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Land Nordrhein-Westfalen

1. Historischer Hintergrund



Das Land NW entstand als eigenständiges Land 1946 im Zuge der allgemeinen Neubildung der Länder innerhalb der Besatzungszonen im Nachkriegsdeutschland. Die brit. Militärregierung verfügte durch Besatzungsverordnung am 23.8.1946 die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen und die Errichtung neuer selbständiger Länder. NW umfasste zunächst nur die nördlichen Teile der früheren Rheinprovinz (Regierungsbezirke Köln, Aachen, Düsseldorf) sowie die Provinz Westfalen. Im Jahr 1947 wurde dann noch das Land Lippe-Detmold eingegliedert, so dass NW seine heutige territoriale Ausdehnung bereits vor der Gründung der BRD erhielt.

Der Gründung des Landes ging während des Krieges eine intensive Diskussion voraus. Dies kam nicht überraschend, denn mit Ausnahme Berlins hat keine Region in D. so sehr im Mittelpunkt des Interesses der internationalen Öffentlichkeit gestanden. Da sich das Ruhrgebiet bereits während der Industrialisierung im Kaiserreich zum Zentrum der Schwerindustrie D.s entwickelt hatte und während des Ersten und Zweiten Weltkriegs zu Recht national und international als Rüstungsschmiede angesehen wurde, kam dem Revier eine besondere Bedeutung zu. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Siegermächte Demontagen im Ruhrgebiet vorgenommen und es unter internationale Kontrolle gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterlag das Ruhrgebiet zunächst strengen Kontrollen der Besatzungsmächte. Es war ihr Ziel, eine eigenständige dt. Nutzung zur Wiedererstarkung des geschlagenen Landes zu verhindern, aber auch die Ressourcen des Reviers für den Wiederaufbau in Europa einzusetzen.

Im Zuge des 1946/47 offen ausbrechenden Ost-West-Konflikts versuchten die Briten als zuständige Besatzungsmacht, auf alle Fälle eine Viermächteverwaltung über das Ruhrgebiet zu verhindern. Ab Mitte April 1946 votierten sie, unterstützt durch die Amerikaner, für die Bildung eines großen Bundeslandes, das aus den Provinzen Nordrhein und Westfalen bestehen sollte. Anglo-Amerikaner zielten auf starke Länder, die ein Gegengewicht zu einer eventuell kommunistisch beeinflussten oder sogar von Kommunisten dominierten Zentralregierung bilden konnten. Die Verbindung von Ruhrgebiet und agrarischem Hinterland sollte zu einer ausgewogenen Wirtschaft in dem neuen Land ebenso beitragen wie zum natürlichen Güteraustausch zwischen Industrie und Landwirtschaft. Außerdem wurde mit der Schaffung des Großflächenstaats NW innerhalb der brit. Besatzungszone den anderen Besatzungsmächten (insbesondere natürlich der Sowjetunion) der Zugang zum Ruhrgebiet versperrt.

Dt. Poliker waren am Entscheidungsprozess über die Entstehung NWs nicht beteiligt, und in der Bevölkerung fand die Bildung des Landes angesichts eigener existentieller Nöte nur geringes Interesse. Im April 1949, noch vor Gründung der BRD, wurde das internationale Ruhrstatut verabschiedet, das sich mittelfristig als erfolgreich für NW erweisen sollte. Nicht zuletzt durch die 1951 im Rahmen des Schuman-Plans erfolgte Eingliederung der BRD in die neu geschaffene Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) entwickelte sich das Ruhrgebiet zum "Schwungrad" des wirtschaftlichen Neuaufbaus in Westdeutschland.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.