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Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Stefan Weick

Einstellungen zu Heirat und Elternschaft

Sinkende Heiratsneigung, zunehmende Kinderlosigkeit und geringe Ehestabilität werden häufig als Ergebnis einer abnehmenden subjektiven Bedeutung der Familie in der Bevölkerung gewertet. Andererseits wird argumentiert, dass hohe Erwartungen an Partnerschaft und Elternschaft ein Hemmnis für die Familiengründung darstellen könnten. Es stellt sich daher die Frage, welche Bedeutung die Bevölkerung der Familie zuschreibt. Zwischenmenschliche Beziehungen im privaten Bereich haben in Ost und West einen besonders hohen Stellenwert. Eine eigene Familie steht in der Wichtigkeitsrangfolge sowohl bei der westdeutschen als auch bei der ostdeutschen Bevölkerung zusammen mit der Gesundheit an erster Stelle. Andere Bereiche wie Arbeit, Freunde oder Nachbarschaft werden zwar auch überwiegend als "wichtig" erachtet, aber viel seltener als "sehr wichtig". Die überwiegende Mehrheit der Befragten, das heißt jeweils mehr als 60 % der Erwachsenen in Ost- und Westdeutschland, erachtete eine eigene Familie als "sehr wichtig". In der jüngsten Altersgruppe bis 30 Jahre wurde der Familie eine etwas geringere Bedeutung zugemessen. Die Beobachtung über die Zeit weist allerdings auf eine gestiegene Bedeutung der eigenen Familie in der jüngsten Altersgruppe in den alten und neuen Bundesländern seit Ende der 1990er-Jahre hin.
Tab 1 Bedeutung der eigenen Familie 
in West- und Ostdeutschland 2017 
nach Altersgruppen — in ProzentBedeutung der eigenen Familie in West- und Ostdeutschland 2017 nach Altersgruppen — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Abb 1 Bedeutung der eigenen Familie für junge Erwachsene 
in Ost- und Westdeutschland 1980 – 2017 — in ProzentBedeutung der eigenen Familie für junge Erwachsene in Ost- und Westdeutschland 1980 – 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Wird die Ehe in der Bevölkerung als wichtig für das subjektive Wohlbefinden erachtet? Das Ausmaß der Zustimmung zu mehreren Statements zu Partnerschaft und Elternschaft kann hierzu eine Einschätzung geben. Der Aussage, dass Verheiratete im Allgemeinen glücklicher seien als Unverheiratete, stimmte weniger als ein Drittel der Erwachsenen zu. Dabei stimmte nur eine kleine Minderheit (West 4 %; Ost 5 %) dieser Frage voll und ganz zu. Die deutsche Bevölkerung kann sich ein glückliches Leben weitgehend auch ohne Heirat vorstellen.
Tab 2 Einstellungen zu Ehe und Elternschaft in West- und Ostdeutschland 2017 
— in ProzentEinstellungen zu Ehe und Elternschaft in West- und Ostdeutschland 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Aussage "Wer Kinder haben möchte, sollte verheiratet sein" fand in den alten Bundesländern bei gut einem Viertel und in den neuen Bundesländern nur bei einem Fünftel der Erwachsenen Zustimmung. Eine Ehe wird in der deutschen Bevölkerung demnach nicht überwiegend als Voraussetzung für Kinder beziehungsweise Kinderwunsch betrachtet. Weiterhin fand das Statement, dass es in Ordnung sei, wenn ein Paar zusammenlebt, ohne zu heiraten, bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung Zustimmung. Ein beachtlicher Anteil von 40 % in den alten und 31 % in den neuen Bundesländern stimmte sogar voll und ganz zu. Vor allem in Ostdeutschland ist auch die Erwartung verbreitet, dass ein Paar vor einer Heirat zusammenleben sollte: Mehr als die Hälfte der Befragten stimmte dieser Aussage zu.

Kinder sind für die Mehrheit der Bevölkerung von hoher Bedeutung für das eigene Leben. Dem Statement "Ohne Kinder fehlt etwas im Leben" stimmten in Westdeutschland gut zwei Drittel und in Ostdeutschland sogar mehr als drei Viertel der Befragten zu. Mehr als 30 % stimmten jeweils in beiden Landesteilen dabei sogar voll und ganz zu. Unterscheidet man nach Altersgruppen, so ist deutlich zu erkennen, dass unter den jüngeren Befragten bis 30 Jahre die Zustimmung weniger ausgeprägt war (West 54 %; Ost 65 %). Dies dürfte dem Umstand Rechnung tragen, dass junge Menschen mittlerweile erst zum Ende des dritten Lebensjahrzehntes oder später Eltern werden und eigene Kinder auch für die Erwartungen an das eigene Leben in jüngeren Jahren oft noch eine eher untergeordnete Rolle spielen. Insgesamt war in Ostdeutschland die Zustimmung zu der Aussage "Ohne Kinder fehlt etwas im Leben" höher als in Westdeutschland. Dem Aspekt eigener Kinder als einer gesellschaftlichen Pflicht wurde deutlich weniger Bedeutung zugemessen als der Bedeutung von Kindern für das eigene Leben. Entsprechend war der Anteil mit maximalem Skalenwert (stimme voll und ganz zu) hier mit 4 % beziehungsweise 7 % gering. Insgesamt war die Zustimmung zu diesem Statement in den neuen Bundesländern ausgeprägter als in den alten. Die Differenzierung nach Altersgruppen verdeutlicht, dass der Gesichtspunkt von Kindern als einer gesellschaftlichen Pflicht bei jüngeren Menschen bis 30 Jahre die geringste Zustimmung fand. In der jüngsten Altersgruppe fanden sich auch kaum Ost-West-Unterschiede. Anders dagegen fand bei älteren Ostdeutschen über 60 Jahre die Ansicht, dass Kinder eine gesellschaftliche Pflicht seien, eine vergleichsweise hohe Zustimmung (38 %).
Tab 3 Einstellungen zur Elternschaft in Ost- und Westdeutschland 
nach Altersgruppen 2017 — in ProzentEinstellungen zur Elternschaft in Ost- und Westdeutschland nach Altersgruppen 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Gleichgeschlechtliche Paare gehören zur gesellschaftlichen Realität. Wie wird nun das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare in der deutschen Bevölkerung bewertet? Mehr als die Hälfte der Befragten in Ost- und Westdeutschland äußerte Zustimmung zu dem Statement "Homosexuelle Paare sollten Kinder adoptieren dürfen". Vor allem in der jüngsten Altersgruppe war hier die Zustimmung hoch.


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