Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Thomas Baumann

Verurteilte

Bei einem großen Teil der polizeilich ermittelten strafmündigen Tatverdächtigen kommt es im weiteren Gang des Strafverfahrens nicht zu einer rechtskräftigen Verurteilung. Die Diskrepanz zwischen der Anzahl polizeilich ermittelter Tatverdächtiger und der Anzahl rechtskräftig Verurteilter im selben Kalenderjahr hat verschiedene Gründe. So beging nur etwa ein Drittel der rechtskräftig Verurteilten die Tat auch im Verurteilungsjahr, die anderen verübten die Tat früher. Bei einem Teil der Tatverdächtigen bestätigte sich im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlung der ursprüngliche Tatverdacht nicht, sodass das Strafverfahren eingestellt wurde. Darüber hinaus wird teilweise aus Opportunitätserwägungen, insbesondere bei Vergehen mit geringem Strafrahmen und einer geringen Schuld, das Verfahren nicht weitergeführt.

Im Jahr 2016 trafen deutsche Gerichte insgesamt rund 900.600 rechtskräftige Entscheidungen in Strafsachen. Dabei wurden rund 737.900 Personen rechtskräftig verurteilt und bei 162.700 Personen wurden andere Entscheidungen getroffen (unter anderem Freispruch, Verfahrenseinstellung). Ähnlich wie bei den polizeilich registrierten Tatverdächtigen ist statistisch gesehen auch die gerichtlich registrierte Kriminalität ein vorwiegend männliches Phänomen: Vier von fünf der im Jahr 2016 Verurteilten waren Männer. Während 11 % der in Deutschland lebenden Personen keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, waren es bei den gerichtlich rechtskräftig Verurteilten 31 %. Der Anteil der Verurteilten ohne deutsche Staatsangehörigkeit an allen Verurteilten ist in den zurückliegenden Jahren angestiegen. In den Jahren 2015 und 2016 verzeichnete die Bundesrepublik Deutschland auch einen starken Zuwachs des ausländischen Bevölkerungsanteils. Ein direkter Vergleich der Ausländeranteile zwischen Verurteilten und der Gesamtbevölkerung ist allerdings nur eingeschränkt möglich: Zur Bevölkerung werden nur die einwohnerrechtlich registrierten Personen gezählt. Dagegen werden Ausländer bei einer Verurteilung auch dann in der Strafverfolgungsstatistik erfasst, wenn sie sich illegal in Deutschland aufhalten oder die Straftat als Touristen – etwa ein Verkehrsdelikt – begangen haben. Der Aufenthaltsstatus wird in der Strafverfolgungsstatistik nicht erfasst.
Rechtskräftig VerurteilteRechtskräftig Verurteilte Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Hinsichtlich der Alterszusammensetzung wurden 2016 insgesamt 29.600 Jugendliche, 52.900 Heranwachsende und 655.400 Erwachsene rechtskräftig verurteilt. Der Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden an allen Verurteilten lag 2016 bei 11 %. Auch in der gerichtlichen Strafverfolgungsstatistik findet sich somit eine Überrepräsentation von Jugendlichen und Heranwachsenden in Relation zu ihrem Anteil an der Bevölkerung.

Jugendtypische Straftaten sind Diebstahlsdelikte beziehungsweise Körperverletzungsdelikte. Im Jahr 2016 wurde die Hälfte der Jugendlichen wegen dieser Deliktgruppen verurteilt. Die mit hohem finanziellen Schaden verbundene schwere Vermögenskriminalität sowie die schweren Formen der Gewaltkriminalität oder auch Straftaten im Straßenverkehr werden eher von Erwachsenen begangen. Wenn Delikte mit geringerem Strafrahmen häufiger eingestellt werden, verschiebt sich das Deliktspektrum der gerichtlich registrierten Kriminalität zu den schwereren Straftaten. Dies wird durch die Methodik der Strafverfolgungsstatistik verstärkt, da auch bei mehreren Straftaten jeweils nur das schwerste Delikt ausgewertet wird.
Verurteilte 2016 — in ProzentVerurteilte 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



Lexika-Suche

Zahlen und Fakten

Die soziale Situation in Deutschland

Wie sind die sozialen Aufgaben in Deutschland verteilt? Und für welche Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft müssen Lösungen gefunden werden? Das Online-Angebot hilft dabei, die soziale Situation in Deutschland besser einschätzen und beurteilen zu können.

Mehr lesen

Zahlen und Fakten

Globalisierung

Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart.

Mehr lesen