Kairo
K. (arab. al-Qâhira, "die Siegreiche"), Hauptstadt Ägyptens. Mit ca. 15 Mio. Einwohnern (oder mehr) die größte Stadt Afrikas und bedeutendste Metropole der arab.-islam.Welt. K. beherbergt auch den Sitz der Arab. Liga. An der Südspitze des Nildeltas gelegen, wurde K. 969 durch die Fâtimiden als Palaststadt gegründet, nördlich einer antiken Vorgängersiedlung (Babylon, heute "Old Cairo") und der ersten arab. Gründung Fustât. Unter den Ayyûbiden (1171-1250) und den Mamlûken (1250-1517) wurde die Stadt regelmäßig erweitert, aber erst im 19. Jh. entstand das heutige städtische Konglomerat. Der Name "K.", der ursprünglich nur den Stadtkern bezeichnete (oft fälschlich "islam. Altstadt" genannt), wurde als offizieller Name übernommen, doch auch der volkstümliche Name "Misr" (zugleich "Ägypten") blieb erhalten. K. erlebte eine erste Blüte unter den schiit. Fâtimiden (969-1171), die auch die Moschee-Schule al-Azhar gründeten (972). Nach der Eroberung durch die sunnit. Ayyûbiden ließ Saladin (Salâh ad-Dîn) die Zitadelle errichten (1176), die bis heute das Stadtbild dominiert. Nach der Einnahme Bagdads durch die Mongolen (1258) und aufgrund der fortschreitenden Reconquista in al-Andalus (Spanien) sammelte sich die kulturelle Elite aus Ost und West in K., was die zweite Blütezeit K. unter den Mamlûken einleitete. Die über 600 erhaltenen Großbauten K., Moscheen, Medresen u. a., Weltkulturerbe der UNESCO, stammen v. a. aus dieser Zeit. Der Abbruch des Seehandels über das Rote Meer nach der europäischen Eroberung der Weltmeere führte zu wirtschaftlichem Niedergang, der während der osman. Periode (1517-1805) kaum gebremst werden konnte, obwohl K. weiterhin ein wichtiges geistiges Zentrum der islam. Welt war. Im 19. Jh. wirkten in K. führende Köpfe des Reformislam (Abduh, al-Afghânî, Ridâ). Im 19. und 20. Jh. entstanden neue Stadtteile im europäischen Stil, in den letzten Jahrzehnten auch Satellitenstädte in der Wüste. Die Zukunft K. wird dabei wesentlich davon abhängen, ob und wie die drängenden Probleme der Umweltverschmutzung sowie der Überbevölkerung gelöst werden können.Literatur:
Beyer, U. (Hg.): Kairo. Die Mutter aller Städte, 1983. - Desmond, S.: Great Cairo. Mother of the World, 1997. - Raymond, A.: Le Caire, 1993. - Rodenbeck, M.: Cairo. The City Victorious, 1998.
Autor/Autorinnen:
Marco Schöller, Dr., Universität zu Köln, Orientalistik
Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.
