Indonesien

I., Archipel aus 13 000 Inseln, davon ca. 3000 bewohnt, Fläche 1 904 569 qkm. Der Staat in Südostasien wird geograph. in die großen und kleinen Sundainseln unterteilt. Zu der ersten Gruppe gehören Kalimantan (Borneo), Sumatra, Sulawesi (Celebes) und Java, die zweite umfaßt u. a. die Inseln Bali, Lombok, Flores, Sumbawa, Sumba und Westtimor. Zusätzlich gehören die Molukken und Irian Jaya (West Papua) zum Staatsgebiet I. Die Hauptstadt ist Jakarta. Die Amtssprache Bahasa Indonesia, die zu den austrones. Sprachen gehört, ist eine modernisierte Form des Malaiischen. Neben der Nationalsprache werden über 250 verschiedene Regionalsprachen gesprochen. Die Sprachen der ehemaligen Kolonialmächte Holland und Japan werden in der Schule gelehrt, jedoch selten benutzt. Englisch erfreut sich heute in den urbanen Zentren und Touristengebieten zunehmender Beliebtheit, während es in ruralen Gegenden kaum verwendet wird. Zum Islam bekennen sich 90% aller Einwohner, ca. 5% sind Christen, während die restlichen Einheim. dem Hinduismus oder einer Stammesreligion angehören. Als stärkste Volksgruppe gelten die Javaner mit 40%, gefolgt von den Sundanesen mit 15%. Der Islam verbreitete sich seit dem 13. Jh. Im 17. Jh. schwang sich das südliche Binnenland Mitteljavas zur führenden Macht in Java auf, die zum Sultanat Mataram wurde. Die übrigen Inseln waren unterschiedlich stark islamisiert. So existieren z. T. bis heute alte Stammesreligionen sowie eine spezielle Form des Hinduismus auf Bali. Anfang des 17. Jh. begann die koloniale Herrschaft der Niederländ. Ostindischen Kompanie (VOC). Im Jahre 1945 wurde I. unabhängig. In den 1950er Jahren erhoben sich radikale islam. Kräfte und forderten einen islam. Staat. Dies führte zu Auseinandersetzungen zwischen islam. Aufständischen und der Armee, die bis in die 1960er Jahre andauerten. Präsident Sukarno wurde am 11. 3. 1966 von dem ehemaligen General Suharto dazu gezwungen, die Regierungsvollmachten an ihn abzutreten. Es kam zu einer zunehmenden Unterdrückung der Bevölkerung. Die heutige Regierung unter dem Muslim Abdurrahman Wahid (Abd ar-Rahmân Wahîd) ist der erste Versuch einer Demokratie. Der Islam in I. gilt als weitgehend moderat. Bis zur Wirtschaftskrise im Jahre 1997 war I. eine aufstrebende Wachstumsregion. Seitdem hat sich die ökonom. Lage nicht mehr verbessert.

Literatur:
Dahm, B./Ptak R. (Hg.): Südostasien Handbuch. Geschichte, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur, 1999. - Ricklefs, M. C.: A History of Modern Indonesia since c. 1300, 1981.

Autor/Autorinnen:
Monika Arnez, M. A., Universität zu Köln, Indonesische Philologie


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.