Mazâr-i Sharîf

M.S., Stadt in Nord-Afghanistan, ca. 300 000 Einwohner (2000). Der Name bedeutet „edles Grab“ und weist auf das im Jahre 1481 durch einen Traum „entdeckte“ Grab des vierten Kalifen Alî hin, das v. a. von Schiiten verehrt wird und traditionell zahlreiche Pilger anzieht. In den 1970er Jahren wurde M. mit Hilfe der Sowjetunion zur Großstadt nach europäischem Vorbild ausgebaut. Während des Bürgerkrieges und der sowjet. Besatzungszeit strömten Flüchtlinge vom Land und der Hauptstadt Kabul in die Stadt, deren Zahl für 1997/98 auf 480 000 bis 700 000 geschätzt wurde. Nach Einnahme durch die Tâlibân-Milizen im August 1998 ereigneten sich schwere Ausschreitungen gegen die nicht-paschtun. Bevölkerung. Schiiten wurden vertrieben, Grabmäler und Moscheen zerstört oder anderer Nutzung zugeführt. Der Fall von M. am 9. 11. 2001 an die usbek. Truppen von General Raschid Dostum leitete den landesweiten Zusammenbruch der “âlibân als Staatsmacht ein. M. ist seitdem zum Zentrum eines quasi autonomen Afghanisch-Turkistan geworden.

Autor/Autorinnen:
Eckart Schiewek, Dr., United Nations Assistance Mission to Afghanistan, Kabul


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008.




 

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