Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Anne Berngruber, Nora Gaupp, Alexandra N. Langmeyer

Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen

In ihrer Freizeit außerhalb von Schule und Ausbildung haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, selbst gewählten Interessen nachzugehen, indem sie sich beispielsweise kulturell, sportlich oder medial betätigen oder auch einfach mal nichts tun. Die folgenden Analysen zeigen, welchen Freizeitaktivitäten junge Menschen häufig nachgehen, wie sich diese im Lauf der Kindheits- und Jugendphase verändern und welche Rolle die Schulform dabei spielt.

Über das Lebensalter der Kinder und Jugendlichen hinweg bleiben Aktivitäten wie Sport treiben, Freunde treffen und fernsehen auf einem konstant hohen Niveau. Rund neun von zehn Kindern und Jugendlichen gingen diesen Aktivitäten mindestens ein- bis zweimal die Woche nach.

Ein besonders starker Anstieg ist für die Nutzung des Internets zu beobachten. Während nur rund 40 % der 9-Jährigen mindestens ein- bis zweimal die Woche im Internet waren, waren dies fast alle 14- bis 17-Jährigen. Diese Entwicklung weist darauf hin, dass das Internet aus der Lebensrealität von Jugendlichen heutzutage nicht mehr wegzudenken ist. Ein eher glockenförmiger Verlauf ist bezogen auf die Altersgruppen beim Spielen am Computer, auf dem Handy oder an der Spielkonsole zu beobachten: Die 11- und 12-Jährigen spielten mit etwa 80 % am häufigsten digital, die 9- und 17-Jährigen mit etwa 65 % am seltensten.
Freizeitaktivitäten nach Alter 2014/2015 — in ProzentFreizeitaktivitäten nach Alter 2014/2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Beim Übertritt in die Sekundarstufe nahmen das Nichtstun, Rumhängen und Chillen an Bedeutung zu, das sich dann für die folgenden Altersstufen auf dem Niveau von um die 70 % der Jugendlichen, die das mindestens ein- bis zweimal die Woche taten, einpendelte. Mit zunehmendem Alter nahmen Aktivitäten wie Bücher lesen, ein Musikinstrument spielen sowie singen kontinuierlich ab. Dies weist auf veränderte Interessen beim Übergang vom Kindheits- zum Jugendalter hin. Mit zunehmender Ablösung von der Familie im Jugendalter werden auch die gemeinsamen Unternehmungen mit Eltern oder Geschwistern seltener. Stattdessen sind Aktivitäten wie das Ausgehen in Clubs, Discos oder Kneipen von steigendem Interesse für die Jugendlichen. Während dies – sicherlich auch aufgrund gesetzlicher Regelungen – bei den 12- und 13-Jährigen so gut wie noch gar keine Rolle spielte, gingen immerhin fast 30 % der 17-Jährigen mindestens ein- bis zweimal die Woche aus. Beim Shoppen oder Bummeln gehen zeigte sich zunächst ein leichter Anstieg im Alter zwischen 9 und 12 Jahren (von rund 10 % auf rund 20 %), wobei der Anteil dann für die 12- bis 17-Jährigen auf diesem Niveau konstant blieb.

Der Scholarisierungs-These zufolge verbringen Kinder und Jugendliche aufgrund des Ausbaus von Ganztagsschulen täglich mehr Zeit in der Schule. Des Weiteren verlängert sich die Lebenszeit in der Schule durch einen steigenden Erwerb höherer Bildungsabschlüsse. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob und inwiefern die Schulform beeinflusst, wie häufig Kinder und Jugendliche verschiedenen Freizeitaktivitäten nachgehen, oder ob ihnen die Schule mit ihren Anforderungen womöglich keine Zeit dafür lässt. Für die Interpretation der Ergebnisse ist anzumerken, dass bei den Freizeitaktivitäten nicht danach gefragt wurde, wo diese ausgeübt werden. Es kann also durchaus sein, dass diese – zumindest teilweise – auch im (Ganztags-)Schulkontext stattfinden. Durch die Differenzierung nach der momentan besuchten Schulform – insbesondere durch den Vergleich von Grundschule und Sekundarstufe (differenziert nach Hauptschule, Realschule und Gymnasium) – werden einerseits Alterseffekte implizit mit abgebildet, andererseits wird so auch kontrolliert, welchen Schulabschluss die Jugendlichen anstreben. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass durchgängig von Hauptschule, Realschule und Gymnasium die Rede ist, auch wenn sich die Schulformen inzwischen deutlich ausdifferenziert haben und auch anders benannt werden.

Am häufigsten treiben Grundschülerinnen und Grundschüler sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten Sport. Während weniger als die Hälfte der Grundschülerinnen und Grundschüler mindestens ein- bis zweimal die Woche im Internet waren, waren es bereits neun von zehn Realschülerinnen und Realschüler sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Kaum schulformspezifische Unterschiede zeigen sich bei der Häufigkeit fernzusehen und Freunde zu treffen. Das Spielen am Computer, Handy oder der Spielkonsole wurde etwas häufiger von Hauptschülerinnen und Hauptschülern im Vergleich zu Schülerinnen und Schülern anderer Schulformen benannt. Nichts tun, rumhängen und chillen wurde unabhängig von der Schulform mit Übertritt in die Sekundarstufe zunehmend wichtiger für die Jugendlichen.
Freizeitaktivitäten nach Schulform 2014/2015 — in ProzentFreizeitaktivitäten nach Schulform 2014/2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Keinerlei schulformspezifische Unterschiede zeigten sich bei der Häufigkeit von Unternehmungen mit Eltern oder Geschwistern. Auffällig ist, dass eher bildungsorientierte Freizeitaktivitäten wie Bücher lesen, ein Musikinstrument spielen oder singen besonders häufig von Grundschülerinnen und Grundschülern sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ausgeübt wurden. Während es sich bei den Grundschülerinnen und Grundschülern vermutlich um einen Alterseffekt handelt, sind die höheren Aktivitäten der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mitunter auch ein Effekt elterlicher Bildungsaspirationen, das heißt leistungsorientierter Einstellungen der Eltern. Insgesamt deutlich seltener, aber auch relativ bildungsunabhängig gingen Schülerinnen und Schüler shoppen oder bummeln. Von den Jugendlichen am seltensten benannt, mit leichter Tendenz zu höherer Bildung, ist das Ausgehen in Clubs, Discos und Kneipen.


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