Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Heiko Pfaff, Jan Paul Heisig

Gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist der wichtigste Baustein der Altersvorsorge und Hinterbliebenensicherung in Deutschland. Auch das Risiko einer langfristigen Erwerbsminderung aufgrund von psychischen oder physischen Erkrankungen wird durch sie abgesichert. Für einige Berufsgruppen werden die Aufgaben der gesetzlichen Rentenversicherung durch andere gesonderte Versicherungssysteme getragen, wobei diese in der Regel jedoch recht eng an die gesetzliche Rentenversicherung angelehnt sind. Zu nennen sind hier insbesondere die Alterssicherung für Landwirte, berufsständische Versorgungswerke (zum Beispiel für Apothekerinnen und Apotheker oder Architektinnen und Architekten) sowie die Beamtenversorgung. Ergänzt werden diese grundständigen Systeme durch eine Reihe von zusätzlichen Programmen wie die betriebliche Altersvorsorge, die Zusatzvorsorge im öffentlichen Dienst und weitere (tarif-)vertragliche und freiwillige Arbeitgeberleistungen. Mit der Einführung der "Riester-Rente" im Jahr 2002 und der "Rürup-Rente" im Jahr 2005 wurde zudem das System der individuellen privaten Vorsorge gestärkt.

Dem Sozialbudget der Bundesregierung zufolge lagen die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2016 bei rund 293,9 Milliarden Euro, was 32 % des gesamten Sozialbudgets in Höhe von 918 Milliarden Euro entspricht (siehe Kapitel 8.3.1, Tab 1). Etwa 90 % der Ausgaben wurden für Rentenzahlungen aufgewendet. Der zweitgrößte Ausgabenposten war mit 18,4 Milliarden Euro die Krankenversicherung der Rentnerinnen und Rentner (siehe auch Abschnitt 8.4.2). Insgesamt bezogen Mitte 2016 gut 25,4 Millionen Personen Renten von der gesetzlichen Rentenversicherung. In 71 % der Fälle handelte es sich dabei um Altersrenten, bei 22 % um Hinterbliebenenrenten und bei 7 % um Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit.
Gesetzliche Rentenversicherung 2016Gesetzliche Rentenversicherung 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die durchschnittliche monatliche Versichertenrente lag 2016 für Männer bei 1.063 Euro, für Frauen bei 673 Euro. Der Unterschied in der Rentenhöhe ergibt sich unter anderem dadurch, dass die heute anspruchsberechtigten Frauen im Verlauf ihres Arbeitslebens im Durchschnitt geringer entlohnte Tätigkeiten ausführten. Außerdem haben viele Frauen – vor allem aus familiären Gründen – ihre Erwerbstätigkeit zeitweise unterbrochen oder frühzeitig beendet. Die Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten kann diese Effekte nur teilweise kompensieren. Dies gilt auch nach der Einführung der sogenannten Mütterrente, durch die für jedes vor 1992 geborene Kind seit dem 1. Juli 2014 ein zusätzlicher sogenannter Entgeltpunkt gutgeschrieben wird. Die Entgeltpunkte sind die Berechnungsgrundlage für die individuelle Rentenhöhe. Zum 1. Juli 2016 betrug der Wert eines Entgeltpunkts in Westdeutschland 30,45 Euro und in Ostdeutschland 28,66 Euro (siehe Kapitel 8.5, Info 1).

Die gesetzliche Rentenversicherung finanziert sich seit der Rentenreform von 1957 nach dem sogenannten Umlageverfahren. Das bedeutet, dass die Beschäftigten im Rahmen eines "Generationenvertrages" die Renten der inzwischen verrenteten, früheren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tragen.

Die Beiträge von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern sind die wichtigste Finanzierungsquelle der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Jahr 2016 lag der Beitragssatz bei 18,7 % des Bruttolohns unterhalb der Bemessungsgrenze von monatlich 6.650 Euro, wobei der Beitrag je zur Hälfte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern getragen wird. Die Beitragseinnahmen machten 2016 rund 74 % der Gesamteinnahmen aus (215,7 von 291,9 Milliarden Euro). Die zweitwichtigste Einnahmequelle der gesetzlichen Rentenversicherung sind Bundeszuschüsse, deren Höhe im Jahr 2016 insgesamt 69,7 Milliarden Euro betrug. Betrachtet man die große Bedeutung der Beitragszahlungen, so werden die viel diskutierten Probleme des Umlageverfahrens deutlich: Solange das Verhältnis zwischen Beitragszahlerinnen und -zahlern auf der einen und Rentenempfängerinnen und -empfängern auf der anderen Seite konstant bleibt oder die Anzahl der Zahlenden gegenüber den Empfängerinnen und Empfängern sogar steigt, funktioniert das Verfahren. Aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft (siehe Kapitel 1.1, Tab 4) müssen in den letzten Jahren jedoch immer weniger Beitragszahlende für die Finanzierung von immer mehr Renten aufkommen – ein Trend, der sich voraussichtlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Um die Folgen dieser Entwicklung abzumildern, wird die sogenannte Regelaltersgrenze für den Bezug abschlagsfreier Altersrenten für die Geburtsjahrgänge ab 1947 seit 2012 schrittweise erhöht. Für die Geburtsjahrgänge ab 1964 wird die Regelaltersgrenze nach aktueller Gesetzeslage 67 Jahre betragen ("Rente mit 67"). Weitere Erhöhungen sind bisher nicht vorgesehen.


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