Liga der islamischen Welt

L.i.W. (arab. Râbitat al-âlam al-islâmî), Organisation mit panislam. Hintergrund, entstand während eines Treffens von muslim. Gelehrten 1962 in Mekka. Die L. i. W. wird von Saudi-Arabien finanziert und dient als Sprachrohr saudischer Interessen. Ihr Sitz ist in Mekka, geleitet wird sie von einem Rat der Gelehrten, dem momentan 62 Mitglieder angehören. Generalsekretär ist satzungsgemäß ein saudischer Staatsbürger, gegenwärtig Abd Allâh ibn »âlih al-Ubaid. Als eine kulturelle Organisation sind ihre Hauptziele die islam. Mission, die Verbreitung der Lehren des Islams wie auch die Wahrnehmung der Interessen der Muslime und die Abwehr von vermeintlichen Verschwörungen gegen den Islam, welche die Einheit der Muslime zu unterminieren suchen; weiter die Betreuung muslim. Minderheiten in Europa, Asien und Amerika. 1975 wurde der Hohe Rat für Moscheen gegründet, der versucht, Standards bei der Mission durchzusetzen, die Aufgaben der Moscheen zu revitalisieren und muslim. Stiftungen zu bewahren. 1978 entstand der Islam. Rechtsrat. Gelehrte sollen hier auf der Basis von Koran und Tradition für rechtliche Probleme Lösungen vorschlagen. Die Empfehlungen sind von einiger Autorität. Des weiteren betreibt seit 1984 eine Kommission zur Untersuchung der wissenschaftlichen Aspekte in Koran und Sunna systematische Koranexegese. Ein wichtiges Organ der L. i. W. ist die Islam. Hilfsorganisation, eine karitative Organisation, die in Krisensituationen wie z. B. im vom Bürgerkrieg geschädigten Bosnien und Kosovo humanitäre Hilfe leistet. Weitere Aktivitäten sind Öffentlichkeitsarbeit, Pressedienste, Förderung der islam. Kultur, Vorschläge zur Islamisierung der Gesetzgebung, die Antwort auf die christliche Mission unter Muslimen und die Erstellung und Verteilung von Koranübersetzungen. Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA am 11. 9. 2001 stellte sich heraus, daß einzelne Akteure Infrastruktur und Beziehungen der L. i .W. nutzten, um Mitgliedern der sog. „Terrornetzwerke“ den Zugang zu Logistik und finanziellen Mitteln zu vereinfachen. Gegenwärtig unterhält die L. i. W. Büros in 32 Staaten Afrikas, Asiens, Europas und Amerikas.

Literatur:
Schulze, R.: Die Islamische Weltliga, 1990.

Autor/Autorinnen:
Christian Szyska, M.A, Universität Bonn, Orientalistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008.



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