Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Karin Böhm

Diagnose und Behandlung im Krankenhaus

Diagnosen

Über die Behandlung von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus informiert die Krankenhausdiagnosestatistik. Bei Frauen ist die Zahl der Behandlungsfälle von 9,1 Millionen Fällen (2006) um 15 % auf 10,5 Millionen Fälle (2016) gestiegen. Bei Männern stieg die Zahl der Behandlungsfälle sogar um 20 % von knapp 8,0 Millionen Fällen (2006) auf 9,6 Millionen Fälle (2016).

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Info 1

Die Diagnosestatistik und ihre Erweiterung um die fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik)

Die Diagnosen der Krankenhauspatientinnen und -patienten zeigen das gesamte vollstationäre Geschehen in den deutschen Krankenhäusern. Alle Krankenhäuser in Deutschland sind auskunftspflichtig und melden jährlich die Diagnosen aller Patientinnen und Patienten, die im Berichtsjahr aus der vollstationären Behandlung entlassen wurden. Bei mehrfach im Berichtsjahr vollstationär behandelten Personen erfassen sie jeden einzelnen Krankenhausaufenthalt als einen Fall (Fallzahlenstatistik). Nicht nachgewiesen werden die vor- und nachstationären, teilstationären und ambulanten Behandlungsfälle. Die Diagnoseangaben umfassen die Hauptdiagnosen, Alter, Geschlecht, Verweildauer und die Fachabteilungen des Krankenhauses.

Die fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik ergänzt die Krankenhausstatistik der Krankenhauspatientinnen und -patienten. Das auf Fallpauschalen basierende DRG-Vergütungssystem entstand bei der Novellierung der Krankenhausfinanzierung im Jahr 2000 (DRG steht für "Diagnosis Related Groups"). Die jährliche Statistik umfasst alle Krankenhäuser, die nach dem DRG-Vergütungssystem abrechnen und dem Anwendungsbereich des Krankenhausentgeltgesetzes unterliegen (ohne psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen). Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus erhebt die Daten und stellt sie dem Statistischen Bundesamt zur Verfügung (Sekundärstatistik).

Gegenstand der DRG-Statistik sind die von den berichtspflichtigen Krankenhäusern erbrachten Leistungen. Die vom Statistischen Bundesamt ausgewerteten Daten beziehen ebenfalls alle im Lauf des Berichtsjahres aus den oben genannten Einrichtungen entlassenen vollstationären Patientinnen und Patienten ein. Nicht nachgewiesen werden vor-, nach-, teilstationär oder ambulant behandelte Personen.

Die häufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt waren 2016 – wie bereits in den Vorjahren – Krankheiten des Kreislaufsystems. Rund 15 % aller Fälle waren dieser Krankheitsgruppe zuzuordnen. Im Vergleich zu 2006 ist die Zahl dieser Behandlungsfälle um 14 % angestiegen. An zweiter Stelle folgten Verletzungen und Vergiftungen sowie andere Folgen äußerer Ursachen. Sie stellten nach den Krankheiten des Kreislaufsystems die wichtigste Diagnosegruppe mit 10 % an allen Behandlungsfällen dar. Gegenüber 2006 ist ihre Zahl im Jahr 2016 um 16 % höher. An dritter Stelle lagen die Krankheiten des Verdauungssystems mit einem Anteil von ebenfalls rund 10 % an allen Diagnosen. Im Vergleich zu 2006 ist hier die Zahl um 15 % gestiegen.

Der höchste Anstieg mit 49 % war im Diagnosekapitel "Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, andernorts nicht näher klassifiziert" zu beobachten. Hierzu gehören zum Beispiel Kreislaufkollaps oder Ohnmacht, Hals- und Brustschmerzen. Die Behandlungen im Kapitel Infektionen erhöhten sich innerhalb des gleichen Zeitraums um 42 %, die Krankheiten der Haut und Unterhaut haben um 30 % zugenommen und auch die Muskel-Skelett-Erkrankungen stiegen um ein Viertel (25 %) ihres Wertes von 2006. Im direkten Vergleich blieben lediglich die Behandlungen in Bezug auf Neubildungen (Krebs und gutartige Neubildungen) konstant. Ein Rückgang war nicht zu verzeichnen.

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Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen

Aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs wurden 22.309 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren 2016 stationär in einem Krankenhaus behandelt. Das waren 1,8 % mehr als 2015. Rund 68 % dieser Kinder und Jugendlichen waren noch keine 18 Jahre alt.

Operationen und medizinische Behandlungsmaßnahmen

Nach den Ergebnissen der fallpauschalenbezogenen Krankenhausstatistik (DRG-Statistik) führten die Krankenhäuser 2016 bei den vollstationär versorgten Personen insgesamt 59 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren durch. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Zunahme um 5,6 %. Auf einen Krankenhausfall, also eine in einem Krankenhaus behandelte Person, entfielen damit im Durchschnitt 3,1 Maßnahmen dieser Art. In allen Altersgruppen war die durchschnittliche Zahl der Operationen und Prozeduren je Krankenhausfall bei Männern höher als bei Frauen.
Durchschnittliche Anzahl der Operationen und Behandlungsmaßnahmen je Krankenhausfall 2016Durchschnittliche Anzahl der Operationen und Behandlungsmaßnahmen je Krankenhausfall 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Werden die erfolgten Maßnahmen nach einzelnen Kapiteln des Operationen- und Prozedurenschlüssels (OPS) differenziert, lagen die Operationen mit 29 % an erster Stelle, an zweiter Stelle folgten mit 26 % nicht operative therapeutische Maßnahmen. An dritter Stelle stand mit 21 % die bildgebende Diagnostik, beispielsweise Computertomografie.
Operationen und Behandlungsmaßnahmen der Krankenhauspatientinnen und -patienten 2016 — in ProzentOperationen und Behandlungsmaßnahmen der Krankenhauspatientinnen und -patienten 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Bei den durchgeführten Operationen lagen auch im Jahr 2016 Operationen an den Bewegungsorganen an erster Stelle, mit Abstand gefolgt von Operationen am Verdauungstrakt sowie Operationen an Haut und Unterhaut. Eine detailliertere Analyse der Operationsdaten zeigt, dass bei Frauen am häufigsten die Rekonstruktion weiblicher Geschlechtsorgane nach einer Ruptur / Dammriss durchgeführt wurde, gefolgt vom Kaiserschnitt und der Position "andere Operationen am Darm".

Bei Männern lag die Position "andere Operationen am Darm" an erster Stelle, an zweiter Stelle folgte der Verschluss eines Leistenbruchs (Hernia inguinalis) sowie an dritter Stelle der Zugang zur Lendenwirbelsäule, zum Kreuz- oder Steißbein.
Die zehn häufigsten Operationen von Krankenhauspatientinnen und -patienten 2016 — in TausendDie zehn häufigsten Operationen von Krankenhauspatientinnen und -patienten 2016 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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