Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Manuela Nöthen

Adoptionen

Eine Adoption ist eine einschneidende und weitreichende Entscheidung – sowohl für die abgebenden als auch für die annehmenden Eltern und natürlich nicht zuletzt für die betroffenen Kinder selbst. Bundesweit ist die Zahl der Adoptionen seit der ersten Hälfte der 1990er-Jahre rückläufig und stagniert seit 2009. Wurden im Jahr 1993 – auf dem Höchststand der Entwicklung – noch 8.687 Mädchen oder Jungen adoptiert, so waren es im Jahr 2016 weit weniger als die Hälfte, nämlich 3.976 Minderjährige. Die Literatur führt für den Rückgang unterschiedliche Gründe an: den Wandel in den Familienentwürfen ebenso wie die Fortschritte in der Reproduktionsmedizin (siehe auch Kapitel 2.4), aber auch rechtliche Entwicklungen wie die Ratifizierung des Haager Übereinkommens zum Schutz von Kindern bei internationalen Adoptionen, um nur einige zu nennen.
Adoptierte Kinder und Jugendliche nach persönlichen Merkmalen, Verwandtschaftsverhältnis zu den Adoptiveltern und deren Staatsangehörigkeit 2016Adoptierte Kinder und Jugendliche nach persönlichen Merkmalen, Verwandtschaftsverhältnis zu den Adoptiveltern und deren Staatsangehörigkeit 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Besonders häufig wurden Kinder oder Jugendliche im Jahr 2016 von der Stiefmutter beziehungsweise dem Stiefvater – also der neuen Partnerin/dem neuen Partner des leiblichen Elternteils − adoptiert (62 %). In gut einem Drittel aller Fälle (35 %) fand die Adoption durch Nichtverwandte statt und am seltensten (3 %) wurden die Kinder durch andere Verwandte adoptiert, etwa durch Großeltern, Onkel oder Tanten. Rechtlich gesehen müssen immer beide leiblichen Elternteile und mit Erreichen des 14. Lebensjahrs auch die betroffenen Jugendlichen in eine Adoption einwilligen. Um erhebliche Nachteile durch die Nichtzustimmung eines Elternteils für die betroffenen Jungen oder Mädchen auszuschließen, können Einwilligungen aber unter bestimmten Voraussetzungen vom Familiengericht ersetzt werden. Das trifft vor allem bei Gleichgültigkeit oder groben Pflichtverletzungen der leiblichen Eltern gegenüber dem Kind zu; ein Beispiel dafür sind schwere Kindeswohlgefährdungen durch sämtliche Formen von Gewalt. Im Jahr 2016 wurde bei 251 Kindern eine Einwilligung durch das Familiengericht ersetzt – also bei 6 % aller Adoptionen. Dieser Anteil bewegt sich seit Anfang der 1990er-Jahre auf diesem Niveau, mit nur leichten Schwankungen zwischen 5 % (1992) und 9 % (1999).

Neben den insgesamt knapp 4.000 ausgesprochenen Adoptionen befanden sich zum Jahresende 2016 weitere 2.147 Minderjährige in Adoptionspflege. Die Adoptionspflege ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben und dient der Vorbereitung einer späteren Adoption. Sie soll eine Prognose dahingehend erleichtern, ob ein Eltern-Kind-Verhältnis zwischen den Beteiligten entstehen kann und die Kindesannahme dem Kindeswohl entspricht. Sie beginnt mit dem Tag, an dem die künftigen Adoptiveltern das künftige Adoptivkind bei sich aufnehmen, und endet, sobald das Familiengericht die Adoption rechtskräftig ausgesprochen hat. Abbrüche sind zwar selten, kommen aber durchaus vor: So war 2016 in 133 Fällen eine Adoptionspflege abgebrochen worden. Für eine Adoption vorgemerkt waren 826 Kinder und Jugendliche am Jahresende 2016. Gleichzeitig gab es 5.266 Bewerbungen von Familien, die gern ein Kind im Rahmen einer Adoption annehmen wollten. Rechnerisch standen damit jedem zur Adoption vorgemerkten Jungen oder Mädchen sechs potenzielle Adoptivfamilien gegenüber.

Seit Inkrafttreten des Haager Adoptionsübereinkommens in Deutschland im Jahr 2002 ist die Zahl der nicht deutschen Kinder, die im Rahmen einer Adoption ins Land geholt wurden, von 960 auf 257 Fälle zurückgegangen (– 73 %) – und zwar obwohl in diesem Zeitraum sogar eine gewisse Ausweitung der Erhebung stattgefunden hat. Zur Orientierung: Insgesamt ging die Zahl der Adoptionen im gleichen Zeitraum um 30 % zurück. Von den 257 nicht deutschen Adoptivkindern, die im Zusammenhang mit einer Adoption nach Deutschland kamen, stammten 78 aus Asien, 75 aus Europa, 62 aus Amerika und 42 aus Afrika oder der übrigen Welt.
Staatsangehörigkeiten der nicht deutschen Kinder, die im Rahmen einer Adoption nach Deutschland geholt wurden 2016Staatsangehörigkeiten der nicht deutschen Kinder, die im Rahmen einer Adoption nach Deutschland geholt wurden 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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