Rasmussen, Anders Fogh

Dänemark, *Ginnerup 26.1.1953; seit 2009 NATO-Generalsekretär

Nach einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium in Århus zog Rasmussen als 25-Jähriger für die rechtsliberale Venstre in den Folketing (Parlament) ein. Unter dem konservativen Ministerpräsidenten Poul Schlüter wurde er 1987 Steuer-, 1990 Wirtschaftsminister. Als das bürgerliche Lager 1993 die Macht verlor, widmete er sich der Reorganisation der Venstre und übernahm 1998 den Parteivorsitz. Er rückte die Partei in die rechte Mitte, zeigte sich aber auch als Verteidiger sozialstaatlicher Errungenschaften. Aus den Parlamentswahlen 2001 ging die von der Venstre geführte konservative Koalition als Siegerin hervor. Rasmussen bildete eine Minderheitsregierung, die auf die Unterstützung der ausländerfeindlichen rechten Dänischen Volkspartei angewiesen war. Seine erste Amtszeit war durch einen "Steuerstopp", eine scharfe Ausländer- und Asylpolitik sowie durch seine Beteiligung am Irak-Krieg gekennzeichnet. Nach den Parlamentswahlen 2005 konnte Rasmussen nach leichten Verlusten seine Minderheitsregierung fortsetzen. Ein dritter Wahlsieg gelang ihm trotz abermaliger Verluste 2007. Bereits lange vor dem NATO-Jubiläumsgipfel Anfang April 2009 galt Rasmussen als europäischer Favorit für den Posten des NATO-Generalsekretärs. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach sich jedoch bis zuletzt gegen den Dänen aus, dem er die Duldung des kurdischen Roj-TV in seinem Land vorwarf. Außerdem hatte er seit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen 2005 in der muslimischen Welt einen schlechten Ruf. Auf dem Gipfel in Straßburg am 4.4. gaben die Türken jedoch ihren Widerstand auf, Rasmussen trat einen Tag später von seinem Amt als Ministerpräsident zurück. Am 1.8. löste er Jaap de Hoop Scheffer als NATO-Generalsekretär ab.