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Entwicklungspolitik

1. Zum Stellenwert von Entwicklungspolitik (EP) in D



Trotz Bedeutungsgewinn und breitem, wenn auch diffusem Rückhalt in der Bevölkerung hat die EP nur geringes Gewicht in der deutschen Politik. Wegen der nur kurzen Kolonialphase (1894-1918) waren die Beziehungen zur Dritten Welt traditionell kaum entwickelt. Vorrang in der Außenpolitik hatte zunächst die Westbindung, seit den 70er Jahren ergänzt durch eine aktive Ostpolitik. Derzeit stehen der Ausbau der europäischen Integration, die Stabilisierung der Transformationsländer im früheren Ostblock (TRANSFORM-Länder) und die Neubestimmung der Rolle Ds in der Weltpolitik im Mittelpunkt.

Nachdem der Anteil der Entwicklungsländer (EL) am dt. Außenhandel 1975 einen Spitzenwert von 25% (ohne OPEC: 16%) erreicht hatte, sank er danach deutlich ab (1990: 14% bzw. 12%) und lag 2000 bei knapp 11% (allerdings Vergleichbarkeit wegen geänderter Länderliste eingeschränkt). Der Handel konzentriert sich auf ökonomisch fortgeschrittene EL. Starke Abhängigkeiten von Lieferungen aus EL gibt es bei einigen Rohstoffen (z.B. Naturkautschuk, Kaffee, Tee, Kupfererze). Der Anteil der privaten Direktinvestitionen in EL ist mit rund 10% sehr gering, hat sich allerdings seit 1990 in etwa verdoppelt. Die skizzierten Befunde machen deutlich: Die Dritte Welt steht weder politisch noch wirtschaftlich im Zentrum dt. Interessen.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.