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Umweltschutzverbände

Mit der wachsenden Bedeutung umweltpolitischer Fragestellungen in den 70er Jahren entstanden an Einzelprojekten orientierte Bürgerinitiativen. Zur gleichen Zeit bildeten sich umweltpolitisch orientierte Verbände, die relativ schnell wachsen und an Bedeutung gewinnen. Einige der vorwiegend am klassischen Naturschutz orientierten Verbände gehen auf teilweise berufsverbandsähnliche Organisationen von z.B. Jägern zurück. Mit einer stärker am Natur- und Umweltschutz orientierten Verbandspolitik haben diese Naturnutzer die Umweltschutzverbände verlassen.

Inhaltlich orientieren sich diese Verbände einerseits an den Themen des klassischen Naturschutzes, wie z.B. dem Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen, Schutz bedrohter Tiere, Pflanzen und Landschaftsräume. Einen ebenso breiten Raum nehmen die Fragen des Schutzes der Umweltmedien Boden, Wasser und Luft ein. Dabei beziehen sich die Verbände auf einzelne umweltrelevante Politikfelder wie Abfall-, Energie- oder Verkehrspolitik. Ihre Eingriffsziele lassen sich dabei in nachsorgenden Umweltschutz (z.B. Bau von Kläranlagen) oder in strukturpolitischen Umweltschutz (Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme) differenzieren (Umweltpolitik).

Das Spektrum ihrer Aktionsformen reicht vom klassischen Lobbyismus bis zu oftmals spektakulären Aktionen. In Ermangelung eines Sanktionspotentials sind die Einflussmöglichkeiten beim Ersteren eher gering. Bei Aktionen ist, über die Medien, der Adressat die Öffentlichkeit; durch die so erfolgte Thematisierung wird mittelbarer Druck auf politische Entscheidungsträger ausgeübt.

Ein weiteres Kennzeichen von Umweltschutzverbänden ist die projektorientierte Arbeit. Bedeutung haben v.a. Amphibienschutzaktionen und die Wiedereinbürgerung verdrängter Tiere erlangt; in jüngerer Zeit auch die Unterstützung von Projekten der regenerativen Energieerzeugung. Neben eigenen Forschungskapazitäten erhalten Umweltschutzverbände durch ihnen nahestehende Forschungsinstitute erhebliche Unterstützung.

Typisch für Bürgerinitiativen ist die Orientierung an Einzelthemen. Sie organisieren sich daher zumeist spontan, ihr Zusammenhalt ist eher locker und grundsätzlich nicht auf Dauer angelegt. Ihre Aktionsformen umfassen sowohl den klassischen Lobbyismus als auch Methoden aktionsorientierter Verbände. Seit Mitte der 80er Jahre hat die Zahl und die Bedeutung abgenommen; teilweise werden ihre Aufgaben von Umweltschutzverbänden, teilweise von politischen Parteien wahrgenommen.

Nach der Wiedervereinigung schlossen sich bestehende Umweltgruppen der ehemaligen DDR westdeutschen Verbänden an. Die Initiativen und Verbände der früheren staatlichen Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) haben sich dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) angeschlossen. Neu gegründet wurden die östlichen Landesverbände des Naturschutzbundes Deutschland. Selbständig blieb die Grüne Liga, eine Art Teildachverband von kirchlichen Gruppen (Cornelsen 1991: 18); sie schloss sich dem Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) an.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit (Stand jeweils Ende 1998 bzw. Ende 1996) 246.089 (228.543) Mitgliedern, davon 5.185 (4.531) in den neuen Ländern, der bedeutendste Umweltschutzverband. Er bearbeitet insgesamt ein breites Themenfeld mit dem Schwerpunkt Naturschutz. Traditionell orientiert er sich vorwiegend am klassischen Lobbyismus, hat aber in den letzten Jahren zwar wenig spektakuläre, jedoch informative Kampagnen durchgeführt.

Greenpeace Deutschland kann als der typische aktionsorientierte Umweltschutzverband bezeichnet werden. Viel öffentliche Aufmerksamkeit haben in den letzten Jahren Aktionen wie z.B. gegen Atombombentests Frankreichs in der Südsee und gegen den Versuch der Erdölgesellschaft Shell, eine ausgediente Ölbohrinsel in der Nordsee zu versenken, erregt. Greenpeace ist kein Mitgliederverband, hat jedoch wegen des hohen Bekanntheitsgrades ein großes Spendenaufkommen.


Quelle: Andersen, Uwe/Wichard Woyke (Hg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl. Opladen: Leske+Budrich 2003. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2003.