Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Heiko Pfaff, Johannes Proksch, Stefan Rübenach

Mindestsicherungssysteme

Transferleistungen der sozialen Mindestsicherungssysteme sind finanzielle Hilfen des Staates, die zur Sicherung des grundlegenden Lebensunterhalts an leistungsberechtigte Personen ausgezahlt werden. Dazu zählen in der Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik folgende Leistungen:
  • Gesamtregelleistungen (Arbeitslosengeld [ALG] II und Sozialgeld) nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II), u Info 2
  • Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen (zum Beispiel Wohn- und Pflegeheime) nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII),
  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII,
  • Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

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Info 2

Zähl- / Gültigkeitskonzept der Statistik der Bundesagentur für Arbeit

Im April 2016 wurde das bisherige Zähl- und Gültigkeitskonzept der Statistik der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) rückwirkend ab Einführung der Statistik im Jahr 2005 revidiert. Durch die Revision der Grundsicherungsstatistik SGB II wird eine vollständige statistische Abbildung aller Personengruppen im SGB II gewährleistet. Nach dem neuen Zähl- und Gültigkeitskonzept werden die Regelleistungsberechtigten klar abgetrennt ausgewiesen. Systematisch getrennt davon werden nun Daten zu weiteren Personen in Bedarfsgemeinschaften wie sonstige Leistungsberechtigte und nicht leistungsberechtigte Personen in Bedarfsgemeinschaften zur Verfügung gestellt, die zuvor zum Teil mit als Leistungsberechtigte ausgewiesen wurden. Zu den Nichtleistungsberechtigten zählen Personen, die aufgrund gesetzlicher Regelungen vom Leistungsanspruch nach dem SGB II ausgeschlossen sind, sowie minderjährige Kinder in Bedarfsgemeinschaften ohne individuellen Leistungsanspruch. In der amtlichen Sozialberichterstattung wird rückwirkend ab dem Jahr 2006 nur die Personengruppe der Regelleistungsberechtigten zu den Empfängerinnen und Empfängern sozialer Mindestsicherungsleistungen gezählt. Diese Gruppe setzt sich aus den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und den nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zusammen. Nicht zu den Empfängerinnen und Empfängern sozialer Mindestsicherungsleistungen gehören in der amtlichen Sozialberichterstattung die nach dem neuen Zähl- und Gültigkeitskonzept der Statistik der Bundesagentur für Arbeit ab dem Jahr 2016 (rückwirkend bis 2005) ausgewiesenen sonstigen Leistungsberechtigten und die Nichtleistungsberechtigten. Da nach der Revision der Ausweis der Regelleistungsberechtigten nun systematisch bereinigt um diese Personengruppen erfolgt, liegt die Zahl der Regelleistungsberechtigten etwas unter der entsprechenden Zahl vor der Revision. Nähere Informationen zu den Datenquellen der sozialen Mindestsicherung sind unter www.amtliche-sozialberichterstattung.de verfügbar.

Am Jahresende 2016 erhielten in Deutschland insgesamt 7,9 Millionen Menschen die oben genannten Transferleistungen, um ihren grundlegenden Lebensunterhalt zu bestreiten. Damit waren 9,5 % der in Deutschland lebenden Menschen auf existenzsichernde finanzielle Hilfen des Staates angewiesen.
Leistungen der sozialen Mindestsicherung am Jahresende 2016Leistungen der sozialen Mindestsicherung am Jahresende 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Vor allem Menschen in den Stadtstaaten und teilweise in den neuen Ländern sowie in Nordrhein-Westfalen waren verstärkt auf Leistungen der Mindestsicherung angewiesen. In Berlin war ihr Anteil mit 19 % an der Bevölkerung am höchsten, gefolgt von Bremen mit 18 %. Besonders selten bezogen die Menschen in den südlichen Bundesländern Leistungen der Mindestsicherung. So erhielten Ende 2016 in Bayern 5,1 % und in Baden-Württemberg 5,9 % der Einwohnerinnen und Einwohner entsprechende Leistungen.
Empfängerinnen und Empfänger von sozialer Mindestsicherung am Jahresende 2016 — Anteil an der Gesamtbevölkerung in ProzentEmpfängerinnen und Empfänger von sozialer Mindestsicherung am Jahresende 2016 — Anteil an der Gesamtbevölkerung in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Gesamtregelleistungen nach dem SGB II

Der mit Abstand größte Anteil an den Empfängerinnen und Empfängern von Mindestsicherungsleistungen entfiel auf die Gesamtregelleistungen Arbeitslosengeld (ALG II) und Sozialgeld nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). ALG II erhalten erwerbsfähige Personen, die das 15. Lebensjahr vollendet, die Altersgrenze für den Rentenbeginn nach § 7a SGB II noch nicht erreicht haben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können. Ihre im Haushalt lebenden nicht erwerbsfähigen Familienangehörigen (vor allem Kinder) erhalten Sozialgeld.

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Arbeitslosengeld

Mit der sogenannten Hartz-IV-Reform ist die soziale Sicherung von Arbeitslosen zum Jahresbeginn 2005 umstrukturiert worden. Dadurch entstand ein zweigliedriges System der sozialen Sicherung für arbeitslose beziehungsweise bedürftige Personen, dessen erste Stufe aus einer lohnabhängigen Versicherungsleistung – dem Arbeitslosengeld, auch ALG I genannt – besteht. Die Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes richtet sich nach der Dauer der vorangegangenen Versicherungszeiten und dem Alter der arbeitslosen Personen.

Die zweite Stufe der sozialen Absicherung bildet seit Jahresbeginn 2005 eine steuerfinanzierte Fürsorgeleistung im Rahmen der "Grundsicherung für Arbeitsuchende", das ALG II. Diese Leistung konzentriert sich auf erwerbsfähige Hilfebedürftige ohne eigenes Einkommen oder Personen, deren Einkommen und Vermögen nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Anspruchshöhe orientiert sich nicht am letzten Arbeitslohn, sondern am erforderlichen Bedarf der leistungsberechtigten Personen, um den notwendigen Lebensunterhalt abzusichern.

Personen, die vor dem 1. Januar 1947 geboren sind, erreichten die Altersgrenze mit Ablauf des Monats, in dem sie das 65. Lebensjahr vollendeten. Beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1947 wird die Altersgrenze seit dem 1. Januar 2012 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Für den Berichtszeitraum Dezember 2016 gilt eine Altersgrenze von 65 Jahren und 5 Monaten. In Bezug auf die Altersgrenze stehen für die Berechnung von Bezugsquoten Bevölkerungsdaten nach Geburtsmonat grundsätzlich nicht zur Verfügung. Zur Berücksichtigung der Verschiebung der Altersgrenze von 65 auf 67 Jahre wird bei Berechnungen von Bezugsquoten eine Gleichverteilung der Geburten über das jeweilige Geburtsjahr unterstellt.

Die umgangssprachlich mit "Hartz IV" bezeichneten Leistungen der "Grundsicherung für Arbeitsuchende" nach dem SGB II wurden im Dezember 2016 an insgesamt knapp 6,0 Millionen regelleistungsberechtigte Personen ausgezahlt.

Von den rund 6,0 Millionen Regelleistungsberechtigten waren nach Angaben der Statistik der Bundesagentur für Arbeit im Dezember 2016 etwa 1,8 Millionen Ausländerinnen und Ausländer. Bezogen auf die ausländische Bevölkerung bis unter der Altersgrenze für den Rentenbeginn entsprach dies einem Anteil von 21 %. Die Bezugsquote von ausländischen Regelleistungsberechtigten war in den ostdeutschen Bundesländern mit 29 % deutlich höher als in den westdeutschen; dort lag sie bei 20 %.

In den Stadtstaaten und den neuen Ländern waren deutlich mehr Personen auf die Leistungen nach dem SGB II angewiesen als in den westdeutschen Flächenländern. Auch hier war der Anteil an der Bevölkerung in Berlin mit 19 % am höchsten. Deutlich über dem Durchschnitt aller Bundesländer (9,1 %) lag Bremen mit 18 %, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 14 %. Am seltensten nahmen die Menschen in Bayern (4,2 %) und in Baden-Württemberg (5,1 %) SGB-II-Leistungen in Anspruch.
Empfängerinnen und Empfänger von Gesamtregelleistungen nach dem SGB II im Dezember 2016 — Anteil an der Bevölkerung bis zur Altersgrenze in ProzentEmpfängerinnen und Empfänger von Gesamtregelleistungen nach dem SGB II im Dezember 2016 — Anteil an der Bevölkerung bis zur Altersgrenze in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das sogenannte Sozialgeld erhalten nicht erwerbsfähige Familienangehörige von ALG-II-Empfängern. Im Dezember 2016 wurden rund 1,7 Millionen Sozialgeldempfänger registriert. Der Anteil an allen Regelleistungsberechtigten von Leistungen nach dem SGB II lag im Dezember 2016 bei 28 %. Die Sozialgeldempfänger waren zu 97 % Kinder unter 15 Jahren. Der Anteil der Kinder an allen Bezieherinnen und Beziehern von Regelleistungen nach dem SGB II lag im Bundesdurchschnitt bei 27 %. Rund 4,3 Millionen der insgesamt 6,0 Millionen Regelleistungsempfänger nach dem SGB II waren im Dezember 2016 erwerbsfähig und erhielten ALG II. Frauen und Männer waren mit jeweils 50 % in gleichem Maße auf entsprechende Leistungen angewiesen.

Sozialhilfe nach dem SGB XII

Im Rahmen der Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XII) erhielten am Jahresende 2016 rund 1,2 Millionen Menschen "Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen" oder "Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung".

Die Sozialhilfe bildet das unterste soziale Auffangnetz für bedürftige Menschen. Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten Personen, die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus ihrem eigenen Einkommen und Vermögen bestreiten können, sowie deren im Haushalt lebende Kinder unter 15 Jahren.

Die Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel des SGB XII "Sozialhilfe" soll den Grundbedarf vor allem an Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Heizung decken (sogenanntes soziokulturelles Existenzminimum).

Ende 2016 erhielten in Deutschland insgesamt rund 374.000 Personen Hilfe zum Lebensunterhalt, darunter 133.000 Personen außerhalb von Einrichtungen wie Wohn- oder Pflegeheimen. Zu den Bezieherinnen und Beziehern sozialer Mindestsicherungsleistungen werden ausschließlich Empfängerinnen und Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen gezählt. Damit werden Überschneidungen und Doppelzählungen mit den bereits darin enthaltenen Empfängerinnen und Empfängern von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung in Einrichtungen (nahezu deckungsgleicher Personenkreis) vermieden.

Rund 19.000 der 133.000 Hilfeempfänger außerhalb von Einrichtungen waren Ausländerinnen und Ausländer. Von allen rund 19.000 ausländischen Hilfebeziehern kamen 25 % aus einem EU-Staat, 3,4 % waren Asylberechtigte und knapp 1,7 % waren Bürgerkriegsflüchtlinge.

Am Jahresende 2016 waren rund 16 % der Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen Kinder unter 18 Jahren. Die 133.000 Empfängerinnen und Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen lebten in 123.000 Personengemeinschaften, für die eine gemeinsame Bedarfsberechnung erfolgt. Im Durchschnitt bestand eine Personengemeinschaft aus 1,1 Empfängern. Drei Viertel (75 %) dieser Gemeinschaften waren Einpersonenhaushalte, 16 % Zweipersonenhaushalte und 9,3 % waren Haushalte mit drei oder mehr Personen.

Die Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen wird im Wesentlichen in Form von Regelsätzen, Mehrbedarfszuschlägen und durch die Übernahme der Unterkunftskosten einschließlich der Heizkosten gewährt. Darüber hinaus können auch Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Alterssicherung übernommen und Bedarfe für Bildung und Teilhabe gewährt werden. Die Summe aus den vorgenannten Bedarfspositionen für alle Angehörigen der Personengemeinschaft ergibt deren Bruttobedarf. Zieht man hiervon das angerechnete Einkommen ab, erhält man den Nettobedarf. Durchschnittlich hatte eine Personengemeinschaft mit Bezug von Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen Ende 2016 einen monatlichen Bruttobedarf von 795 Euro, wovon – sofern derartige Aufwendungen anfielen – 353 Euro auf die Kosten für Unterkunft und Heizung entfielen. Im Durchschnitt wurden 491 Euro je Personengemeinschaft gewährt – das waren 62 % des Bruttobedarfs. Sofern Einkommen vorhanden war, wurden durchschnittlich 421 Euro je Personengemeinschaft angerechnet.

Fast drei Viertel (73 %) der Personengemeinschaften mit Bezug von Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen verfügten über ein oder mehrere Einkommen. Am häufigsten erhielten diese Personengemeinschaften Renten wegen Erwerbsminderung (52 %), Altersrente (22 %) oder öffentlich-rechtliche Leistungen für Kinder (20 %).

Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Vierten Kapitel des SGB XII "Sozialhilfe" erhalten dauerhaft voll erwerbsgeminderte Personen ab 18 Jahren sowie Personen, die die Altersgrenze nach § 41 Absatz 2 SGB XII erreicht haben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln aufbringen können (zur Altersgrenze siehe Info 3).

Rund 1.026.000 Personen bezogen am Jahresende 2016 in Deutschland Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. In der Bevölkerung ab 18 Jahren waren 1,5 % auf die Grundsicherung nach dem SGB XII angewiesen. Von den 1.026.000 Grundsicherungsempfängerinnen und -empfängern hatten rund 500.000 Personen die Altersgrenze noch nicht erreicht (49 %). Sie erhielten Grundsicherungsleistungen aufgrund einer dauerhaft vollen Erwerbsminderung. Diese Menschen werden dem allgemeinen Arbeitsmarkt voraussichtlich auch künftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Rund 526.000 Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger (51 %) hatten die im Berichtszeitraum Dezember 2016 gültige Altersgrenze von 65 Jahren und 5 Monaten erreicht. Sie erhielten Grundsicherung im Alter. Damit konnten Ende 2016 deutschlandweit 3,1 % der Einwohner, die die Altersgrenze erreicht oder überschritten hatten, ihren Lebensunterhalt lediglich mithilfe von Grundsicherungsleistungen abdecken.
Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter über der ­Altersgrenze Dezember 2016 — Anteil an der jeweiligen Bevölkerung in ProzentEmpfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter über der ­Altersgrenze Dezember 2016 — Anteil an der jeweiligen Bevölkerung in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Bei den Empfängern von Grundsicherung im Alter gibt es sowohl regionale (West-Ost) als auch geschlechtsspezifische Unterschiede: Ende 2016 bezogen in Deutschland rechnerisch 3,2 % der Frauen und 2,9 % der Männer Grundsicherung im Alter. Während im früheren Bundesgebiet 3,5 % der Frauen, die die Altersgrenze erreicht hatten, Grundsicherung erhielten, waren es in den neuen Ländern und Berlin 2,0 % der Frauen in diesem Alter. Bei den gleichaltrigen Männern lag die Inanspruchnahme bei 3,1 % im Westen Deutschlands und bei 2,2 % im Osten Deutschlands.

Eine Ursache für die geringeren Grundsicherungsquoten der älteren Menschen in den ostdeutschen Bundesländern kann die höhere Erwerbsbeteiligung – vor allem auch die der Frauen – in der ehemaligen DDR sein. Daraus resultieren heute höhere Rentenansprüche, die meist zur Sicherung des Lebensunterhalts im Alter ausreichen. Eine weitere mögliche Ursache für die geringere Inanspruchnahme in Ostdeutschland ist ein geringeres Mietenniveau als in Westdeutschland.

Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer an der Gesamtzahl der Empfänger von Grundsicherungsleistungen lag Ende 2016 bei 17 %. Drei Viertel (75 %) der insgesamt 179.000 leistungsberechtigten ausländischen Personen hatten eine Staatsangehörigkeit eines EU-Staates. Rund 3,5 % aller leistungsberechtigten Ausländerinnen und Ausländer waren Asylberechtigte und 2,2 % waren Bürgerkriegsflüchtlinge.

Die monatlichen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung werden nach Regelsätzen erbracht – wie die Leistungen nach dem SGB II und die der Hilfe zum Lebensunterhalt. Neben dem Regelsatz werden die angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung als Bedarf anerkannt sowie unter anderem auch eventuell anfallende Beiträge für Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Mehrbedarfszuschläge. Die Gesamtsumme dieser Bedarfspositionen ergibt den Bruttobedarf, also den Betrag, den die antragstellende Person für ihren Lebensunterhalt monatlich benötigt. Zieht man hiervon das anrechenbare Einkommen der Person ab, erhält man den Nettobedarf.

Im Durchschnitt errechnete sich für einen Empfänger / eine Empfängerin von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung Ende 2016 ein monatlicher Bruttobedarf von 786 Euro. Durchschnittlich 379 Euro wurden je Monat für den Regelsatz aufgewendet. Fielen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung an, gingen diese mit durchschnittlich 348 Euro in die Bedarfsberechnung ein. Hatten die Beziehenden ein anrechenbares Einkommen, so lag dies bei durchschnittlich 385 Euro. Der Nettobedarf je Leistungsberechtigten betrug durchschnittlich 487 Euro. Leistungsberechtigte, die die Altersgrenze bereits erreicht hatten, verfügten mit 431 Euro über ein deutlich höheres anzurechnendes Einkommen als Leistungsberechtigte bis zur Altersgrenze (324 Euro). Letztere hatten mit durchschnittlich 546 Euro einen deutlich höheren Nettobedarf als Leistungsberechtigte über der Altersgrenze (431 Euro).
Durchschnittliche Bedarfe der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung im Dezember 2016 — in EuroDurchschnittliche Bedarfe der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung im Dezember 2016 — in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Asylbewerberleistungen

In Deutschland lebende Asylbewerberinnen und -bewerber erhalten seit 1993 anstelle von Sozialhilfe bei Bedarf Asylbewerberleistungen, um ihren Lebensunterhalt und ihre spezielle Bedarfssituation – beispielsweise bei Krankheit – zu sichern. Leistungsberechtigt sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich im Bundesgebiet aufhalten und die im Asylbewerberleistungsgesetz aufgeführten Voraussetzungen erfüllen.

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Info 4

Berechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

Leistungsberechtigt sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich tatsächlich im Bundesgebiet aufhalten und eine der in § 1 des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) aufgeführten Voraussetzungen erfüllen. Dies sind
  • Besitz einer Aufenthaltsgestattung,
  • Besitz einer Aufenthaltserlaubnis zum subsidiären Schutz,
  • Besitz einer Duldung,
  • eine Abschiebungsandrohung, die noch nicht oder nicht mehr vollziehbar ist,
  • Personen, deren Einreise über einen Flughafen nicht oder noch nicht gestattet ist,
  • Ehegatten, Lebenspartner oder minderjährige Kinder der genannten Personen, die nicht selbst die dort genannten Voraussetzungen erfüllen, sowie
  • Personen, die einen Folge- oder Zweitantrag stellen.

Ausländerinnen und Ausländer, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft erhalten oder als Asylberechtigte anerkannt sind, sind hingegen nicht leistungsberechtigt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und können im Bedarfsfall Sozialhilfe erhalten. Sie werden in der Statistik über Asylbewerberleistungen nicht berücksichtigt. Am Jahresende 2016 erhielten gut 728.000 Personen Asylbewerberleistungen (Regelleistungen). Die von der amtlichen Statistik nachgewiesenen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz umfassen die sogenannten Regelleistungen und die besonderen Leistungen. Die Regelleistungen dienen zur Deckung des täglichen Bedarfs und werden entweder in Form von Grundleistungen oder als Hilfe zum Lebensunterhalt gewährt. Die Grundleistungen sollen den notwendigen Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheitspflege und Gebrauchs- und Verbrauchsgütern des Haushalts (notwendiger Bedarf) decken. Unter besonderen Umständen können – anstelle der Sachleistungen – auch Wertgutscheine oder andere vergleichbare, nicht bare Abrechnungen sowie Geldleistungen erbracht werden. Zusätzlich erhalten die Empfängerinnen und Empfänger Leistungen zur Deckung persönlicher Bedürfnisse des täglichen Lebens (notwendiger persönlicher Bedarf). Die so gewährte individuelle Hilfeleistung ist insgesamt geringer als die korrespondierenden Leistungen der Hilfe zum Lebensunterhalt. In speziellen Bedarfssituationen werden besondere Leistungen gewährt: Dazu gehören etwa Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt, Leistungen in Form von Bereitstellung von Arbeitsgelegenheiten, insbesondere zur Aufrechterhaltung und Betreibung der Aufnahmeeinrichtung beziehungsweise vergleichbaren Einrichtung, sowie sonstige Leistungen im Sinne des Asylbewerberleistungsgesetzes. Ende des Jahres 2016 wohnten die 728.000 Empfängerinnen und Empfänger von Regelleistungen in insgesamt 443.000 Haushalten. Die Zahl der Leistungsbezieher ging gegenüber dem Vorjahr um 25 % zurück.
Empfängerinnen und Empfänger von Regelleistungen nach dem ­Asylbewerberleistungsgesetz am Jahresende 1994–2016 — in TausendEmpfängerinnen und Empfänger von Regelleistungen nach dem ­Asylbewerberleistungsgesetz am Jahresende 1994–2016 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Zwei Drittel (66 %) der Empfänger von Regelleistungen waren Männer. Über die Hälfte aller Bezieherinnen und Bezieher (54 %) war jünger als 25 Jahre. Dezentral untergebracht waren 44 % der Regelleistungsempfängerinnen und -empfänger, während die übrigen in Gemeinschaftsunterkünften oder Aufnahmeeinrichtungen lebten.

Die meisten Bezieherinnen und Bezieher von Regelleistungen stammten aus Asien (64 %), gefolgt von Personen aus Afrika und Europa (jeweils 17 %). Die knapp 463.000 asiatischen Bezieher von Regelleistungen kamen vornehmlich aus Afghanistan (30 %), Syrien (26 %), dem Irak (18 %), dem Iran (7 %), Pakistan (6 %) sowie Armenien (2 %). Die rund 124.000 europäischen Empfängerinnen und Empfänger von Regelleistungen waren mit 33 % überwiegend im Besitz eines serbischen, kosovarischen oder montenegrinischen Passes oder eines Passes von deren Vorgängerstaaten. Rund 22 % stammten aus der Russischen Föderation und 16 % aus Albanien.


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