Himmelsreise

(arab. miʿrāj). Anknüpfend an den Koran (Sure 17:1 und 53:1 – 18) entstand die Überlieferung, Muḥammad sei von Mekka aus vom Engel Gabriel auf einem paradies. Reittier zunächst nach Jerusalem, dann in den Himmel und durch die sieben Paradiese und die sieben Höllen geführt worden, bis er schließlich Gott selbst schauen durfte. Dem Gläubigen wird nach seinem Tod in ähnlicher Weise das Paradies gezeigt, wie auch das individuelle Gebet als symbolische H. verstanden werden kann. Theologisch betrachtet ist die H. der Höhepunkt in Muḥammads prophetischer Sendung. Ihre poet.-mystische Ausmalung ist Gegenstand der Literatur und der Malerei und hat das volkstümliche Paradiesbild mit geformt und verbreitet. Der Zusammenhang dieses Bildes mit Dantes Divina Commedia ist umstritten. Die Einführung der fünf Gebete wird traditionell mit der H. verknüpft.

Literatur:
: Gruber, C. and Colby, F.: The Prophet’s ascension: cross-­cultural encounters with the Islamic miʾrāj tales, 2010. – Colby, F.: The Subtleties of the Ascension. Early mystical sayings on Muḥammad’s heavenly journey. Compiled by Abū ʿAbd al-­Raḥmān Sulamī, 2005. – Séguy, M.-R.: Muhammeds wunderbare Reise durch Himmel und Hölle, 1977. – Kremers, D.: «Islamische Einflüsse auf Dantes, Göttliche Komödie’», in Heinrichs, W. (Hg.): 5, 1990, 202 – 215.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Gottfried Hagen, University of Michigan, Turkish Studies


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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