Maschrek

M. (arab. mashriq, „Osten“ bzw. „Land des Sonnenaufgangs“), das Gebiet der heutigen Staaten Ägypten, Israel, Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien und Irak. Im Zuge der arab.-islam. Expansion im 7. Jh. wurde der M. Sitz des Kalifats, zunächst in Damaskus dann in Bagdad. Danach herrschten verschiedene, meist türk. Dynastien in der Region. Von 1517 bis 1918 regierten die Osmanen von Istanbul aus. Während des Ersten Weltkriegs verständigten sich die europäischen Kolonialmächte im Sykes-Picot-Abkommen von 1916 darauf, die Region in eine britische (Israel, Jordanien, Irak) und französ. (Libanon, Syrien) Einflußzone aufzuteilen. Daneben versprachen die Briten 1917 in der Balfour-Erklärung den Juden die Errichtung einer „nationalen Heimstätte“, woraus 1948 die Gründung des Staates Israel resultierte. Die meisten arab. Juden sind inzwischen dorthin ausgewandert. Die modernen Grenzen im M. wurden durch die europäischen Mächte gezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg traten Ideologien auf, die eine polit. Einigung des Raumes forderten und in dem ägypt. General Nasser ihre Führergestalt fanden. 1958–1961 kam es zum gescheiterten Versuch der polit. Einheit zwischen Syrien und Ägypten. Nach der Niederlage Nassers im Sechstagekrieg 1967 gegen Israel setzten sich regionalist. Strömungen durch. Grenzstreitigkeiten komplizieren die polit. Lage des Raumes bis heute. Hinzu kommen große Minderheiten, seien es ethnische wie die Kurden oder religiöse wie Christen verschiedener Bekenntnisse, Drusen und Schiiten. Problemat. ist auch das Verhältnis zu Israel. Während Ägypten und Jordanien zu Friedensschlüssen kamen, bestehen Syrien und der Irak weitgehend auf ihrer feindlichen Haltung. Islamist. Bewegungen traten in allen Ländern des M. auf. Sie wurden in Syrien und Irak unterdrückt, während sie in Jordanien, Ägypten und im Libanon fortbestehen und teilweise sozial und polit. einflußreich sind. Stark traditionalist. geprägte Lebensstile stehen einer großen Akzeptanz westlicher Kultur (Libanon, Israel, teilweise Jordanien) gegenüber. Mit Ausnahme Israels ist Arabisch die erste Amtssprache, das von den meisten in einem der ost-arab. Dialekte (Arab. Sprache) gesprochen wird, wobei das Ägypt. aufgrund der Dominanz des ägypt. Kinos den höchsten Stellenwert genießt. Seit der Kolonialzeit wird daneben auch das Englische bzw. Französ. benutzt, das im Falle Libanons den Rang einer Zweitsprache einnimmt.

Literatur:
Schulze, R.: Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert, 1994.

Autor/Autorinnen:
Thomas Eich, Dr., Universität Tübingen, Orientalistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008.



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