Land Brandenburg
1. Historischer Hintergrund
Bbg. hat eine mehr als 1000jährige Geschichte. Name, Landesfarben (rot und weiß) und Landeswappen (der rote märkische Adler auf weißem Feld) des zwischen Elbe und Oder mit der Vereinigung D.s am 3.10.1990 wiedererstandenen Landes gehen zurück auf das erste Herrschergeschlecht in Bbg., die Askanier (1134-1320). Mit Ernennung des Nürnberger Burggrafen Friedrich IV. durch Kaiser Sigismund 1415 zum Kurfürsten Bbg.s (Recht auf Beteiligung an der Königswahl) begann die 500jährige Herrschaft der Hohenzollern, unter denen Bbg. Kernprovinz des im 18. Jh. zur Großmacht aufsteigenden Preußen wurde. Als eines der Länder der DDR wurde Bbg. von der SED mit der Zentralisierung der DDR 1952 aufgelöst und in die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt/O. und Cottbus aufgeteilt.
928 eroberte Kaiser Heinrich I. Brennabor, eine Befestigung der in das Gebiet östlich der Elbe in der Völkerwanderung nachgerückten slawischen Wenden, in dem ursprünglich germanische Semnonen lebten. Otto I. gründete dort 948 das Bistum Brandenburg. Im großen Slawenaufstand 983 konnten sich die Wenden von der deutschen Ostkolonisation befreien. Rund 150 Jahre später wurde im Zuge einer neuen Ostbewegung der Askanier Albrecht der Bär 1134 mit der deutsch gebliebenen Nordmark belehnt und erbte von dem christianisierten Wendenfürst Pribislav das Havelland mit dem Herrschaftssitz Brandenburg hinzu. Durch planmäßige Ansiedlung von Kolonisten und mit dem auf Landwirtschaft spezialisierten Zisterzienserorden weiteten die Askanier die Mark zu einer großen Territorialherrschaft aus.
Nach 150 Jahren des Zerfalls festigten die Hohenzollern im 15. und 16. Jh. zunächst ihre Herrschaft im Innern, unterwarfen Adel und Städte und entwickelten die Doppelstadt Berlin-Coelln als Residenz und Regierungssitz zum Zentrum. Sie erneuerten die Verwaltung, gründeten 1506 in Frankfurt/O. eine Universität und führten 1539 die Reformation ein. Im 17. Jh. folgte der Ausbau zum aufgeklärten absolutistischen Staat mit stehendem Heer und zentralistischer Verwaltung. Der Große Kurfürst (1640-88) gewann durch Erbschaften - am Niederrhein Kleve, Mark, Ravensberg, Ravenstein und östlich der Weichsel das Herzogtum Preußen - sowie im Westfälischen Frieden 1648 mit dem Erwerb Hinterpommerns große Gebiete hinzu. Bbg. wurde Kernprovinz des wachsenden, territorial nicht zusammenhängenden brandenburg-preußischen Staates. Im Innern sicherte er mit Toleranzedikten Glaubensfreiheit zu und brachte Glaubensflüchtlinge aus ganz Europa in das im Dreißigjährigen Krieg verwüstete Land. Sein Nachfolger Friedrich I. begründete 1701 als "König von Preußen" (1688-1713) das preußische Königtum. Die Mark Brandenburg wurde damit ein Teil von Preußen. Unter Friedrich dem Großen (1740-86) erstarkte Preußen im 18. Jh. nach dem Siebenjährigen Krieg mit dem Erwerb Schlesiens und anderer Gebiete zur europäischen Großmacht. Er ließ Oder-, Warthe- und Netzebruch urbar und im kargen Brandenburg zu fruchtbarem Ackerland machen. Berlin und Potsdam entwickelte er als parallele Residenzstädte zu europäischen Zentren von Kultur und Wissenschaft. Die Niederlage gegen Napoleon führte 1806 in der mit Preußen verbundenen Geschichte Brandenburgs zu einem Tiefpunkt. Nach dem Wiener Kongress 1815 brachten die Stein-Hardenbergschen Reformen eine Liberalisierung. Die Demokratiebewegung als Ausdruck sozialer Umwälzung der beschleunigten Industrialisierung im 19. Jh. wurde aber von der preußischen konservativen Oberschicht unterdrückt. Berlin wuchs zum größten deutschen industriellen Ballungszentrum und zur Weltstadt an und zog das mit wenigen Industrieinseln agrarisch bestimmte Brandenburg in seinen Sog. 1920 wurde es als Groß-Berlin aus Brandenburg herausgelöst.
Der Nationalsozialismus prägte ab 1933 durch politische Gleichschaltung, Errichtung von Rüstungsbetrieben, Militäranlagen und Konzentrationslagern auch Brandenburg und hinterließ 1945 ein zerstörtes Land unter sowjetischer Besatzung. Als Folge des Zweiten Weltkrieges verlor Brandenburg etwa 30% seines Gebiets, die östlich von Oder und Neiße gelegenen Kreise, an Polen (Schreckenbach 1991, Spittmann 1983).
Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.
