Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Mareike Alscher, Eckhard Priller, Luise Burkhardt

Gering organisationsgebundenes Engagement

Neben dem organisationsgebundenen Engagement, also jenem in den zivilgesellschaftlichen Organisationen, finden auch in anderen Zusammenschlüssen Aktivitäten des freiwilligen Engagements statt. Es handelt sich dabei um ein geringer organisationsgebundenes Engagement, das in Selbsthilfegruppen, der Nachbarschaftshilfe, Initiativen, Projekten, selbstorganisierten Gruppen und auch allein erfolgt. Die beiden Engagementformen unterscheiden sich vor allem in organisatorischer Hinsicht. Das Engagement in geringer formalisierten Zusammenschlüssen folgt häufig keinen so festen Regeln und hierarchischen Strukturen, wie sie zum Beispiel im Sport oder in Wohlfahrtsorganisationen zu finden sind. Die Engagierten bestimmen selbstständig über Ziele oder Aktivitäten, da bestimmte Gremien wie Vorstände fehlen. Einer geringeren Kontinuität und Planbarkeit des Engagements stehen dabei größere Spielräume für Kreativität und Improvisation gegenüber.

Das Engagement "allein", in Selbsthilfegruppen, in der Nachbarschaftshilfe, in Initiativen, in Projekten und in selbstorganisierten Gruppen hat in den letzten Jahren leicht zugenommen. Im Jahr 1999 waren 14 % der Bevölkerung in geringer organisationsgebundenen Zusammenschlüssen aktiv, 2014 waren es bereits 16 %. Dabei war das weniger formalisierte Engagement bei einigen gesellschaftlichen Gruppen stärker ausgeprägt als bei anderen.

Auffällig bei dem geringer organisationsgebundenen Engagement sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen engagierten sich 2014 auf diese Weise zu 18 %, Männer trotz Anstieg dagegen nur zu 14 %. Damit ist das Geschlechterverhältnis umgekehrt als bei der Engagementbeteiligung insgesamt. Der geschlechtsspezifische Unterschied in Bezug auf dieses Engagement erklärt sich anhand der Aktivitätsbereiche, in denen das geringer organisationsgebundene Engagement stattfindet. Hierbei handelt es sich in erster Linie um die Bereiche Schule und Kindergarten, Gesundheit sowie Soziales, die allgemein stärker durch ein weibliches Engagement geprägt sind.

Unterschiede bestehen auch zwischen den Altersgruppen: Das Engagement in geringer organisationsgebundenen Kontexten wird besonders von jungen Menschen gelebt. Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren engagierten sich im Jahr 2014 zu 18 % in der Nachbarschaftshilfe, in Initiativen, Projekten, selbstorganisierten Gruppen und "allein"; die 60-Jährigen und Älteren verzeichneten im Zeitverlauf aber ebenfalls deutliche Zuwächse in den genannten Formen: 2009 waren 12 % in loseren Zusammenschlüssen engagiert, im Jahr 2014 waren es 16 %. Die Ergebnisse im Zeitverlauf zeigen, dass sich die Diskrepanz zwischen Jung und Alt verringert hat. Die größeren Freiheitsgrade und Spielräume, die dieses Engagement bietet, sind mittlerweile sowohl für jüngere als auch ältere Menschen attraktiv.

Betrachtet man das gering organisationsgebundene Engagement nach Bildungsgruppen, fällt zwischen 1999 und 2014 eine Angleichung zwischen den Gruppen in dieser Beteiligungsform auf. Auf allen Bildungsniveaus waren 2014 rund
16 % unabhängig von etablierten Organisationsstrukturen engagiert. Offenbar bieten die Nachbarschaftshilfe, Initiativen, Projekte, selbstorganisierte Gruppen und das Engagement allein Engagementzugänge und Möglichkeiten, die weniger als zivilgesellschaftliche Organisationen nach dem Bildungshintergrund der Menschen unterscheiden. Verändert hat sich ebenfalls die Bedeutung des Erwerbsstatus beim gering organisationsgebundenen Engagement. 2014 wurde diese Engagementform mit 24 % überdurchschnittlich von Arbeitslosen ausgeübt. Für sie können die Flexibilität in den Aktivitäten, die Wohnnähe, die Einbindung in vertraute Sozialräume sowie keine oder nur geringe Kosten besonders zu ihrer gegenwärtigen Lage passend sein.

Ein Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland zeigt, dass bei dem Engagement in der Nachbarschaftshilfe, in Initiativen, Projekten, selbstorganisierten Gruppen und allein regionale Unterschiede bestehen, die jedoch abgenommen haben: In Ostdeutschland (18 %) war dieses Engagement zuletzt etwas stärker ausgeprägt als in Westdeutschland (16 %). Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind zum Teil auf das Engagement von arbeitslosen Personen, deren Anteil in Ostdeutschland noch immer bedeutend höher ist, zurückzuführen.


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