Pakistan
P., Staat im Norden des Indischen Subkontinents, etwa 800 000 qkm, 128 Mio. Einwohner (1997), die Hauptstadt ist Islamabad. Die Amtssprache Urdu wird nur von gut 7% der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Verbreiteter sind das Panjabi (50,6%), Sindhi (21,6%) und Paschtu (15%). Die Region des heutigen Staates P. - die bevölkerungsreichsten Provinzen sind Panjab und Sindh - wurde seit dem 8. Jh. islamisiert und gehörte in der Geschichte zu mehreren islam. Reichen (Ghaznawiden 10.-11. Jh., Mogulreich 16.-18. Jh.). Von der Britisch-Ostindischen Kompanie im Verlaufe der zweiten Hälfte des 18. Jh. kolonisiert, kam die Region wie der gesamte Indische Subkontinent 1858 offiziell unter britische Herrschaft. In dem Jahr der Unabhängigkeit des vormaligen Britisch-Indien, 1947, fand die Aufspaltung in die Staaten Indien und P. statt, ein Erfolg der Indischen Muslim-Liga unter Führung von Alî Jinnah, die schon zu Beginn der 1940er Jahre die Schaffung eines rein islam. Staates gefordert hatte und sich dabei teilweise auf Ideen Muhammad Iqbals bezog. Millionen von Nichtmuslimen verließen daraufhin die Region, während andererseits zahlreiche indische Muslime nach P. übersiedelten. Gegenwärtig stellen die Muslime fast 100% der Bevölkerung. Einer Mehrheit von Sunniten (90%) stehen verschiedene schiit. Richtungen gegenüber, darunter der Nizârî-Zweig der Ismâîliten, Anhänger der Agha Khâne. Die vom Staat P. wie auch den meisten anderen Muslimen nicht anerkannte Gruppe der Ahmadîya besitzt im Land etwa 2 Mio. Mitglieder. Der Staat P. bestand zunächst aus zwei geograph. getrennten Landesteilen, Ost-P. in Bengalen und West-P. Ost-P. trennte sich 1971 nach heftigen Auseinandersetzungen ab und wurde zu Bangladesh, während aus West-P. das heutige P. hervorging. Die Ausformung eines islam. Staates wurde nach der Staatsgründung stetig vorangetrieben, u. a. durch die Beteiligung al-Maudûdîs. In der Verfassung von 1956 wurde P. zur Islam. Republik erklärt, was die Verfassung von 1973 bestätigte. Versuche einer Islamisierung des Rechtswesens führten 1999 dazu, daß die Scharia-Justiz in Teilen des Landes eingeführt wurde. Islam. Bildung wird stark gefördert, aber noch beträgt die Analphabetenrate etwa 60%. P. versucht, seine Stellung in Südasien durch Entwicklung von Atomwaffen zu stärken, obwohl es großen ökonom. Problemen gegenübersteht, die 1999 an den Rand eines Staatsbankrotts führten. Ein im Weltmaßstab relativ großes Bevölkerungswachstum und verbreitete Korruption in den herrschenden Schichten tragen zur Instabilität bei. Größtes außenpolit. Problem ist der Konflikt mit Indien. Bereits 1949 war es im Streit um die Grenzregion Kaschmir zum ersten indisch-pakistan. Krieg gekommen. 1999 brachen neue blutige Konflikte in Kaschmir aus.Literatur:
Schimmel, A.: Berge, Wüsten, Heiligtümer. Meine Reisen in Pakistan und Indien, 1995. - Talbot, J.: Pakistan. A Modern History, 1998.
Autor/Autorinnen:
Abd al-Halim Ragab, Dr., Universität Bamberg, Arabistik und Islamkunde lf Elger, PD Dr., Universität Bamberg, Arabistik und Islamkunde
Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.
