Palästina

P. (arab.: Filastîn), Bezeichnung für das Land westlich des Jordan bis zum Mittelmeer, im Südwesten begrenzt durch Gaza, im Norden durch den Golan. Mit Ausnahme der Zeit der Kreuzzüge (1095–1291) regierten in P. von 634 bis ins 20. Jh. hinein verschiedene islam. Herrscher. Seit dem ausgehenden 19. Jh. wurde die Region dann Einwanderungsziel der zionist. Bewegung, die hier, zunächst unter dem Eindruck der Judenverfolgungen in Osteuropa, die Errichtung einer „nationalen Heimstatt“ anstrebte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde P. britisches Mandatsgebiet. Mit der Ausrufung des Staates Israel 1948 und dem sich anschließenden ersten arab.-israel. Krieg fiel jedoch der größte Teil des histor. Gebietes P. unter die Kontrolle Israels, während der kleinere Teil auf dem westlichen Jordanufer von Jordanien annektiert wurde und Ägypten sich die Macht über den Gazastreifen sicherte. Etwa 80% der arab. Bewohner P. flohen im Verlauf des Kriegsgeschehens aus ihrer Heimat oder wurden von den israel. Kampfeinheiten vertrieben und suchten Zuflucht in den angrenzenden arab. Nachbarländern. Noch heute leben Hunderttausende palästinens. Flüchtlinge unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern. Im Sechstagekrieg von 1967 eroberte Israel das Westjordanland (einschließlich Ostjerusalem) und den Gazastreifen. Daraufhin forderte die UN in einer Resolution des Sicherheitsrates den Abzug der israel. Truppen aus den besetzten Gebieten. 1993 schlossen die PLO unter ihrem Vorsitzenden Yassir Arafat und Israel unter Ministerpräsident Yitzhak Rabin in Oslo ein Abkommen, in dem sich beide Seiten auf eine friedliche Lösung ihres Konflikts verpflichteten. Die damit geweckten Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht. Im Jahr 2000 löste der Besuch Ariel Sharons auf dem Tempelberg in Jerusalem die zweite Intifâda aus. Israel begann 2002 mit der Errichtung eines Grenzzauns, um das Eindringen palästinens. Selbstmordattentäter in sein Kernland zu verhindern. Damit wurde jedoch die Bewegungsfreiheit auch der palästinens. Zivilbevölkerung weiter eingeschränkt. Nach dem Tod Arafats 2004 und der Wahl von Mahmud Abbas zum neuen Präsidenten der Palästinenser sind die Chancen für Verhandlungen mit der israel. Führung wieder gewachsen. Israel zog sich 2005 auf einseitigen Beschluß hin aus dem Gazastreifen zurück.

Literatur:
Baumgarten, H.: Palästina: Befreiung in den Staat. Die palästinensische Nationalbewegung seit 1948, 1991. – Herz, D.: Palästina. Gaza und Westbank. Geschichte, Politik, Kultur, [5]2003. – Krämer, G.: Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Gründung des Staates Israel, [4]2003. – Mejcher, H./Schölch, A.: Die Palästina-Frage 1917–1948, 1981. – Owen, R.: Studies in the Economic and Social History of Palestine in the Nineteenth and Twentieth Centuries, 1982.

Autor/Autorinnen:
Renate Dieterich, Dr., Universität Bonn, Orientalistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008.




 

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