Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Mareike Alscher, Eckhard Priller, Luise Burkhardt

Spenden

Neben dem Spenden von Zeit engagieren sich Menschen durch das Spenden von Geld für gemeinwohlorientierte Zwecke. Spenden sind ein freiwilliger finanzieller Transfer, bei dem der Spender keine äquivalente materielle Gegenleistung erhält. Die Spenden gehen zumeist an zivilgesellschaftliche Organisationen, die sie in der Regel an Bedürftige weiterleiten oder damit ausgewählte Projekte finanzieren.

Nach den Angaben des Freiwilligensurveys spendet ein beachtlicher Anteil der Bevölkerung in Deutschland. Während 1999 und 2004 deutlich mehr als 60 % der über 14-Jährigen angaben, in den letzten zwölf Monaten für soziale oder gemeinnützige Zwecke gespendet zu haben, ging dieser Anteil 2009 auf 58 % und 2014 weiter auf 54 % zurück.
Tab 2 Spenden 1999 – 2014 — in ProzentSpenden 1999 – 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Andere Erhebungen gelangen zu geringeren Spenderanteilen. Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ermittelte einen Anteil von 47 % der Bundesbürgerinnen und -bürger, die 2014 spendeten.

Nicht alle Bevölkerungsgruppen beteiligen sich in gleichem Maße an Spendenaktivitäten. Die Spendenbeteiligungsquote der Westdeutschen ist im Durchschnitt noch immer um 9 Prozentpunkte höher als jene der Ostdeutschen. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Spendenverhalten zeigen – das belegen ebenfalls alle Untersuchungen –, dass Frauen in Deutschland zu einem leicht höheren Anteil spenden. Für die unterschiedliche Spendenbeteiligung beider Geschlechter wird oft die durchschnittlich längere Lebenserwartung von Frauen verantwortlich gemacht, da ältere Personen häufiger spenden als jüngere.

Mit zunehmendem Alter wächst die Spendenbeteiligung. Besonders gering fallen die Geldspendenanteile bei den Befragten im Alter von 14 bis 29 Jahren aus. In dieser Gruppe spendete nach Angaben des Freiwilligensurveys 2014 nur knapp jeder Dritte. Viele Menschen beginnen offensichtlich erst im mittleren Alter mit dem Spenden. In der Altersgruppe ab 60 Jahren steigt die Spendenbereitschaft drastisch an. Gleichwohl lässt sich über den betrachteten Zeitraum ein Rückgang der Spendenbeteiligung bei den Älteren feststellen. Bei den Gründen für den deutlichen Einfluss des Alters auf das Spendenverhalten geht der soziale Generationenansatz davon aus, dass Menschen gleichen Alters zu einem ähnlichen Verhalten tendieren, da sie ähnliche Erfahrungen in ihrer Kindheit (zum Beispiel Krieg, Solidarität) gemacht haben. Sozioökonomische Erklärungsansätze führen die größere Spendenbereitschaft älterer Personen hingegen eher auf deren höheres und gesichertes Einkommen, das angesammelte Vermögen sowie damit insgesamt auf deren bessere wirtschaftliche Situation zurück. Insofern kann der Rückgang der Spendenbeteiligung bei den Älteren durchaus mit Veränderungen ihrer wirtschaftlichen Situation zusammenhängen.

Wie schon das zeitgebundene zivilgesellschaftliche Engagement beeinflussen Bildungsmerkmale auch das Spendenverhalten gravierend. Zu einem besonders hohen Anteil spenden Personen mit einem hohen Bildungsniveau Geld, während die Spenderquote bei einem einfachen Bildungsniveau geringer ausfällt.

Der Erwerbsstatus beeinflusst ebenfalls die Spendenbereitschaft. Arbeitslose spenden erklärtermaßen aus ihrer wirtschaftlichen Situation heraus seltener als Erwerbstätige. Nichterwerbstätige, zu denen besonders Personen im Rentenalter gehören, haben die höchste Spenderquote. Dies ist offensichtlich Ausdruck ihrer allgemeinen Lebenssituation und der guten wirtschaftlichen Absicherung eines großen Teils dieser sozialen Gruppe.

Insgesamt geht also ein nachhaltiger Einfluss vom Einkommen auf das Spendenverhalten aus: Zur Erklärung des Zusammenhangs zwischen Einkommen und Spendenverhalten wird oft angeführt, dass höherer Wohlstand den Personen die Möglichkeit bietet, einen Teil ihres Vermögens anderen Menschen oder Projekten zukommen zu lassen, ohne selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten oder Verzicht leisten zu müssen. Menschen mit hohem Einkommen verkraften demnach eine finanzielle Förderung gemeinnütziger Zwecke leichter und dementsprechend nimmt die Spendenfreudigkeit mit steigender Prosperität zu.

Im Zeitvergleich zeigen sich nicht nur Unterschiede in der Spenderquote, sondern auch hinsichtlich der Spendenhöhe bei einzelnen Spendern. Während 1999 nach Angaben des Freiwilligensurveys 67 % der jährlichen Spendenbeträge bis zu 100 Euro betrugen, waren es 2014 mit 59 % deutlich weniger. Hingegen hatten Beträge von über 500 Euro 1999 einen Anteil von 8 %. Dieser Anteil stieg 2014 auf 10 %. Es zeigt sich generell in den Untersuchungen, dass weniger Personen spenden, diese dafür aber einen höheren Betrag geben.


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