Tausendundeine Nacht

, Titel einer Sammlung verschiedenartiger Erzählungen (Liebes- und Abenteuererzählungen, Zaubermärchen, Fabeln, Anekdoten), eingefasst durch die Rahmengeschichte mit der Erzählerin Sheherezade, die durch das nächtliche Erzählen ihre drohende Hinrichtung durch den Herrscher Shahriyar verhindert. Ein arab. Fragment der ersten Seiten von T. N. datiert aus dem 9. Jh. Der Titel Hazār Afsāna (pers., «Tausend Nächte») ist im 10. Jh., der arab. Titel Alf laila wa-laila («Tausend und eine Nacht») im 12. Jh. für eine Erzählsammlung belegt, ohne dass ihre genaue Zusammensetzung bekannt wäre. Im Kernbestand der heutigen Sammlung sind Stoffe und Geschichten indo-­iranischer, Bagdader und ägyptischer Herkunft aus verschiedenen Epochen auszumachen. Die ­älteste bekannte Handschrift ist ein arab. Fragment aus Aleppo aus dem 15. Jh. (ed. von M. Mahdi 1984). Diese Handschrift war eine von mehreren Quellen des frz. Diplomaten A. Galland (1646 – 1715), durch dessen Kompilation und freie Übertragung (12 Bde., 1704 – 1717) die Sammlung in Europa berühmt wurde. Auf Gallands Mille et une Nuits fußen viele Übersetzungen im 18. Jh. (u. a. die erste deutsche Übersetzung, anonym, 1. Bd. 1706, weitere Bde. ab 1710). Das Interesse der Europäer führte dazu, dass im Vorderen Orient verschiedene Textsammlungen mit dem Titel Alf laila wa-laila ­entstanden. Im 19. Jh. vollzog sich der Prozess einer Standardisierung der Sammlung, wozu auch die Druckausgaben aus Bulāq (Ägypten) und Calcutta beitrugen. T. N. beeinflusst bis heute Kunstschaffende aller Sparten, die Motive daraus in ihr Werk aufnehmen.

Literatur:
Grotzfeld, H.+S.: Die Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, 1984. – Littmann, E. (Übers.): Die Erzählungen aus den Tausendundein Nächten, 1981. – Marzolph, U./van Leeuwen, R. (Hg.): The Arabian Nights Encyclopedia, 2 Bde, 2004. – Marzolph, U.: The Arabian Nights Reader, 2006. – Ott, C. (Übers.): Tausendundeine Nacht. Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi erstmals ins Deutsche übertragen, 2011. – Ott, C. (Übers.): Tausendundeine Nacht. Das glückliche Ende, 2016. – Walther, W.: Tausendundeine Nacht. Eine Einführung, 1987.

Autor/Autorinnen:
PD Dr. Roxane Haag-­Higuchi, Universität Bamberg, Iranistik


Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.



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