Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Diana Schacht, Maria Metzing

Erwerbsstatus und -einkommen sowie berufliche Stellung

Dem Arbeitsmarkt kommt eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche Integration aller Bevölkerungsgruppen zu. Ein Vergleich des Erwerbsstatus nach Migrationshintergrund zeigt auf, dass sich diesbezüglich starke Unterschiede zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund ergeben. In Abbildung 1 ist zunächst der Erwerbsstatus für die Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter abgebildet. Etwas mehr als die Hälfte der Personen ohne Migrationshintergrund war 2016 Vollzeit erwerbstätig, während dies auf nur 46 % der Personen mit Migrationshintergrund zutraf. Bei den Männern waren 68 % ohne Migrationshintergrund und 63 % mit Migrationshintergrund in Vollzeit beschäftigt, bei den Frauen war der Unterschied ähnlich (37 % ohne und 31 % mit Migrationshintergrund). Frauen mit Migrationshintergrund wiesen einen höheren Anteil an Nichterwerbstätigen auf, insbesondere unter den Frauen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens (25 %) und aus der Türkei (14 %).
Erwerbsstatus nach Migrationshintergrund und Geschlecht 2016 — in ProzentErwerbsstatus nach Migrationshintergrund und Geschlecht 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Insgesamt waren Personen mit Migrationshintergrund häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen ohne Migrationshintergrund (10 % gegenüber 7 %). Dies traf 2016 insbesondere auf Migrantinnen und Migranten aus der Türkei zu, von denen 15 % arbeitslos waren. Besonders interessant ist auch der Vergleich zwischen den 17- bis 45-Jährigen mit und ohne Migrationshintergrund. Migrantennachkommen besuchten häufiger eine Schule oder studierten als die gleichaltrige Population ohne Migrationshintergrund (15 % gegenüber 9 %), gleichzeitig waren sie seltener Vollzeit erwerbstätig (41 % gegenüber 49 %). Weibliche Migrantennachkommen waren auch seltener in Teilzeit beschäftigt als gleichaltrige Personen ohne Migrationshintergrund (25 % gegenüber 29 %).

Neben dem Erwerbsstatus ist auch die Höhe des erzielten Erwerbseinkommens ein zentraler Indikator für die Qualität eines Arbeitsplatzes. Das monatliche Nettoerwerbseinkommen von Personen mit Migrationshintergrund lag im Jahr 2016 rund 180 Euro unterhalb des Durchschnitts der Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund. Neben Personen ohne Migrationshintergrund (1.680 Euro im Monat) wiesen Personen aus Südeuropa mit durchschnittlich etwa 1.700 Euro die höchsten Einkommen auf, während Personen aus der Türkei die geringsten monatlichen Nettoerwerbseinkommen erzielten (etwa 1.200 Euro). Wenn man diese monatlichen Nettoerwerbseinkommen in entsprechende Stundenlöhne umrechnet, ergibt sich eine Differenz von ungefähr 2 Euro pro Stunde zwischen Personen ohne Migrationshintergrund und Migrantinnen und Migranten aus der Türkei. Frauen aus der Türkei und aus Ländern des ehemaligen Jugoslawiens erzielten besonders niedrige Stundenlöhne. Derartig starke Unterschiede lassen sich jedoch nicht mehr beim Vergleich zwischen Migrantennachkommen und Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund feststellen (1.450 Euro pro Monat und 10 Euro pro Stunde gegenüber 1.500 Euro und 11 Euro).
Monatliches Nettoerwerbseinkommen nach Migrationshintergrund und Geschlecht 2016 — in Euro (Median)Monatliches Nettoerwerbseinkommen nach Migrationshintergrund und Geschlecht 2016 — in Euro (Median) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Ein Grund für das vergleichsweise niedrige Nettoerwerbseinkommen von Migrantinnen und Migranten und deren Nachkommen liegt in ihrer durchschnittlich geringer qualifizierten beruflichen Stellung. So waren sie häufiger als un- oder angelernte Arbeiterinnen und Arbeiter tätig als Personen ohne Migrationshintergrund (21 % gegenüber 11 %), wobei dies insbesondere auf Personen aus der Türkei (34 %) und auf Personen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens (29 %) zutraf. Gleichzeitig waren Personen mit Migrationshintergrund seltener in mittleren und höheren Angestelltenberufen beschäftigt als Personen ohne Migrationshintergrund (36 % gegenüber 45 %). Unter den Menschen mit Migrationshintergrund besetzten vor allem Migrantinnen und Migranten aus Südeuropa, Osteuropa und (Spät-)Aussiedler höhere und mittlere Angestelltenpositionen. Darüber hinaus waren Personen mit Migrationshintergrund nur selten in den Beamtenberufen vorzufinden, da diese die deutsche Staatsbürgerschaft voraussetzen.

Für Personen mit und ohne Migrationshintergrund zeigen sich ähnliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Verteilung der beruflichen Stellungen. So waren Männer mit und ohne Migrationshintergrund häufiger Facharbeiter und Meister (20 % beziehungsweise 19 % gegenüber 4 % beziehungsweise 3 % der Frauen), während Frauen mit und ohne Migrationshintergrund häufiger eine Stellung als einfache Angestellte besetzten (21 % beziehungsweise 30 % gegenüber 9 % beziehungsweise 15 % der Männer). Die Verteilung der beruflichen Stellungen fiel bei den Migrantennachkommen etwas besser aus als bei den Personen mit Migrationshintergrund insgesamt. So waren 17- bis 45-jährige Migrantennachkommen seltener als Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt und besetzten dafür häufiger höhere berufliche Stellungen. Insofern ist eine leichte Aufstiegstendenz zu beobachten, die im Besonderen auf Frauen zutrifft, von denen nur noch 12 % als Arbeiterinnen beschäftigt waren.
Berufliche Stellung nach Migrationshintergrund und Geschlecht 2016 — in ProzentBerufliche Stellung nach Migrationshintergrund und Geschlecht 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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