen Geschwistern. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um leibliche Kinder, Stief-, Pflege- oder Adoptivkinder handelt (siehe Abb 1).

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern; 2007 waren es noch 8,6 Millionen Familien. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Familien um rund 368.000 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 4 %.
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach LebensformenFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Lebensformen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Bei einigen Familien in Deutschland besitzt mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund. Im Jahr 2017 waren das 2,8 Millionen Familien. Das entspricht einem Anteil von 35 % an allen Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland. Im Vergleich zu 2007 hat sich die Zahl der Familien mit Migrationshintergrund um 22 % erhöht. Die Zahl der Familien ohne Migrationshintergrund war hingegen rückläufig und ist in dieser Zeit um 14 % gesunken.

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Info 4

Familien mit Migrationshintergrund

Zu den Familien mit Migrationshintergrund zählen alle in einem Haushalt zusammenlebenden Eltern-Kind-Gemeinschaften, bei denen mindestens ein Elternteil eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt oder die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung oder – wie im Fall der Spätaussiedler – durch einbürgerungsgleiche Maßnahmen erhalten hat.


Familienformen

Hinter den rückläufigen Familienzahlen stehen unterschiedliche Entwicklungen der einzelnen Familienformen. Während die Zahl der Ehepaare mit Kindern kontinuierlich gesunken ist, stieg die Zahl der Alleinerziehenden und der unverheirateten Lebensgemeinschaften mit Kindern. Gab es 2007 noch 6,3 Millionen Ehepaare mit minderjährigen Kindern, so waren es zehn Jahre später nur noch 5,7 Millionen (– 10 %). Umgekehrt hat sich die Zahl der Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern von 675.000 im Jahr 2007 auf 934.000 im Jahr 2017 erhöht (+ 38 %). Die Zahl der Alleinerziehenden stieg in diesem Zeitraum ebenfalls leicht an. Die wachsende Bedeutung unverheirateter beziehungsweise alleinerziehender Familienformen führte zu einer Verschiebung der Familienstrukturen, bei der allerdings nach wie vor die Ehepaare mit Kindern deutlich überwiegen. Im Jahr 2017 waren sieben von zehn Familien (70 %) Ehepaare (2007: 74 %). Alleinerziehende Mütter oder Väter machten 19 % aller Familien aus (2007: 18 %). Weitere 11 % aller Familien waren Lebensgemeinschaften mit Kindern (2007: 8 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform — in ProzentFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Unter den Familien mit Migrationshintergrund war 2017 die Familienform Ehepaar mit Kindern mit 78 % deutlich weiter verbreitet als unter den Familien ohne Migrationshintergrund (65 %). Nur 14 % der Familien mit Migrationshintergrund waren alleinerziehende Mütter oder Väter (ohne Migrationshintergrund: 21 %). Weitere 7 % waren Lebensgemeinschaften mit minderjährigen Kindern (ohne Migrationshintergrund: 14 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform  und Migrationsstatus 2017 — in ProzentFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach Familienform und Migrationsstatus 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Familiengröße

Etwas mehr als die Hälfte (51 %) der Familien betreute 2017 genau ein minderjähriges Kind (und gegebenenfalls weitere volljährige Kinder). Zwei minderjährige Kinder lebten in 37 % der Familien. Drei minderjährige Kinder wuchsen in 9 % der Familien auf und in 3 % der Familien lebten vier oder mehr Kinder unter 18 Jahren.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Verteilung der Familien nach der Zahl der Kinder fast nicht verändert. Diese Entwicklung zeigt sich auch an der durchschnittlichen Kinderzahl je Familie: Rein rechnerisch zogen die Familien 2007 durchschnittlich 1,61 minderjährige Kinder groß. Im Jahr 2017 lag der Durchschnitt bei 1,64 minderjährigen Kindern.

Deutliche Unterschiede hinsichtlich der Kinderzahl zeigen sich zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Bei Familien mit Migrationshintergrund lebten 2017 häufiger mehr als zwei minderjährige Kinder im Haushalt: In 12 % dieser Familien lebten drei minderjährige Kinder und in 4 % mindestens vier Kinder unter 18 Jahren. Die entsprechenden Anteile bei Familien ohne Migrationshintergrund lagen bei 8 % beziehungsweise 2 %. Demgegenüber versorgten 54 % der Familien ohne Migrationshintergrund ein minderjähriges Kind im Haushalt, während es bei den Familien mit Migrationshintergrund nur 47 % waren.
Familien nach Zahl der Kinder unter 18 Jahren  und Migrationsstatus 2017 — in ProzentFamilien nach Zahl der Kinder unter 18 Jahren und Migrationsstatus 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Familiennettoeinkommen

Nach den Ergebnissen des Mikrozensus hatten 2017 in Deutschland 7 % aller Familien ein monatliches Familiennettoeinkommen von weniger als 1.300 Euro. Rund 28 % der Familien verfügten monatlich über 1.300 bis unter 2.600 Euro, 41 % über 2.600 bis unter 4.500 Euro und 25 % über 4.500 Euro und mehr. Bei den Familien mit Migrationshintergrund lagen die Anteile der Familien in den beiden unteren Einkommensstufen höher (unter 1.300 Euro: 8 %; 1.300 bis unter 2.600 Euro: 37 %) als bei den Familien ohne Migrationshintergrund (6 % beziehungsweise 23 %). Umgekehrt waren die Anteile der Familien ohne Migrationshintergrund in den beiden oberen Einkommensklassen höher (2.600 bis unter 4.500 Euro: 42 %; 4.500 Euro und mehr: 29 %) als bei den Familien mit Migrationshintergrund (39 % beziehungsweise 16 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem  Nettoeinkommen und Migrationsstatus 2017Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem Nettoeinkommen und Migrationsstatus 2017 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Ehepaare mit minderjährigen Kindern wiesen 2017 in Deutschland eine ähnliche Einkommensverteilung auf wie Lebensgemeinschaften mit Kindern unter 18 Jahren. Sie hatten mehrheitlich (Ehepaare: 67 %; Lebensgemeinschaften: 77 %) ein monatliches Familiennettoeinkommen zwischen 1.300 und 4.500 Euro zur Verfügung. Bei den Alleinerziehenden zeigt sich ein anderes Bild: Zwar verfügten 70 % der alleinerziehenden Mütter und 73 % der alleinerziehenden Väter ebenfalls über ein mittleres Familiennettoeinkommen. Im Gegensatz zu den Paargemeinschaften mussten Alleinerziehende aber deutlich häufiger mit einem Monatseinkommen von weniger als 1.300 Euro auskommen (Mütter: 28 %, Väter: 20 %). Hingegen verfügten Paargemeinschaften häufiger als Alleinerziehende über ein monatliches Familiennettoeinkommen von mehr als 4.500 Euro (Ehepaare: 31 %, Lebensgemeinschaften: 21 %).
Familien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem Netto­einkommen und Familienform 2017 — in ProzentFamilien mit Kind(ern) unter 18 Jahren nach monatlichem Netto­einkommen und Familienform 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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