Tansania
T., Republik in Ostafrika, 945 087 qkm, 31,3 Mio. Einwohner, davon ca. 35% Muslime; die Hauptstadt ist Dar es-Salam. In der zunächst deutschen, später britischen Kolonialzeit wurde die an der Swahiliküste konzentrierte muslim. Bevölkerung Tanganyikas Teil eines Staates, in welchem die Muslime nicht mehr eine eindeutige Bevölkerungsmehrheit stellten, obwohl sie in der Vergangenheit die polit. und ökonom. Geschicke des Landes geprägt hatten. Religiöse Gelehrte, die mit Sûfî-Bruderschaften und zwar insbesondere mit der Qâdirîya verbunden waren, hatten zudem im 19. Jh. großen gesellschaftlichen Einfluß errungen und maßgeblich dazu beigetragen, den Islam im ostafrikan. Hinterland zu etablieren. Im Kampf für die Unabhängigkeit des Landes spielten die Muslime Tanganyikas eine wichtige Rolle. Mit der Vereinigung von Tanganyika und Sansibar im Jahre 1964 erlangten sie zusätzliches Gewicht im Gesamtstaat T. Erst in den 1980er Jahren begannen sich islam. Oppositionsbewegungen wie die BALUKTA (Council for the Promotion of the Coran in Tanzania) zu entwickeln, die sich gegen die Vereinnahmung des Islams durch die Einheitspartei Chama Cha Mapinduzi (CCM) und den mit ihr verbundenen Dachverband der Muslime T., BAKWATA (Supreme Council for Tanzanian Muslims), wandten. Die neueren islam. Gruppierungen hatten aber eher den Charakter polit. Oppositionsgruppierungen und konnten sich bisher nicht gegen den nationalen Dachverband BAKWATA durchsetzen. Die Autonomiebestrebungen in Sansibar hatten weniger religiöse als polit. Hintergründe.Literatur:
Chande, A. N.: Islam, Ulamaa and Community Development in Tanzania. A Case Study of Religious Currents in East Africa, 1998.
Autor/Autorinnen:
Roman Loimeier, PD Dr., Universität Bayreuth, Islamwissenschaft
Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: Beck 2001. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2002.
