Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Karin Böhm

Pflege

Pflegebedürftigkeit

Die fachgerechte und wertschätzende Versorgung von pflegebedürftigen Menschen war ein großes Thema bei der Bundestagswahl 2017. Pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (Sozialgesetzbuch SGB XI) sind Menschen, die im täglichen Leben auf Dauer – wegen einer Krankheit oder Behinderung – in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Die Entscheidung über das Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit wird von den Pflegekassen beziehungsweise einem privaten Versicherungsunternehmen getroffen.

Im Dezember 2015 waren knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Vier von fünf Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter. Gut ein Drittel war sogar älter als 85 Jahre. Knapp zwei Drittel der Pflegebedürftigen waren Frauen.

Im Vergleich zu 2005 ist eine Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen zu beobachten: Im Jahr 2005 betrug sie 2,1 Millionen und stieg auf knapp 2,9 Millionen im Jahr 2015 an. Ein wichtiger Faktor für den Anstieg ist die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Im Jahr 2005 waren 3,7 Millionen Menschen 80 Jahre und älter; 2015 waren es bereits 4,7 Millionen.

Mit zunehmendem Alter sind Menschen in der Regel eher pflegebedürftig. Während bei den 70- bis 74-Jährigen jeder Zwanzigste (5 %) aller Menschen in Deutschland dieser Altersgruppe pflegebedürftig war, wurde für die ab 90-Jährigen die höchste Pflegequote ermittelt: Der Anteil der Pflegebedürftigen an allen Menschen dieser Altersgruppe betrug 66 %. Auffallend ist, dass Frauen etwa ab dem 80. Lebensjahr eine deutlich höhere Pflegequote aufwiesen – also eher pflegebedürftig waren als Männer dieser Altersgruppen. So beträgt zum Beispiel bei den 85- bis 89-jährigen Frauen die Pflegequote 44 %, bei den Männern gleichen Alters hingegen lediglich 31 %.
Pflegequoten von Seniorinnen und Senioren 2015 — Anteil an der Bevölkerung des jeweiligen Alters in ProzentPflegequoten von Seniorinnen und Senioren 2015 — Anteil an der Bevölkerung des jeweiligen Alters in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Neben Unterschieden in der gesundheitlichen Entwicklung bei Frauen und Männern kann ein Faktor für den unterschiedlichen Verlauf der Pflegequoten auch das Antragsverhalten bei Frauen und Männern sein: Ältere Frauen leben häufiger allein als Männer. Bei Pflegebedarf kann somit schneller die Notwendigkeit bestehen, einen Antrag auf Leistungen zu stellen, während die pflegebedürftigen Männer zunächst häufiger beispielsweise von ihren Frauen versorgt werden. Insofern könnte zunächst auf eine Antragstellung verzichtet werden. In diesem Fall werden sie auch nicht in der Pflegestatistik erfasst.

Knapp drei Viertel der Pflegebedürftigen in Deutschland wurden im Dezember 2015 zu Hause versorgt. Fast die Hälfte erhielt ausschließlich Pflegegeld, das bedeutet, sie wurden in der Regel zu Hause allein durch Angehörige gepflegt. Inwieweit sich die Angehörigen durch privat bezahlte Haushaltshilfen, beispielsweise aus Osteuropa, unterstützen lassen, ist nicht bekannt. Bei einem weiteren Viertel der Pflegebedürftigen in Privathaushalten erfolgte die Pflege zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. Vollstationär in Pflegeheimen betreut wurden rund 783.400 Bewohnerinnen und Bewohner.
Pflegebedürftige nach Versorgungsart 2015Pflegebedürftige nach Versorgungsart 2015 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Pflegebedürftigkeit kommt ebenfalls in der Altersgruppe der unter 15-Jährigen vor. Hier waren im Dezember 2015 rund 80.500 Menschen pflegebedürftig, davon 62 % Jungen und 38 % Mädchen. Gemessen an der Gesamtzahl der Bevölkerung Deutschlands in dieser Altersgruppe betrug die Pflegequote 0,7 %. Sie ist erwartungsgemäß deutlich niedriger als bei den Älteren. Die Versorgung Pflegebedürftiger unter 15 Jahren fand 2015 fast ausschließlich zu Hause statt, lediglich 200 Kinder erhielten vollstationäre Pflege in zugelassenen Pflegeheimen. In 3.800 Fällen erfolgte die Pflege zu Hause teilweise oder vollständig durch ambulante Pflegedienste. Mit einem Anteil von gut 95 % leisteten Angehörige hauptsächlich die pflegerische Versorgung der Kinder.

Bundesweit gab es im Dezember 2015 rund 13.600 zugelassene voll- beziehungsweise teilstationäre Pflegeheime. Gut die Hälfte der Heime befand sich in freigemeinnütziger Trägerschaft. Im Durchschnitt wurden in einem Pflegeheim 63 Pflegebedürftige betreut. Die meisten Heime boten vollstationäre Dauerpflege an.

Personal in Pflegeeinrichtungen

In den Heimen waren zum Jahresende 2015 insgesamt 730.100 Menschen beschäftigt. Teilzeitkräfte machten dabei knapp zwei Drittel aus; die Mehrzahl aller Beschäftigten (84 %) waren Frauen.

Rund 40 % der Beschäftigten waren 50 Jahre und älter. Die meisten Beschäftigten hatten ihren Arbeitsschwerpunkt im Bereich Pflege und Betreuung. Altenpfleger /-pflegerin oder Gesundheits- und Krankenpfleger/-pflegerin waren dabei die wichtigsten Ausbildungsabschlüsse. Von den im Bereich Pflege und Betreuung Tätigen hatte zusammen fast jede/jeder Zweite entweder einen Abschluss als Altenpfleger /-pflegerin, Gesundheits- und Krankenpfleger /-pflegerin oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger /-pflegerin. In den im Dezember 2015 insgesamt 13.300 zugelassenen ambulanten Pflegediensten arbeiteten 355.600 Menschen. Etwa zwei Drittel davon waren Teilzeit beschäftigt; der Frauenanteil lag bei 87 % aller Beschäftigten. Im Alter von 50 Jahren und mehr waren 38 % der Beschäftigten. Der Haupteinsatzbereich des Personals war die Grundpflege. Hier hatten zwei Drittel der Beschäftigten ihren Arbeitsschwerpunkt.


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