Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Sylvia Behrends, Walter Engel, Kristina Kott, Jenny Neuhäuser

Konsumausgaben von Familien für Kinder

Auf der Grundlage der Ergebnisse der fünfjährlichen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) werden regelmäßig im Rahmen von Sonderauswertungen die Konsumausgaben von Familienhaushalten für ihre Kinder berechnet. Dazu werden die Konsumausgaben der Haushalte anhand komplexer Aufteilungsschlüssel in die Ausgaben für Erwachsene und Kinder aufgeteilt. Die folgenden Daten stammen aus der EVS 2013. Die absoluten Aufwendungen dürften mittlerweile leicht gestiegen sein; die Struktur der Ausgaben lässt dennoch auch für die gegenwärtigen Verhältnisse eine realistische Einschätzung der finanziellen Belastung von Familien mit Kindern durch deren Konsumausgaben zu.

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Konsumausgaben für Kinder

Die errechneten Ergebnisse für die Konsumausgaben für Kinder können keinesfalls gleichgesetzt werden mit den Lebenshaltungskosten für Kinder insgesamt. Dafür fehlen alle über den privaten Konsum hinaus anfallenden Aufwendungen für Kinder, beispielsweise für Versicherungsschutz und Vorsorge. Auch die öffentlichen Aufwendungen für Kinder, wie die Ausgaben für Schulbildung oder für den Bau von Kindergärten, sind nicht berücksichtigt. Ebenso werden Zeitaufwendungen für Kinder und sogenannte Opportunitätskosten, die beispielsweise durch den Verzicht eines Elternteils auf Erwerbstätigkeit wegen der Kindererziehung entstehen, aufwandsmäßig nicht betrachtet. Hier geht es allein um die Ausgaben, die in den Familien für den privaten Konsum der Kinder anfallen.

Höhe der Konsumausgaben für Kinder

Für den privaten Konsum des Haushalts insgesamt gaben Paare mit einem Kind im Jahr 2013 durchschnittlich 3.065 Euro im Monat aus. Davon verwendeten sie 660 Euro (22 %) für die Konsumausgaben des Kindes. Alleinerziehende mit einem Kind gaben mit 612 Euro monatlich etwas weniger für ihr Kind aus. Der Anteil an deren gesamten Konsumausgaben in Höhe von durchschnittlich 1.746 Euro im Monat war mit 35 % allerdings um einiges höher. Im Vergleich zu 2008 waren die anteiligen Konsumausgaben für den Nachwuchs bei den Paaren mit einem Kind nahezu unverändert, während sie bei den Alleinerziehenden mit einem Kind leicht gestiegen sind.
Monatliche Konsumausgaben für KinderMonatliche Konsumausgaben für Kinder Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Paarhaushalte mit zwei Kindern zahlten 1.165 Euro (33 %) im Monat für den Konsum der Kinder. Im Vergleich dazu gaben Alleinerziehende mit zwei Kindern 1.013 Euro (45 %) für ihren Nachwuchs aus. Paare mit drei Kindern wendeten im Durchschnitt 1.693 Euro monatlich (42 %) für ihre Kinder auf.

Die Pro-Kopf-Ausgaben für die Kinder waren in den Paarhaushalten mit einem Kind am höchsten. Beim Einzelkind sind in der Regel höhere Ausgaben für Erstanschaffungen nötig – beispielsweise für den Erwerb einer Babyerstausstattung, eines Kinderwagens, Bekleidung und Ähnlichem –, die Mehrkinderhaushalte häufig für das zweite und dritte Kind erneut nutzen. Die Aufwendungen für das einzelne Kind sind umso niedriger, je mehr Kinder in einem Haushalt leben. Paare mit zwei Kindern können sich höhere Ausgaben für ihren Nachwuchs leisten als Alleinerziehende mit zwei Kindern. Die geringsten Aufwendungen je Kind finden sich mit durchschnittlich 507 Euro monatlich in Haushalten von Alleinerziehenden mit zwei Kindern.
Durchschnittliche monatliche Konsumausgaben je Kind nach Haushaltstyp — in EuroDurchschnittliche monatliche Konsumausgaben je Kind nach Haushaltstyp — in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Struktur der Konsumausgaben für Kinder

Bei allen Familien – ob Alleinerziehende oder Paare mit Kind(ern) – belegte der Bereich Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung den größten Anteil an den Konsumausgaben für Kinder. Bei Alleinerziehenden stand der gesamte Ausgabenblock für Ernährung, Bekleidung und Wohnen im Vordergrund: Bis zu 61 % der Konsumausgaben für Kinder wurden dafür getätigt. Paare mit Kind(ern) setzten nur bis zu 51 % ihrer Konsumausgaben für den Nachwuchs für diesen Ausgabenblock ein. Sie hatten dementsprechend mehr Geld für Ausgaben zur Verfügung, die über die materielle Versorgung für Ernährung, Bekleidung und Wohnen hinausgingen, wie Restaurantbesuche oder kulturelle Aktivitäten in der Freizeit.
Struktur der Konsumausgaben für Kinder nach Haushaltstyp 2013 — in ProzentStruktur der Konsumausgaben für Kinder nach Haushaltstyp 2013 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Konsumausgaben für Kinder nach Alter

Im Jahr 2013 gaben Paarhaushalte mit einem Kind unter 6 Jahren 587 Euro im Monat für den Nachwuchs aus. Für 6- bis 11-Jährige lagen die Konsumausgaben bei 686 Euro und bei den Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren bei 784 Euro. Bei Jugendlichen waren Nahrungsmittel, Bekleidung und die Verpflegung außer Haus – wie das Schulessen – wichtige Ausgabeposten. Bei den kleinen Kindern hatten die Ausgaben für die Kinderbetreuung den größten Anteil am Konsumbudget.
Monatliche Konsumausgaben nach dem Alter des KindesMonatliche Konsumausgaben nach dem Alter des Kindes Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Alleinerziehende in Deutschland gaben für ihren Nachwuchs in allen Altersgruppen insgesamt weniger aus als Paare. Dies betrifft fast alle Bedarfsbereiche außer den Bereichen Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung sowie Post und Telekommunikation. Typisch für Alleinerziehende ist, dass fast das komplette Haushaltsnettoeinkommen für den privaten Konsum verwendet wird.

Einkommensschwache Haushalte mit Kind(ern)

Einkommensschwache Haushalte geben für den Konsum ihrer Kinder sehr viel weniger aus als der Gesamtdurchschnitt. Im Jahr 2013 erreichten Paare mit einem Kind des untersten Einkommensdezils nur 55 % der durchschnittlichen monatlichen Konsumausgaben für Kinder dieses Haushaltstyps. Alleinerziehende mit einem Kind im untersten Einkommensdezil gaben 69 % und mit zwei Kindern 57 % des Gesamtdurchschnitts für den Nachwuchs aus.

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Einkommensdezile

Einkommensverteilungen lassen sich unter anderem durch Verteilungsdezile beschreiben. Als Grundlage der Dezilbetrachtungen werden die privaten Haushalte aufsteigend nach der Höhe ihrer Haushaltsnettoeinkommen sortiert und in zehn gleich große Gruppen unterteilt. Im ersten Dezil sind dann die 10 % der privaten Haushalte mit den niedrigsten Haushaltsnettoeinkommen enthalten. Das zehnte Dezil enthält die 10 % der privaten Haushalte mit den höchsten Haushaltsnettoeinkommen.


Paare mit einem Kind der untersten Einkommensgruppe mussten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 1.550 Euro auskommen, Paare mit zwei Kindern konnten über 2.067 Euro monatlich verfügen. Ein gutes Fünftel (22 %) ihrer Konsumausgaben (1.685 Euro) verwendeten Paare mit einem Kind der untersten Einkommensgruppe für ihr Kind (364 Euro im Monat). Für Bücher oder Schreibwaren wurden nur 7 Euro im Monat für den Nachwuchs ausgegeben.
Konsumausgaben der ersten und zehnten Dezilgruppe des Haushaltsnettoeinkommens 2013 — Durchschnitt je Haushalt und Monat in EuroKonsumausgaben der ersten und zehnten Dezilgruppe des Haushaltsnettoeinkommens 2013 — Durchschnitt je Haushalt und Monat in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Paare mit zwei Kindern der untersten Einkommensgruppe verwendeten knapp ein Drittel (32 %) ihrer Konsumausgaben (2.118 Euro) für die Kinder (679 Euro im Monat). Bei Paaren mit drei Kindern stieg der Anteil der Kinderausgaben am Konsum auf 43 %. In der untersten Einkommensgruppe gilt generell sowohl für Paare mit Kind(ern) also auch für Alleinerziehende: Das Haushaltseinkommen reicht nicht aus, um die Konsumausgaben der Familie zu decken. Wo das Anzapfen von Ersparnissen nicht möglich ist, bleibt nur die Kreditaufnahme, um alle Ausgaben tätigen zu können. Wie viele Personen überschuldet sind, zeigt der Abschnitt 6.1.8.

Einkommensstarke Haushalte mit Kind(ern)

Familienhaushalte des obersten Einkommensdezils hatten im Schnitt ein Nettoeinkommen, das mehr als viermal so hoch war wie das der Haushalte des untersten Einkommensdezils. Wohlhabende Paare mit einem Kind gaben für ihren Sprössling ebenfalls ein gutes Fünftel (22 %) ihrer Konsumausgaben aus. Allerdings lag dieser Betrag mit 1.101 Euro monatlich auf einem deutlich höheren Niveau als bei Paaren mit einem Kind im untersten Einkommensdezil. Paarhaushalte mit hohem Einkommen hatten wesentlich größere finanzielle Spielräume beispielsweise für Reisen und Restaurantbesuche. Entsprechend kauften Paare mit einem Kind dem Nachwuchs auch für 27 Euro im Monat Bücher und Schreibwaren.

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Einkommensmillionäre

Im Jahr 2014 hatten 19.000 der in Deutschland erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen Einkünfte von mindestens einer Million Euro, knapp 1.600 Steuerpflichtige mehr als noch 2013. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe betrug 2,7 Millionen Euro. Dies sind Ergebnisse der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2014, die aufgrund der langen Fristen zur Steuerveranlagung erst etwa dreieinhalb Jahre nach Ende des Veranlagungsjahres verfügbar ist.

In Deutschland wird ein progressiver Steuersatz angewendet, das heißt, der Steuersatz steigt mit zunehmendem Einkommen an. Dadurch werden die Steuerpflichtigen unterschiedlich stark belastet. Im Jahr 2014 wurden Einkommen ab 250.731 Euro (beziehungsweise 501.462 Euro bei gemeinsam veranlagten Personen) mit 45 % besteuert. Auf die 87.000 Steuerpflichtigen, bei denen dieser sogenannte Reichensteuersatz zum Tragen kam, entfielen mit 87 Milliarden Euro 5,9 % der gesamten Einkünfte und und mit 31 Milliarden Euro 11,8 % der Steuersumme.

Aus den freiwilligen Erhebungen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe sowie Laufende Wirtschaftsrechnungen liegen keine näheren Angaben über Haushalte mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 18.000 Euro und mehr vor und somit auch nicht über Millionärshaushalte.


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