Vetternwirtschaft (Nepotismus)

Angenommen, du bist Kapitän der Fußballmannschaft eurer Schule. Der Platz einer Stürmerin ist noch frei. Es bieten sich zwei oder drei Mitschüler und Mitschülerinnen an, die ganz gut sind. Du bist dafür, dass dein Bruder mitspielen darf. Der ist zwar nicht so gut wie die anderen, aber er ist dein Verwandter und du bist ihm vielleicht einen Gefallen schuldig. Oder er tut dann immer brav, was du willst, auch außerhalb des Fußballplatzes. Den anderen in der Mannschaft passt das nicht, aber weil du der Chef bist, setzt du dich durch. In der Umgangssprache bezeichnet man dein Verhalten als "Vetternwirtschaft". Das wäre es auch, wenn zum Beispiel ein Bürgermeister oder ein anderer, der viel zu sagen hat, dafür sorgt, dass seine Verwandten und Freunde gute Posten bekommen, obwohl andere dafür besser geeignet wären. "Vetternwirtschaft" ist zwar nicht direkt verboten, aber langfristig ist es sicher ein unkluges Verhalten.
Vetternwirtschaft ist nicht neu. Im Mittelalter gab es Könige, die ihre Enkel, Neffen oder sonstige Verwandten mit guten Posten versorgten. Der Grund ist klar: Der König rechnete damit, dass ihm die Verwandten aus Dankbarkeit besonders ergeben waren. Damals wurde der Begriff "Nepotismus" geprägt. Das kommt vom lateinischen Wort "nepote", das "Neffe", "Enkel", "Vetter" oder "Verwandter" bedeuten kann. Im Deutschen wurde dann die "Vetternwirtschaft" daraus.


Quelle: Gerd Schneider / Christiane Toyka-Seid: Das junge Politik-Lexikon von www.hanisauland.de, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2019.



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