Bangladesh

B., mehrheitlich islam. Staat in Bengalen, einer Region im Nordosten des Indischen Subkontinents, gegründet 1971. Seit 1988 ist der Islam Staatsreligion. B. hat mit 144 000 qkm etwa 40% der Fläche Deutschlands, beherbergt aber mit 108 Mio. Einwohnern deutlich mehr Menschen. Etwa 86% der Bangladeshis sind sunnit. Muslime, 12% Hindus. Bengalen, das Mündungsgebiet der Flüsse Ganges und Brahmaputra, stand seit 1352 unter der Herrschaft eines muslim. Sultans. 1567 wurde es Provinz des Mogulreiches. 1757 eroberte die East India Company in der Schlacht von Plassey Bengalen, das damit als erster Teil Indiens in britische Hand fiel. In der ersten Hälfte des 19. Jh. organisierte die Farâizi-(Farâ'idî-)Bewegung die meist muslim. Kleinbauern Bengalens gegen die Engländer und die meist hinduist. Grundbesitzer. Erst im Lauf dieser Auseinandersetzungen entstand eine bengal. islam. Identität. Durch Mission und die höhere Geburtenrate der Muslime stieg deren Anteil, erreichte aber erst um 1890 die 50%-Marke. Bei der Schaffung des islam. Staates Pakistan 1947 wurde Bengalen geteilt und der östliche Teil zu Pakistan geschlagen. In Pakistans Verwaltung und Heer waren kaum Bengalen vertreten. Weitere Schwierigkeiten waren die Distanz beider Landesteile von über 2000 km und die kulturellen Unterschiede zwischen ihnen. In den Wahlen 1970 gewann die "Awâmî League" von Shaikh Mujîb ur-Rahmân in Ostpakistan eine überwältigende Mehrheit. Sie hatte bisher die Interessenvertretung der Bengalen in Pakistan für sich beansprucht und forderte nun die Trennung Ostpakistans von Westpakistan. 1971 wurde die pakistan. Armee in Ostpakistan mobilisiert, aber unter großen Opfern und mit indischer Hilfe vertrieben. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung des Staates B. Shaikh Mujîb ur-Rahmân regierte "sein" B. zunehmend autoritär und wurde 1975 mit seiner Familie ermordet, nachdem er einen sozialist. Einparteienstaat ausgerufen hatte. Der darauf folgende Militärdiktator Zia ur-Rahmân (Siyâ' ur-Rahmân) wurde 1981 ebenfalls umgebracht und von einem weiteren Militärdiktator abgelöst. 1990 wurde dieser nach einem Aufstand abgesetzt und die Demokratisierung eingeleitet. An der Spitze des Aufstands standen die Witwe von Zia ur-Rahmân, Khaleda Zia (Khâlida Siyâ'), und die Tochter von Mujîb ur-Rahmân, Hasina Wazed. Beide Frauen lösen sich seitdem als Regierungschefs ab und beschuldigen die Partei der anderen, ihren Mann ermordet zu haben. Streiks als Druckmittel der Gegner sind an der Tagesordnung. Dabei bleiben Programme zur Verbesserung der Lage eines der ärmsten und wegen seiner ebenen, wasserreichen Landschaft flutgefährdetsten Länder der Welt auf der Strecke. Jeder zweite Bangladeshi ist jünger als 15 Jahre. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Kleinstbauern, viele davon unterernährt. Die Analphabetenrate liegt immer noch bei 74%. So ist es nicht verwunderlich, daß in den letzten Jahren auch bei den traditionell toleranten, von der islam. Mystik, dem Sûfismus, geprägten Bangladeshis Islamisten (Fundamentalismus) immer mehr Zulauf finden.

Literatur:
Bose, S./Jalal, A.: Modern South Asia; History, Culture, Political Economy, 1998.

Autor/Autorinnen:
Stephan Popp, M. A., Universität Bamberg, Iranistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.