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Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Thomas Baumann, Tim Hochgürtel, Bettina Sommer

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Arbeit und Karriere auf der einen, Familienleben und Kinderbetreuung auf der anderen Seite: Beides miteinander zu verbinden, stellt für viele Eltern eine besondere Herausforderung dar. Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die den Umfang der Erwerbstätigkeit der familiären Situation anpassen.

Arbeit und Karriere auf der einen, Familienleben und Kinderbetreuung auf der anderen Seite: Beides miteinander zu verbinden, stellt für viele Eltern eine besondere Herausforderung dar. Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die infolge der Geburt von Kindern den Umfang der Erwerbstätigkeit der veränderten familiären Situation anpassen.

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 6,8 Millionen Mütter und 5,9 Millionen Väter im erwerbsfähigen Alter (von 15 bis 64 Jahren), die mit mindestens einem leiblichen Kind oder einem Stief-, Pflege- oder Adoptivkind unter 15 Jahren in einem gemeinsamen Haushalt lebten. Kinder, die jünger als 15 Jahre sind, bedürfen in höherem Maß einer Betreuung als ältere Kinder. Dementsprechend werden in diesem Abschnitt nur Mütter und Väter mit mindestens einem Kind unter 15 Jahren betrachtet.

Rund 65 % dieser Mütter und 91 % dieser Väter sind 2017 einer realisierten Erwerbstätigkeit nachgegangen, das heißt, sie haben ihre Beschäftigung nicht aufgrund von Elternzeit oder Mutterschutz unterbrochen. Abhängig vom Alter des jüngsten Kindes verändert sich die Erwerbstätigenquote – insbesondere der Mütter – deutlich. Mehr als ein Drittel (36 %) der Mütter, deren jüngstes Kind im Krippenalter von unter drei Jahren war, war berufstätig. Erreichte das jüngste Kind das Kleinkindalter von drei bis fünf Jahren, gingen bereits doppelt so viele (72 %) einer Erwerbstätigkeit nach. Die höchste Erwerbstätigenquote von 83 % wurde bei Müttern mit einem jüngsten Kind im Alter von 10 bis 14 Jahren erreicht. Bei den Vätern ist die Beteiligung am Erwerbsleben weitgehend unabhängig vom Heranwachsen der Kinder. Sie lag im Jahr 2017 – je nach Alter des jüngsten Kindes – zwischen 88 % und 93 %. Mit der Familiengründung gibt somit ein beträchtlicher Teil der in Deutschland lebenden Mütter ihren Beruf vorübergehend auf und kehrt erst mit zunehmendem Alter der Kinder wieder in das Erwerbsleben zurück.
Erwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern nach Alter des jüngsten Kindes 2017 — in ProzentErwerbstätigenquoten von Müttern und Vätern nach Alter des jüngsten Kindes 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Dieser Trend lässt sich sowohl für Mütter in Westdeutschland als auch für Mütter in Ostdeutschland feststellen. Allerdings sind Mütter in Ostdeutschland tendenziell etwas häufiger erwerbstätig als Mütter in Westdeutschland. Sie schränken ihre Erwerbsbeteiligung auch mit jüngeren Kindern nicht so stark ein wie Mütter im Westen. So waren 2017 rund 44 % der Mütter im Osten mit einem Kind unter drei Jahren berufstätig, bei den Müttern im Westen lag dieser Wert bei 34 %. Die Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung von Müttern im Osten und im Westen sind im Wesentlichen auf die unterschiedliche Betreuungssituation in Ost- und Westdeutschland zurückzuführen (siehe Kapitel 2.2).
Erwerbstätigenquoten von Müttern in Ost- und Westdeutschland nach Alter des jüngsten Kindes 2017 — in ProzentErwerbstätigenquoten von Müttern in Ost- und Westdeutschland nach Alter des jüngsten Kindes 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit ist nicht nur für die finanzielle Situation der Familie von großer Bedeutung. Sie bestimmt auch den zeitlichen Rahmen, der für das Familienleben zur Verfügung steht. Bei der Erwerbsbeteiligung zeigen sich zunächst keine großen Unterschiede zwischen alleinerziehenden Müttern und Müttern in Paarfamilien. Eine Betrachtung der Erwerbstätigkeit von Müttern zeigt, dass Ehefrauen und Lebenspartnerinnen mit Kindern unter 15 Jahren 2017 jeweils zu 65 % einer realisierten Erwerbstätigkeit nachgingen. Alleinerziehende Mütter mit Kindern unter 15 Jahren waren mit 67 % etwas häufiger berufstätig. Deutliche Unterschiede zeigen sich hingegen beim Umfang der ausgeübten Tätigkeit. Ehefrauen waren von allen Müttern am seltensten Vollzeit berufstätig. Nur 26 % der Ehefrauen übten ihre Erwerbstätigkeit in Vollzeit aus. Deutlich höher waren die Vollzeitquoten der alleinerziehenden Mütter (39 %) und der Lebenspartnerinnen (41 %). Bei der Ausübung einer Teilzeitbeschäftigung ist das entsprechend umgekehrt.
Vollzeitquoten von Müttern und Vätern nach Familienform 2017 — in ProzentVollzeitquoten von Müttern und Vätern nach Familienform 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Väter sind nicht nur häufiger erwerbstätig, sie üben ihre berufliche Tätigkeit auch öfter in Vollzeit aus als Mütter. Dennoch gibt es auch hier Unterschiede je nach Familienform: Ehemänner waren mit 92 % am häufigsten realisiert erwerbstätig. Von den Lebenspartnern übten 90 % eine berufliche Tätigkeit aus. Mit 78 % waren alleinerziehende Väter am seltensten von allen Vätern mit Kindern unter 15 Jahren berufstätig. Die Reihenfolge ist unverändert, vergleicht man die Vollzeitquoten der Väter: 94 % der erwerbstätigen Ehemänner waren Vollzeit tätig, 92 % der Lebenspartner und 85 % der alleinerziehenden Väter.

Für Mütter und Väter, die als Paar zusammenleben, stellt sich nicht nur die Frage, wie beide Elternteile für sich betrachtet Familie und Beruf vereinbaren. Von hohem Interesse ist bei Paaren mit Kindern zudem das Zusammenspiel der Partner bei der Balance von Familie und Beruf. Die dargestellten Ergebnisse beziehen sich dabei auf Ehepaare und gemischtgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Insbesondere der Zeitumfang der Erwerbsbeteiligung unterscheidet sich hier deutlich. Bei fast drei Vierteln (72 %) der Ehepaare mit Kindern unter 15 Jahren waren der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit erwerbstätig. Auch über die Hälfte der Paare, die in gemischtgeschlechtlicher Lebensgemeinschaft lebten, wählte diese traditionelle Arbeitszeitkombination (54 %). Bei 22 % der Ehepaare gingen beide Elternteile einer Vollzeittätigkeit nach, bei den Lebensgemeinschaften lag dieser Anteil mit 38 % fast doppelt so hoch. Andere mögliche Arbeitszeitaufteilungen spielten eine eher untergeordnete Rolle.
Paarfamilien nach Vollzeit- / Teilzeittätigkeit der Partner 2017  — in ProzentPaarfamilien nach Vollzeit- / Teilzeittätigkeit der Partner 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Unterschiede in der Vereinbarung von Familie und Beruf finden sich auch bei Paarfamilien mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Paarfamilien ohne Migrationshintergrund. Während bei 71 % der Paarfamilien ohne Migrationshintergrund Mutter und Vater 2017 erwerbstätig waren, traf das auf 48 % der Paare mit Migrationshintergrund zu. Bei ihnen war hingegen die ausschließliche Erwerbsbeteiligung des Vaters mit 38 % deutlich häufiger verbreitet als bei den Paarfamilien ohne Migrationshintergrund (24 %). Ebenfalls höher war bei den Paaren mit Migrationshintergrund der Anteil derjenigen Paare, bei denen sich weder Mutter noch Vater am Erwerbsleben beteiligten (11 % gegenüber 2 % bei den Paaren ohne Migrationshintergrund).
Paarfamilien nach Migrationsstatus und Erwerbsbeteiligung  der Partner 2017 — in ProzentPaarfamilien nach Migrationsstatus und Erwerbsbeteiligung der Partner 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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