Kuwait

K., Staat im Nordosten der Arab. Halbinsel, 1 809 000 Einwohner. Die Hauptstadt ist al-K. (K. City). Die moderne Geschichte K. beginnt in der Mitte des 18. Jh., als die Sippe der Âl »abâh aus dem Stamm der Banû Utba sich im Südosten des Landes niederließ. Dieser Stamm stellt bis heute die als Emir betitelten Herrscher; der heutige Emir des K., Scheich Jâbir al-Ahmad al-Jâbir Âl »abâh, ist der 13. Herrscher dieser Dynastie. Unter den Âl »abâh wurden die in der Region vormals bestehenden vereinzelten Siedlungen zu einem Staatswesen zusammengefügt. In der Folge konnte sich das Land seine Unabhängigkeit bewahren und auch der immer wieder auftauchenden Gefahr durch Angriffe der Wahhâbiten begegnen. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet K. in die Einflußsphäre Großbritanniens, erlangte aber im Jahre 1961 seine volle Unabhängigkeit. K. besitzt ein Parlament, dessen Mitglieder zu zwei Dritteln gewählt und zum anderen Teil vom Herrscher ernannt werden. Gegenwärtig wird u. a. über die Einführung des Wahlrechts für Frauen beraten. Trotz mancher Ansätze konnte sich in K. keine funktionierende Demokratie etablieren, da die Macht weitgehend in den Händen der Herrscherfamilie liegt. Der heutige Staat K. wäre ohne seinen Erdölreichtum nicht lebensfähig, da er aus einer kargen Wüste mit Temperaturen bis zu 50° C im Sommer und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit besteht. Das Trinkwasser mußte früher von auswärts mit Booten herbeigeholt werden; heute übernehmen moderne Meerwasserentsalzungsanlagen die Versorgung der Bevölkerung. Die Lage K. zwischen den beiden großen Anrainern Saudi-Arabien und dem Irak macht es polit. abhängig. Mit Saudi-Arabien wurden Grenzstreitigkeiten weitgehend geklärt. Man einigte sich zunächst auf die Bildung einer Neutralen Zone (Vertrag von Ukair 1923) und die Teilung der Einnahmen aus Erdölförderung daraus. Durch Verträge der Jahre 1965 und 1969 kam es zur Aufteilung dieses Territoriums. Die Grenze zum Irak war immer wieder Anlaß zu Spannungen. Nach der Proklamation der Unabhängigkeit K. 1961 erhob der Irak den Anspruch auf das gesamte Staatsgebiet K. Am 2. 8. 1990 marschierten irak. Truppen in K. ein, wurden aber im zweiten Golfkrieg durch eine Koalition unter US-Führung vertrieben. K. erlitt durch den Krieg große Schäden, konnte sich aber dank seines Reichtums schnell erholen.

Literatur:
Crystall, J.: Oil and Politics in the Gulf. Rulers and Merchants in Kuwait and Qatar, 1990. – Mansfield, P.: Kuwait. Vanguard of the Gulf, 1990. – Stöger, C. J.: Kuwait. Öl, Macht und Ohnmacht, 1990.

Autor/Autorinnen:
Abd al-Halim Ragab, Dr., Universität Bamberg, Arabistik und Islamkunde


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008.




 

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