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Land Hessen

1. Historischer Hintergrund



Die Gründung des Bundeslandes Hess. aus dem Volksstaat Hessen-Darmstadt (1918-45) und der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau (1868-1944) kann nicht als reines Kunstprodukt der Alliierten angesehen werden. Es war gleichzeitig die Zusammenführung eines historisch verbundenen, aber seit dem 16. Jh. zersplitterten Territoriums, dessen Menschen in ihrer politischen Geschichte und in ihren kulturellen Traditionen vielfältige Anknüpfungspunkte für eine landesspezifische Identitätsbildung vorfanden.

In der Frühzeit war das heutige Hess. keltischer, dann germanischer und römischer, später fränkischer Siedlungsraum, wobei der namensgebende germanische Stamm der Chatten beginnend mit dem 4 Jh. im fränkischen Reich aufging. Die neuzeitliche Territorialgeschichte Hess.s findet ihren Ursprung im 13. Jh. mit der Verselbständigung einer Erbfolgelinie des seinerzeit Hess. beherrschenden Landgrafenhauses Thüringen. Ihre größte Ausdehnung und politische Bedeutung gewann die Landgrafschaft Hessen unter Philipp dem Großmütigen (1509-67), der maßgeblich an der Einführung der Reformation in D. beteiligt war. Danach zerfiel das Land aufgrund von Erbteilungsauseinandersetzungen.

Im frühen 19. Jh. bildeten sich mit dem Kurfürstentum Hessen-Kassel, dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt und dem 1806 gegründeten Herzogtum Nassau drei territoriale Schwerpunkte heraus. Die politische Geschichte dieser Jahrzehnte war in allen Landesteilen vom Verfassungsstreit bestimmt, wobei demokratische Errungenschaften schon bald nach 1848 der von den jeweiligen Fürstenhäusern im Anschluss an Österreich betriebenen Restauration zum Opfer fielen. Als Folge des preußisch-österreichischen Krieges (1866), in dem sich alle Regenten der verschiedenen Teile Hess.s auf die Seite der Donaumonarchie geschlagen hatten, wurden die Landgrafschaft Hessen-Kassel (Kurhessen), das Herzogtum Nassau und die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main von Preußen annektiert und zur preußischen Provinz Hessen-Nassau zusammengefasst, aus der 1944 mit gewissen territorialen Veränderungen kurzzeitig die Provinzen Kurhessen und Nassau gebildet wurden. Hessen-Darmstadt blieb selbständig und wurde nach der Revolution von 1918 demokratische Republik, bis die Machtübernahme des NS-Regimes auch hier faktisch die politische Eigenständigkeit beendete (Demandt 21972; Schiller/von Winter 1990; Franz 1991).


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.