Maghreb

M. (arab. al-Maghrib, „Westen“ bzw. „Land des Sonnenuntergangs“), das Gebiet der nordafrikan. Staaten Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko. Ende des 7. Jh. kam der M. unter arab.-islam. Herrschaft (Dynastien). Seit der Mitte des 16. Jh. regierten die Osmanen die Region mit Ausnahme Marokkos. Die schrittweise Übernahme des gesamten M. durch den europäischen Kolonialismus begann 1830 mit der französ. Besetzung Algiers und endete 1962. Den mehrfachen Versuchen zu einer polit. Einigung der nachkolonialen M.-Staaten stehen häufige Konflikte (z. B. Algerien-Marokko) gegenüber. Ungeachtet von Differenzen der polit. Systeme in den einzelnen Staaten haben die maghrebin. Gesellschaften signifikante Gemeinsamkeiten: Nach der arab.-islam. Eroberung verbreitete sich der Islam im M. ebenso wie die arab. Sprache. Juden und Christen bilden bis heute Minderheiten. Die schon vor der Eroberung ansässigen Berber sind zumeist Muslime, wurden aber nur teilweise arabisiert und haben einen der zahlreichen Berberdialekte als Muttersprache. Berber-Sprecher stellen gegenwärtig etwa 25% aller Maghrebiner. Die meisten anderen Maghrebiner sprechen einen der untereinander ähnlichen westarab. Dialekte (Arab. Sprache). Seit der Kolonialzeit ist auch das Französ., weniger das Spanische und Italien., verbreitet und wird als Verkehrssprache benutzt. In allen Staaten bis auf Libyen sind die gesellschaftlichen Institutionen weitgehend europäisiert. Das Bildungswesen z. B. orientiert sich seit der Kolonialzeit am französ. Vorbild. Viele Maghrebiner, besonders auf dem Land, folgen zwar weitgehend traditionellen Werten, die meisten gebildeten Stadtbewohner der Mittel- und Oberschichten pflegen aber einen weitgehend westlich geprägten Lebensstil und orientieren sich auch kulturell an Europa bzw. Amerika. Bemerkenswert ist z. B. die frankophone Literatur von arab. Autoren, die ihr Publikum zum Teil in Frankreich suchen. In der Musik versucht der Rai eine Verbindung von westlichem Pop mit traditioneller arab. Musik. V. a. aufgrund ökonom. Probleme in den M.-Staaten sowie einer rapiden Bevölkerungszunahme existiert eine bedeutende Migration nach Europa und in die USA.

Literatur:
Abun-Nasr, J. M.: A History of the Maghrib in the Islamic Period, 1987. – Herzog, W.: Der Maghreb. Marokko, Algerien, Tunesien, 1990. – Waltz, S. E.: Human Rights and Reform: Changing the Face of North African Politics, 1995.

Autor/Autorinnen:
Ralf Elger, PD Dr., Universität Bamberg, Arabistik und Islamkunde


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.




 

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