Sudan

S., Republik im Nordosten Afrikas, 2 505 813 qkm, 32,8 Mio. Einwohner, davon ca. 70% Muslime; die Hauptstadt ist Khartoum. Die Islamisierung begann in der Region erst im 16. Jh. in Zusammenhang mit der Entwicklung des Sultanates Funj. Im 19. Jh. kam der S. unter ägypt. Herrschaft, die jedoch im Rahmen der Bewegung des Mahdî Muhammad Ahmad (1841–1885) abgeschüttelt wurde. Während der nachfolgenden anglo-ägypt. Kolonialherrschaft (1898–1956) dominierten zwei große Blöcke, die von Nachkommen des Mahdî geführte Gruppe der Mahdîya und die »ûfî-Bruderschaft der Khatmîya, über die mit ihnen verbundenen Parteien die polit. Entwicklung des Landes. Ihre zentrale Rolle im polit. Prozeß setzte sich in der Zeit der Unabhängigkeit unter wechselnden Militär- und Zivilregierungen fort. Erst nach der Machtübernahme der National Islamic Front, NIF (arab. al-Jabha al-Islâmîya al-Qaumîya), unter der Führung von ³asan at-Turâbî (geb. 1930) im Jahre 1989 kam es zu einer grundlegenden Veränderung der Verhältnisse im S. Seither bestimmen eine anhaltende ökonom. Krise, Autonomiebestrebungen im Westen und Süden des Landes, der Kampf um Ressourcen (Erdöl) und die Machtkonflikte zwischen der NIF, der Armee, der Mahdîya und den Anhängern der Khatmîya die Entwicklung des Landes. Seit 2001 setzte sich die Militärregierung unter General Umar al-Bashîr jedoch gegen die NIF durch und handelte in der Folge ein Friedensabkommen mit der wichtigsten Rebellengruppe des Südsudan, der Sudan People’s Liberation Army (SPLA), aus. Dieses trat 2005 in Kraft und regelt neben der polit. Zukunft des Südsudan auch die Verteilung der Einnahmen aus dem wachsenden Erdölexport. 2003 kam es allerdings zu einem neuen Bürgerkrieg in der Region Darfur, in dem sich die Sudan Liberation Army (SLA) und die von der Regierung unterstützten „Dschandschawîd“-Milizen gegenüberstehen.

Literatur:
Lavergne, M. (Hg.): Le Soudan contemporain. De l’invasion turco-égyptienne à la rebellion africaine (1821–1989), 1989.

Autor/Autorinnen:
Roman Loimeier, PD Dr., Zentrum Moderner Orient, Berlin


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 5., aktualisierte und erweiterte Auflage 2008.




 

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