Gericht


Vor Gericht klagen



Wenn mich jemand verletzt, betrügt, beleidigt oder mir sonst wie Schaden zugefügt hat, kann ich bei einem Gericht dagegen klagen. Ein Richter oder eine Richterin werden in einem Gerichtsverfahren feststellen, ob derjenige, den ich verklagt habe, gegen ein Gesetz verstoßen hat. Wenn die Klage begründet ist, verkündet der Richter oder die Richterin in einem Urteil, wie der Beklagte den Schaden wiedergutmachen muss.

Gerichtverfahren



Wenn der Beschuldigte gegen ein Strafgesetz verstoßen hat, weil er mir zum Beispiel mein neues Fahrrad mit Gewalt weggenommen und mich dabei auch noch schwer verletzt hat, muss ich zunächst eine Strafanzeige bei der Polizei stellen. Dann übernimmt eine Staatsanwältin oder ein Staatsanwalt die Anklage vor dem Strafgericht. Der Beschuldigte heißt dann vor Gericht "Angeklagter" und wird, wenn er schuldig ist, zu einer Strafe verurteilt. Zu seiner Verteidigung bekommt er eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt, die darauf achten müssen, dass das Gericht ihn nicht verurteilt, wenn seine Schuld nicht eindeutig bewiesen werden kann. Dann nämlich muss der Angeklagte freigesprochen werden. Wenn dem Angeklagten ein Verbrechen, zum Beispiel ein schwerer Raub oder sogar die Tötung eines Menschen vorgeworfen wird, für das eine hohe Strafe ausgesprochen werden kann, dann besteht das Strafgericht aus Richtern und "Schöffen". Die Schöffen sind keine Berufsrichter, sondern kommen aus anderen Berufen. Gemeinsam mit den Richtern fällen die Schöffen das Urteil.
Illustration: GerichtsverhandlungIllustration: Gerichtsverhandlung (© Stefan Eling)


Gerichtsprozess



Die Verhandlung darüber, was tatsächlich passiert ist, ob der Angeklagte schuldig ist und welche Entlastungsgründe eventuell vorliegen, nennt man Gerichtsprozess. Verkürzt spricht man oft auch nur von „Prozess“. Für einen Gerichtsprozess gelten genau festgelegte Regeln. Am Ende eines Prozesses wird das Urteil verkündet, das immer mit dem Satz beginnt: "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil ...". Mit diesem Satz wird ausgedrückt, dass die Richter nicht ihre eigene Meinung, sondern nur das verkünden dürfen, was die geltenden Gesetze vorgeben.

Noch eine ganz andere Bedeutung von "Gericht"
Das Wort "Gericht" hat noch eine zweite, völlig andere Bedeutung, die ihr natürlich alle kennt. Schließlich hat jeder ein Lieblingsgericht, oder?

Strafrecht, Zivilrecht, öffentliches Recht
Das Beispiel, das wir oben für ein Gerichtsverfahren gewählt haben, kommt aus dem Strafrecht. Gerichtsverfahren gibt es auch in anderen Rechtsbereichen, wie dem Zivilrecht oder dem Öffentlichen Recht.


Quelle: Gerd Schneider / Christiane Toyka-Seid: Das junge Politik-Lexikon von www.hanisauland.de, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2019.



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